„Die Tiere können nichts dafür – sie sind nicht Schuld“. Mit deutlichen Worten reagierte Kreisdirektorin Barbara Dienstel-Kümper, beim Märkischen Kreis auch zuständige Fachbereichsleiterin für den Arten und Umweltschutz, auf manche polemische Äußerung in der Öffentlichkeit im Zusammenhang mit der Brückensprengung.
Die Tiere seien ja wichtiger als die Menschen, war da teilweise zu lesen und zu hören. „Der Unmut wird auf die Tiere abgeladen, das haben die nicht verdient. Sie haben den Termin der Sprengung nicht verzögert.“

Anlass für das klare Statement war die jüngste Sitzung des Ausschusses für Abfallwirtschaft, Umweltschutz und Planung des Kreises. Dort stellte der zuständige Fachdienstleiter Dr. Johannes Osing den Kreispolitikerinnen und -politikern die „Umsetzung des Artenschutzes anlässlich des Sprengabbruchs der BAB 45 Rahmede-Talbrücke“ vor.
500 Fledermäuse: Kartierung der Arten begann vor fünf Jahren
In seiner Einleitung lobte er die rechtzeitige Planung der Autobahn GmbH im Zusammenhang mit dem Artenschutz. „Da war der Abbruchantrag noch gar nicht gestellt“, so Dr. Osing.
Bereits vor fünf Jahren sei damit begonnen worden, vor Ort die Kartierung der Arten vorzunehmen. Welchen Arten durch Vermeidungs- oder Ausgleichsmaßnahmen Rechnung getragen werden musste, sei allen Beteiligten bekannt gewesen. An der Rahmede-Talbrücke seien rund 500 Fledermäuse heimisch gewesen.

Vier Mitarbeitende seines Fachdienstes seien mit dem Thema beschäftigt. Die Brücke sei Lebensraum für viele Tiere gewesen, unter anderem Brutstätte für Vögel und Winterquartier für Fledermäuse – darunter die Haselmaus, der Wanderfalke und die Zwergfledermaus. Dr. Johannes Osing: „Und die neue Brücke wird es auch werden.“
Laut EU-Vorgaben und nach dem Bundesnaturschutzgesetz seien das streng geschützte Arten. „Die Vorschriften des Artenschutzes gelten unabhängig von einer Umweltverträglichkeitsprüfung.“

Das sei auch gut so. „Wir erleben zurzeit das größte Massensterben seit 66 Millionen Jahren. Deshalb ist die Biodiversitätskrise genauso wichtig wie die Klimakrise. Es gibt zudem kein Unternehmen, das nicht von der Natur abhängig ist“, so Dr. Johannes Osing. Lokaler Artenschutz sei deshalb ein Teil der globalen Verantwortung.
Und so sahen die konkreten Maßnahmen aus:
Haselmaus
Nach Beendigung ihres Winterschlafs im April 2022 wurden zehn Tiere eingefangen und umgesiedelt. Auf der Fläche von 3,5 Hektar wurde mit maximal 30 Tieren gerechnet.
Es wurde ein Ersatz-Habitat als Ausgleich für die weggefallene Fläche angelegt. An diesem neuen Zuhause wurden Haselmausnistkästen aufgestellt.
Fledermaus
Es wurden Ersatzquartiere geschaffen, vor allem in unterirdischen Stollen oder ehemaligen Bunkern. Sieben Fledermaustürme wurden aufgestellt, 40 Winterquartierkästen und zwei kleinere Ersatz-Brückenpfeiler errichtet. Aus den vorhandenen Pfeilern wurden die Tiere nach der Winterschlafphase vergrämt, die Brückenpfeiler anschließend verschlossen.
Wanderfalken
Zwei neue Nistkästen wurden aufgestellt und mit Fotofallen ausgestattet. Die Vergrämung an der alten Brücke scheiterte, weil dies aus Stabilitätsgründen nicht möglich war. Nachdem die Jungvögel, ein männliches und ein weibliches Tier, geschlüpft waren, wurden die kleinen Wanderfalken in ein neues Nest umgesiedelt (wir berichteten). Der zweite Nistkasten sei zwar angenommen worden, gebrütet worden sei aber noch nicht.









