Evelin Schlesser steht kurz vor der schweren Entscheidung, Schalksmühle zu verlassen – und das aus unfreiwilligen Gründen. Die 19-Jährige pendelt seit Oktober täglich zur Technischen Universität (TU) Dortmund. Für ihren Traumstudiengang Architektur. Schon früh war für sie klar, dass sie für das Studium nur ungerne die kleine Volmegemeinde im Sauerland verlassen möchte. „Schalksmühle ist meine Heimat, meine Familie und Freunde leben hier“, betont sie. Zudem arbeitet sie nebenbei in der Gemeinde, um die hohen Materialkosten für ihr Architekturstudium finanzieren zu können.
Allerdings gestaltet sich das Pendeln von Schalksmühle nach Dortmund seit Studienbeginn äußerst kompliziert. Schaut Schlesser rückblickend in das erste Halbjahr von 2021, so kann sie gar nicht glauben, wie „schnell und einfach“ sie damals für Ausflüge nach Dortmund gelangen konnte. Mit dem Zug RB52 konnte sie direkt am Bahnhof Schalksmühle einsteigen und war etwa 40 Minuten später am Dortmunder Hauptbahnhof, ohne umsteigen zu müssen. Mit der Hochwasserkatastrophe im Sommer 2021 änderte sich der Zugverkehr jedoch drastisch.
Zweieinhalbstunden hin und zurück
Ein Sprung zurück in dieses Jahr: Seit mehr als zwei Jahren arbeitet die Deutsche Bahn daran, zerstörte Bahngleise in Schalksmühle und der Umgebung zu reparieren. Für Schlesser, aber auch für viele weitere Pendler in der Region, bedeutet das: Ausfälle, Verspätungen und ganz viel Geduld.
Obwohl die Arbeiten am Bahnhof Schalksmühle abgeschlossen sind, ist er für den öffentlichen Nahverkehr noch nicht freigegeben. Wenn die Studentin nun von Schalksmühle nach Dortmund pendeln möchte, bleibt ihr nichts anderes übrig, als einen beschwerlichen, zweieinhalbstündigen Weg auf sich zu nehmen.
Zuallererst müsste Schlesser von Rotthausen zur Bushaltestelle am Rathausplatz laufen. Aufgrund geänderter Fahrpläne kann sie keinen Bus mehr nehmen, der sie rechtzeitig zum Schienenersatzverkehr (SEV) bringt. „Immerhin bringe ich so ein bisschen Bewegung in meinen Alltag“, scherzt die 19-Jährige. Vom Rathausplatz würde der Weg dann mit dem SEV nach Rummenohl führen. Dieser sollte normalerweise nur 15 Minuten dauern – in der Theorie. „Der SEV verspätet sich oft, da viele Autofahrer wegen der Brückensperrung und anschließender Sprengung in Lüdenscheid über die Volmestraße fahren“, erklärt Schlesser, was eine zusätzliche Belastung darstellen würde.
Dies hat die Konsequenz, dass sie ihren Anschlusszug nach Herdecke verpassen würde. Also muss eine andere Lösung her: Der Bus 510 fährt circa 40 Minuten über die Hagener Innenstadt zum Hauptbahnhof. Aber anstatt direkt nach Dortmund zu fahren, müsste sie einen Umweg über Bochum nehmen, „weil viele Züge nach Dortmund ausfallen“. Nach 25 Minuten würde sie schließlich den Bochumer Hauptbahnhof erreichen und den letzten Zug zur TU Dortmund nehmen. Nach mehrmaligem Umstiegen und Verspätungen wäre Schlesser dann schließlich am Ziel. Doch auf Dauer möchte sie diesen mühsamen Weg nicht mehr auf sich nehmen. „Wenn ich diese Strecken zur Uni fahren würde, müsste ich zwischen 4 und 5 Uhr morgens aufstehen, obwohl meine erste Vorlesung erst um 8.30 Uhr beginnt“, sagt sie. Daher suchte die Schalksmühlerin nach einer Übergangslösung.
Studentin hofft auf bessere ÖPNV-Anbindungen
Um Zeit auf der Strecke zu sparen, wohnt Schlesser vorübergehend an Werktagen bei ihrem Freund in Hagen. „Von Hagen aus ist der Weg zur Uni ein wenig erträglicher“, erklärt sie ihre Entscheidung. Etwa eine Stunde dauert die Fahrt mit dem ÖPNV.
Sie hat zwar nach Alternativen gesucht, wie das Pendeln zur Uni mit dem Auto, aber die Suche nach einem bezahlbaren Auto gestaltete sich schwieriger als erwartet. Zusätzlich bedauert sie, dass ihr „Semesterticket NRW“, für das sie 220 Euro pro Semester zahlt, an Bedeutung verlieren würde. Dennoch ist sie überzeugt: „Ein Auto würde mir vieles erleichtern“.
Sollte es jedoch notwendig werden, wird die Studentin in Erwägung ziehen, nach Dortmund zu ziehen. Derzeit sucht sie nach einer kleinen Studentenwohnung, deren Preise stark gestiegen sind. „Ich möchte Schalksmühle nur ungern verlassen, aber ich sehe keine andere Wahl. Mit einer vernünftigen ÖPNV-Anbindung könnte man dies verhindern“, kritisiert sie. Schlesser hofft auf eine baldige Wiederherstellung des Zugverkehrs, auch wenn sie nicht allzu viele Erwartungen und Vertrauen in die Deutsche Bahn habe.









