Das war wirklich kein Anfängerwetter beim Flugplatzfest des MSC Plettenberg am Sonntag auf dem Trainingsgelände „An der Endert“. Nieselregen und böige Winde forderten von den Modellflugpiloten bei der Vorführung ihrer Flugmodelle volle Konzentration.

Den faszinierten Besuchern bot sich die große Vielfalt des Modellsports: Flugzeuge mit Elektro- oder Verbrennungsmotor, Doppeldecker, Segelflugzeuge und Hubschrauber. Hinzu kamen Fallschirme, Paraglider, Kunstflug- und Transportmaschinen sowie Warbirds.

Doch zunächst waren die meisten Modelle abgedeckt und vor der Nässe geschützt. Der Wind zerrte an den flatternden Planen. Eine Pause wurde eingelegt. Zeit für ein Gespräch mit Martin Geske, der die Vorführungen der Vereinsmitglieder mit viel Sachkenntnis moderierte.

Vom fertigen Modell bis zum Eigenbau

Stolz erzählte Geske: „Wir haben im Verein alles, was das Fliegerherz begehrt. Eigentlich ist das gesamte Sortiment am Start, vom Hubschrauber bis zu Jet-Turbinen, also echten Turbinen, auch im Hubschrauber.“

Doch werden die Modelle gekauft oder selbst gebaut?

„Für jeden ist etwas dabei“, erklärte Geske. „Ich selbst bin Modellflieger, kein Modellbauer, weil ich es einfach nicht kann und auch keine Geduld dazu habe. Darum kann ich auf Modelle ausweichen, die schon fertig sind. Das heißt, man macht den Karton auf und es ist alles eingebaut. Man braucht etwa eine Viertelstunde dafür und dann hat man Spaß.“

Andere Modellsportbegeisterte möchten dagegen selbst bauen. Sie kaufen einen Baukasten und fertigen ihre Modelle wie früher aus Holz: schleifen, kleben, lackieren und bespannen. So seien beide Seiten abgedeckt – Modellbauer und Modellflieger. Wer selbst bauen wolle, könne dies tun. Wer darauf verzichten möchte, finde inzwischen eine große Auswahl an fertigen Modellen.

Martin Geske weiß, welcher Aufwand hinter einem selbst gebauten Holzmodell steckt. „Wir haben im Verein viele, die sich den ganzen Winter damit beschäftigen wollen und sich dann freuen, wenn zum Saisonbeginn ein fertiges Modell dasteht.“

Von 50 Euro bis weit über 20.000 Euro

Unter den vielen Flugzeugtypen gibt es auch Düsenjets, in denen – ähnlich wie in der Großfliegerei – echte Turbinen verbaut sind. Dabei spricht Geske von Preisklassen ab 5000 Euro, die „bequem mal die 20.000-Euro-Marke überschreiten“ können.

Diese Modelle waren an diesem Tag allerdings nicht zu sehen. „Diese Modelle werden nur zu Flugtagen herausgeholt und da wird dann gezeigt, was möglich ist. Hier bei uns bewegen wir uns in der Preisklasse von 50 bis 3000 Euro“, machte der flugbegeisterte Plettenberger deutlich.

„Hinzu kommt einmalig das Steuergerät. Aber das ist nicht mehr teuer. Das ist halt Massenware geworden, mit 2,4-Gigahertz-Technik.“

Einstieg mit der Lehrer-Schüler-Anlage

Und was ist mit Besuchern, die von der Faszination des Modellflugs angesteckt werden und das Hobby selbst ausprobieren möchten?

Auch dafür ist der MSC Plettenberg gerüstet. „Unser Verein hat eine sogenannte Lehrer-Schüler-Anlage. Das heißt, du bekommst eine Anlage und ich als Lehrer habe ebenfalls eine. Auf Knopfdruck kann ich bei Problemen des Schülers auf meinen Sender schalten und übernehmen. Wir begleiten dich, bis du es kannst und sagst: Jetzt kaufe ich mein eigenes Modell.“

Neben motorisierten Flugzeugen gibt es auch reine Segelflugmodelle. Sie können mit einer Winde, die über einen starken Elektromotor verfügt, in die Höhe gebracht werden.

Eine andere Möglichkeit ist der Start am Hang. Dafür wird zunächst die Windrichtung bestimmt. Der Verein verfügt über vier Hänge rund um das Gelände, die unterschiedliche Windrichtungen abdecken. Dort wird das Segelflugmodell gestartet und nutzt anschließend den Aufwind.

„Wenn du Motorflug machen möchtest, dann kannst du hier Motorflug machen. Du kannst hier eigentlich alles machen. Wir können alles schulen und begleiten dich, bis du es kannst“, sagte Geske.

Modellflug kann auch schweißtreibend sein

Bei den umfassenden Erklärungen wird eines klar: Die Modellflieger stehen nicht einfach nur auf der Wiese und lassen ihre Maschinen durch die Luft kreisen. Das Hobby kann durchaus körperlich anstrengend werden.

Martin Geske erzählte beispielsweise von Fahrten in die Rhön. Dort müsse man mitunter zwei Stunden den Berg hinaufwandern – und später natürlich wieder hinunter. Wenn ein Flug nicht wie geplant verlaufe und das Modell irgendwo in einer Wiese lande, komme noch der Weg zur Bergung hinzu. Sportliche Betätigung gehört also durchaus zum Modellflug.

Und schon war die Regenpause wieder vorbei. Das Wetter nahmen die Modellsportler, wie es kam: abwarten und Tee trinken – oder etwas anderes.

Niedrige Wolken setzen Grenzen

An diesem Tag machte das Wetter allerdings einige der geplanten Vorführungen unmöglich. Flugmodelle, die Geschwindigkeiten von mehr als 300 Stundenkilometern erreichen, konnten beispielsweise nicht gezeigt werden. Die erforderliche Sichtweite war nicht gegeben, zudem hing die Wolkendecke zu tief.

Geplant waren dennoch ein F-Schlepp, bei dem ein Motorflugzeug ein Segelflugmodell in die Luft zieht, sowie der Start eines reinen Segelflugmodells mithilfe einer Winde. Darüber hinaus standen Impeller-Modelle bereit – extrem schnell, extrem laut und eindrucksvoll anzusehen.

Kunstflug trotz böiger Winde

René Gerrath, einer der vorführenden Piloten, zeigte mit seiner Draco verschiedene Elemente aus dem Kunstflug. Das Vorbild der Draco war ein Einzelstück: Ein Amerikaner hatte die Maschine auf Basis eines polnischen Agrarflugzeugs bauen lassen. Das Original existiert seit einem Unfall vor zwei Jahren nicht mehr – als Modell lebt die außergewöhnliche Maschine weiter.

Jens Kortmann demonstrierte mit seinem Kunstflugmodell Raven seine Flugkünste – für die Reporterkamera sogar extra „langsam“. Mit einer Spannweite von 2,20 Metern, einem 12S-Akku und einer Motorleistung von 5,3 Kilowatt bringt es das Flugzeug immerhin auf rund 150 Stundenkilometer.

Bei böigem Wind langsam zu fliegen, ist allerdings alles andere als einfach. Und so war die Raven selbst im gedrosselten Tempo teilweise noch zu schnell für die Kamera.