Nach der Stadtbesichtigung ging es noch vor dem Mittagessen via Bus in das nahegelegene Braunkohle-Abbaugebiet Hambach. Allen verschlug es den Atem angesichts dieses riesigen Loches in der Landschaft. Selbst diejenigen, die Bilder aus dem Fernsehen kannten – etwa von den Demonstrationen um die Erhaltung des Hambacher Forst -, waren tief beeindruckt. Immerhin handelt es sich um das weltweit größte Braunkohletagebau-Gebiet der Welt.






Am Aussichtspunkt Terra Nova am Nordrand des Abbaugebiets empfing der Bedburger Bürgermeister Sascha Solbach die Reisegruppe. Er wusste viel über die gigantische Grube zu berichten. Allein ihre Ausmaße von 85 Quadratkilometern würde die Gesamtfläche von Halver (etwas mehr als 77 Quadratkilometer) schlucken. Wenn nach Ende der Nutzung im Jahr 2030 die Grube zu einem riesigen See umgewandelt werden soll, wird es voraussichtlich etwa 80 Jahre dauern, bis der See komplett durch Regen und Flüsse gefüllt sein wird. So könnten ihn dann vielleicht Enkel, Urenkel und Uruurenkeln zur Freizeitgestaltung nutzen.
Nächste Station: der jüdische Friedhof. Hier wurde eine mehr als 60 Jahre verschollene Bronzetafel mit hebräischer Inschrift wieder an jenes Grab montiert, für das sie ursprünglich gefertigt wurde und lange angebracht gewesen war, bevor die Nazis ihrer habhaft wurde. Bastian Müller, der Stadtarchivar von Bedburg erzählte von dem Zufallsfund. Durch die Erweiterungsarbeiten am Stadtarchiv stieß man im Keller auf jene Bronzeplatte und Heinz Obergünner war schnell klar, dass diese vom örtlichen jüdischen Friedhof stammen musste.











Das dazugehörige Grab wurde schnell gefunden. Es war das Familiengrab der Familie Hermann Franken, der (bis zur Zwangsenteignung nach der Reichspogromnacht im November 1938, auch als Kristallnacht bekannt) das Gebäude des alten Bedburger Rathauses auf der Friedrich-Wilhelm-Straße gehörte. Jetzt war auch klar, warum Hanna Monin, ihre Tochter Daphna Arditi und ihr Neffe Yossi Meiri aus Israel angereist waren. Denn Hermann Franken war Hanna Monins Großvater und sie selbst ist in Düsseldorf und Bedburg aufgewachsen. Als die Familie Anfang 1939 aus Deutschland floh, war Hanna Monin (Jahrgang 1927) 11 Jahre alt.
So waren es auch die Nachfahren der Familie Franken – hauptsächlich Yossi Meiri -, die die Städtepartnerschaft zwischen Bedburg und Pardes Hanna-Karkur initiierten.
Schon bei der Stadtführung kamen bei Hanna Monin viele Kindheitserinnerungen zurück und auch am Grab ihres Großvaters erzählte sie berührende Geschichten – wechselweise in akzentfreiem Deutsch und in Hebräisch. Ebenfalls tief ergreifend: ein Mitglied der Tanztruppe sang ein hebräisches Lied, dass den traurigen Inhalt spüren ließ und einmal mehr verdeutlichte, dass Musik eine universelle Sprache ist. Danach tanzte ein Duo spontan auf dem Friedhof – ein kurzer Einblick, was der Abend noch bringen sollte.









