„Auch Nichtstun kann teuer werden.“ Bürgermeister Sebastian Wagemeyer malte bei der öffentlichen Fraktionssitzung von CDU und SPD zum geplanten P&C-Projekt am Montagabend im Kulturhaus die negativen Folgen eines dauerhaften Leerstands an der Wilhelmstraße aus. Das Interesse an der Veranstaltung war groß. Rund 300 Bürgerinnen und Bürger wollten wissen, wie die Dinge um das Großprojekt in der City stehen.
Aus ihren Reihen meldeten sich auch einige Skeptiker. Zdenka Schwabauer von der neuen Wählerinitiative „Wir machen Lüdenscheid“ (WML) äußerte die Befürchtung, die Stadt handele sich mit dem Multi-Use-Komplex eine Investitionsruine ein, wenn nicht alles nach Plan laufe. Von Midstad-Geschäftsführer Dr. Kevin Meyer wollte sie wissen, wie es um die Bonität des Unternehmens bestellt sei, das den Komplex errichten und danach an die Stadt Lüdenscheid verkaufen will. Über die Kreditwürdigkeit und Zahlungsfähigkeit des Unternehmens wollte der Midstad-Mann nicht sprechen. Nur so viel: „Midstad trägt das volle Risiko dafür, den Bau in einer festgelegten Zeit zu einem festgesetzten Kaufpreis fertigzustellen.“ Die Stadt werde erst Eigentümer nach erfolgter Fertigstellung und Zahlung des Kaufpreises. Stadtkämmerer Sven Haarhaus ergänzte, Risikoeinschätzung und Sicherheiten seien Thema laufender Verhandlungen mit dem Unternehmen.
Roland Rothmann, Geschäftsführer von Rothmann Immobilien mit Sitz am Sternplatz, begrüßte es ausdrücklich, dass sich am Eingang zur Wilhelmstraße etwas bewegen solle. Allerdings kritisierte er das Vorgehen der Stadt. Er hält den Kauf des gesamten Komplexes mit Büroflächen für die Stadt, einer Eventhalle und Flächen für Gastronomie und Einzelhandel für falsch. „Wenn die Stadt nur die Büroflächen kauft und Midstad für den Rest verantwortlich bleibt, sind die Bürger ihre Sorgen los“, sagte er.
Dr. Klaus Prinz zählt ebenfalls zu den Skeptikern. „Wenn man etwas verändern will, muss man es sich auch leisten können“, erklärte der Rechtsanwalt, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. Angesichts der schwierigen Haushaltssituation der wachsenden Verschuldung auch durch den geplanten Ankauf solle kein Geld für eine Investition ausgegeben werden, die nicht notwendig sei.
Das sehen Bürgermeister Sebastian Wagemeyer, CDU-Fraktionsvorsitzender Oliver Fröhling und stellvertretender SPD-Fraktionsvorsitzender Manuel Bunge-Altenberg anders. Der geplante Kauf sei Teil des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK), mit dem die Innenstadt modernisiert und zukunftsfähig aufgestellt werden soll. Weitere ISEK-Bausteine sind Pläne für das Forum am Sternplatz und das leerstehende Adler-Gebäude. Sebastian Wagemeyer betonte, es handele sich um einen komplizierten Prozess, mit dem sich die Stadt seit etwa dreieinhalb Jahren befasse.
„Das ist keinesfalls ein Schnellschuss, wie an anderer Stelle kritisiert worden ist.“ Im Gegenteil: „Es handelt sich um eine verantwortliche kommunale Entscheidungsfindung.“ Im Übrigen darf nicht immer nur danach gefragt werden, was es kostet. „Wir müssen auch fragen, was wir dafür bekommen.“ Darüber hinaus sei eine Politik des Stillstandes aus Angst vor Kritik unverantwortlich. „Unser gemeinsamer Anspruch ist es doch, Lüdenscheid voranzubringen.“
Zuvor hatte Dr. Kevin Meyer das Konzept des Multi-Use-Komplexes erläutert. Das Gebäude sei so flexibel angelegt, dass auf Veränderungen, etwa im Kauf- oder Besucherverhalten schnell reagiert werden könne. Dieses Konzept habe sich an zahlreichen Standorten, an denen Midstad tätig sei, bewährt.
Midstad-Architekt Christoph Irmisch stellte die Planungen für Gebäudetechnik und Nutzungsmöglichkeiten vor. Danach soll die Halle vier Rollen in den Bereichen Sport, Forum und Versammlung, Kultur und Event sowie Gastronomie übernehmen. „Vielfalt gehört zu unserer DNA“, sagte er.
Die Finanzierung des Kaufpreises ist gesichert. Nach dem jetzigen Konzept werde die Stadt das Ziel des Haushaltssicherungskonzeptes (HSK) bis 2034 erreichen. „Gewisse Risiken gibt es immer.“ Beispielsweise sei im Finanzierungsmodell ein Zinssatz von 3,5 Prozent angenommen worden. Da könne es durchaus Veränderungen geben.
Dirk Weiland, der die Veranstaltung moderierte, drückte seine Meinung drastisch aus: „Wir müssen was tun, sonst gehen hier die Lichter aus.“









