Es mag dem Wetter geschuldet gewesen sein, dass zum Kiersper Bürgergespräch zum Thema „Durchfahrvebot“ weniger Interessierte kamen, als in den Tagen zuvor bei den entsprechenden Veranstaltungen in Meinerzhagen (Freitag, 3. März) und Halver-Oberbrügge (6. März). Außerdem gehörte ein Großteil derer, die den Weg in die „Umbaubar“ fanden, sowieso zum SPD-Ortsverein Kierspe. So kam am Dienstagabend, 7. März, eine kleine Gesprächsrunde zustande, die von Gordan Dudas auf den aktuellen Stand gebracht wurde. Außerdem stellte Dudas seine Idee einer Entschärfung der Verkehrsprobleme in Lüdenscheid vor.
Dudas rekapitulierte zunächst, wie das Brücken-Desaster begann. Vor allem rückte er dabei die Anwohner in den Mittelpunkt, die direkt an der Bedarfsumleitung leben müssen: „Da sind Menschen mittlerweile wegen Schlafmangel in psychiatrischer Behandlung“, schildert Dudas die dramatischen Auswirkungen des extremen Verkehrs etwa an der Lennestraße in Lüdenscheid. Derartige Verhältnisse sind nun auch für Kierspe zu befürchten, wenn keine vernünftigen Lösungen gefunden werden, um den Schwerlastverkehr großräumig umzuleiten: über den Großraum Köln, umgeleitet am Westhofener Kreuz sowie im Autobahnkreuz Olpe-Süd. Selbst wenn dies gelänge, würde die Belastung für die Orte im Volmetal deutlich zunehmen. Nach seinen Schilderungen wird klar: Ein Patentrezept gibt es nicht, und die Menschen werden sich mit der Lage auch irgendwie arrangieren müssen.

Hinsichtlich der eigentlichen Brückenbaustelle ist Gordan Dudas sehr zuversichtlich: „Der Termin für die Sprengung steht 300 oder 400 Prozent sicher, solange kein Meteor über Lüdenscheid herabstürzt.“ Er bemühte sich redlich um das Image der Haselmaus, die unfreiwillig und – nach Schilderung des Landtagsabgeordneten – völlig zu Unrecht für etwaige Verzögerungen verantwortlich gemacht worden sei, schließlich seien die Planungen alle parallel verlaufen. Weitaus gravierender seien die zu hohen Forderungen von Grundbesitzern im Umfeld der Brücke gewesen, die mit überzogenen Vorstellungen die Kaufverhandlungen in die Länge gezogen hätten.
Die etwas kuriose Sache mit den notwendigen Betonfüllungen der Brückenpfeiler habe sich nur minimal ausgewirkt und sei durch Abweichungen zu den ursprünglichen Bauplänen entstanden. Beim Neubau erwartet Gordan Dudas, dass das ausführende Bauunternehmen schon wegen der Aussenwirkung alles daran setzen werde, die neue Brücke so schnell wie möglich zu errichten: „Das wird in ganz Europa beachtet. Das ist ein Prestige-Projekt für das Unternehmen.“
Bis die neue Brücke steht, müssen vernünftige Konzepte her, um den Verkehr – im wahrsten Sinne des Wortes – in geordnete Bahnen lenken. Dazu brachte Dudas zwei Aspekte auf den Tisch: Die brauchbare Gesetzeslage, die sehr wohl ein Durchfahrverbot erlaube, und gegensätzliche Interessen in der Politik. Der Paragraph 45 der Straßenverkehrsordnung erlaube durchaus eine Sperrung, wenn sich durch den vorherrschenden Verkehr eine erhebliche Gefährdung ergeben würde.
Diese Anordnung könnte durch die Straßenverkehrsbehörden auch auf städtischer Ebene erlassen werden. Ganz rechtssicher sei das nicht, Dudas sieht darin aber eine durchaus vernünftige Basis. Sein Plan: Er bringe das Thema am Mittwoch, 8. März, im Landtag auf den Tisch und strebe eine Gesetzesänderung an. In welcher Form diese Änderung selbst bei erfolgreichem Antrag durch die politischen Gremien geht, ist aber nicht absehbar. Dudas würde sich auch mit einer Ablehnung seines Antrages zufriedengeben, wenn sich aus der Begründung ergäbe, dass der bisherige Gesetzestext die gewünschten Sperrungen zulassen würde.

Der SPD-Politiker klärte auch die Anwesenden darüber auf, warum augenscheinlich sinnvolle Lösungen nicht direkt umgesetzt würden. So kann er nach eigenem Bekunden durchaus nachvollziehen, dass es auf Landes- und Bundesebene keine Unterstützung für das großräumige Umfahren der gesperrten Brücke gäbe: „Schon jetzt ist der Kölner Ring am Limit, und auch dort kämpft man mit maroden Brücken“. Nicht verstehen könne er allerdings die Haltung des Märkischen Kreises, wo ein bürokratisches Problem daraus gemacht würde, dass die Autobahnanschlussstelle Lüdenscheid-Nord streng genommen auf Schalksmühler Gebiet liegt.
Ein positiver Aspekt, der sich an diesem Abend ergab: Offenbar ist die Bahnstrecke zwischen Lüdenscheid und Hagen bald wieder nutzbar. Nach Angaben der Deutschen Bahn habe man die Schäden, die bei der Flut im Juli 2021 entlang der Bahnlinie entstanden waren, bald beseitigt. Am 10. Dezember soll die RB52 wieder fahren, was zumindest für eine kleine Entspannung der Situation sorgen dürfte.
Mit den Bürgergesprächen in Meinerzhagen, Halver und Kierspe, will Gordan Dudas nach eigenem Bekunden das Interesse wachhalten. Ihm gehe es vor allem darum, die Aufmerksamkeit für das Brücken-Desaster auch medial wachzuhalten oder gar noch zu verstärken.
Am Dienstagabend kamen noch zahlreiche Ideen zur Rettung der Region auf den Tisch: Es könnten sich Projekte mit Pilot-Charakter daraus entwickeln. Zu einem solchen wurde die Rahmedetalbrücke unfreiwillig, denn mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es angesichts des Zustandes zahlreicher Brücken in Deutschland in Zukunft ähnliche Szenarien an anderen Orten geben. Allein in Südwestfalen haben viele Autobahnbrücken ihr prognostiziertes Lebensende in absehbarer Zeit erreicht.
Mit den richtigen Konzepten könnten Lüdenscheid, das Volme- und das Lennetal ein Vorbild werden. Die Strahlkraft dürfte sich in Grenzen halten, aber dennoch dürften Ideen zum Überleben andernorts gefragt sein.










