Von der Idee zum Windrad: Welche Schritte dafür nötig sind, erläuterte den 16 Teilnehmern des BEE-Treffens Timo Gelzhäuser. Um als Gruppe Entwicklungen festzuhalten und nach innen und nach außen zu kommunizieren, stellte Wirth außerdem die neue Internetseite der Initiative vor.

Der VHS-Vortrag des Wissenschaftsjournalisten Thomas Isenburg im Sommer hat in Kierspe etwas ins Rollen gebracht: Seine Vision von „Bürgerwindparks – als eine Option für die Allgemeinheit“ wird von der BEE weiter getragen und entwickelt. Die Gruppe trifft sich regelmäßig zu Vorträgen und zum Austausch. Sie informiert sich, wie andere Städte und Kommunen es geschafft haben, Bürgerwindparks zu installieren oder Bürgerengergiegenossenschaften zu gründen, etwa Hilchenbach oder Lüdenscheid.
Gelzhäuser: Von der Idee zum Windrad
„Hut ab, dass es die Initative in Kierspe gibt“, lobte Gelzhäuser, der acht Jahre im Bereich Windkraft gearbeitet hat – an Land und auf See. Er fasste zusammen, welche Schritte bis zum Windrad durchlaufen werden müssen.
Schritt Eins: Einen passenden Standort finden. Das Prinzip: ein Weißabgleich. „Das funktioniert so: Auf einer Karte werden die Flächen ausgeklammert, die für eine Windkraftanlage nicht in Frage kommen“, erklärte Gelzhäuser. „Etwa Natur- und Wasserschutzgebiete. Oder der vorgegebene Mindestabstand von rund 700 Metern zu einer Wohnsiedlung kann auf einer Fläche nicht eingehalten werden. Die Flächen, die nach der Aussortierung übrig bleiben, sind potentielle Standorte.“
Schritt Zwei: die Eigentümer der übrig gebliebenen Flächen kontaktieren. Schritt Drei: Prognosen aufstellen, wie viel Wind an einem Standort weht. Stichwort „Windatlas“. Schritt Vier: Die Umweltverträglichkeit prüfen. „Dieser Schritt lässt sich auch schon vor dem Prozedere in Eigeninitiative prüfen. Sollte bekannt sein oder herausgefunden werden, dass etwa ein Schwarzstorch in einem Gebiet brütet, lohnt sich das Verfahren nicht.“ Auf geschützte Vogelarten müsse Rücksicht genommen werden. Um den Weißabgleich, die Umweltämter und Behörden kümmern sich in der Regel Projektierungsbüros. Pro Windrad sei mit rund 100.000 Euro an Planungskosten zu rechnen. „Reines Risikokapital“, so Gelzhäuser. Es sei sinnvoll, sich Berater ins Boot zu holen, die Strukturen übernehmen. Häufig werde auch ein Investor hinzugezogen. „Aber wenn das ein Mal Windrad steht, dann steht es bis zu 25 Jahre.“
Kälberberg: Projekt unterstützen
„Die komplette Projektierung könnten wir uns bei einem Projekt schon sparen. Stichwort ‚Kälberberg'“, so Clemens Wieland. Als ersten Schritt könnte sich die BEE vorstellen, das Windparkprojekt am Kälberberg zu unterstützen, das zum Teil auf Lüdenscheider Grund und zum Teil auf Grund der Stadt Kierspe entstehen soll. Hier dürften drei bis vier Windräder entstehen.
„Wir könnten uns an das Projekt der Mark E dranhängen“, so Wieland. Gelzhäuser bestätigte die gute Ausgangssituation eines Projektes auf städtischem Boden, ermutigte aber auch dazu, weitere Standorte für Anlagen zu suchen.
Arbeitsgruppen bilden
Für die Gruppe steht zunächst an, sich zu strukturieren. Themen der Arbeitsgruppen könnten sein: Organisation und Rechtsform (möglicherweise als Genossenschaft), Technik, Standorte und Finanzierung.

Die Form der Genossenschaft hätte einige Vorteile, da waren sich die Teilnehmer einig: Der Bund würde Projektierungsphasen mit rund 200.000 Euro fördern, die Bürger würden beteiligt und könnten neben dem Ertrag für die Umwelt auch wirtschaftlichen Profit aus einer Anlage schlagen – das steigere die allgemeine Akzeptanz.
Nächste Schritte
Wieland sicherte zu, eine Rechtsberatung zum Thema Genossenschaft einzuholen. Die Ergebnisse werden Thema beim nächsten Treffen der BEE sein. Isenburg wird unterdessen die Mark E kontaktieren. Außerdem sollen die Arbeitsgruppen gegründet werden.