Zwei Tage Musik, Tausende Besucher und eine ausgelassene und friedliche Stimmung trotz wechselhaften Wetters: Das sechste Bautz-Festival war ein Fest für die ganze Familie und hat wieder positiv Geschichte geschrieben. Während am Nattenberg der Abbau läuft, wird viel gerechnet und geplant. Trotz eines Finanzloches wird es 2027 ein Bautz-Festival geben.

Die letzten Bässe sind verklungen, auf dem Nattenberg läuft der Abbau. Wo noch wenige Stunden zuvor Tausende vor den Bühnen getanzt, gesungen und gefeiert haben, kehrt langsam Ruhe ein. Konfetti klebt auf dem vom Regen aufgeweichten Boden, Absperrgitter werden verschoben, Kabel eingerollt. Hinter der sechsten Ausgabe des Bautz-Festivals liegen zwei intensive Tage – und vor den Verantwortlichen Zahlen, Rechnungen, Gespräche und eine gründliche Manöverkritik.

Sven Helmig mit Sonnenbrille und Kappe lehnt an einer Metallabsperrung bei Bautz 2024.
Pressesprecher Sven Helmig. Hier beim Bautz 2024.
Foto: Nils Dinkel / LokalDirekt | Archiv

„Wir sind sehr happy mit unserer sechsten Veranstaltung“, zieht Bautz-Pressesprecher Sven Helmig im Gespräch mit LokalDirekt eine erste Bilanz. Vor allem die Stimmung auf dem Gelände sei über beide Tage hinweg hervorragend gewesen. Trotz des wechselhaften Wetters hätten die Besucher das Festival angenommen – und durchgezogen.

Das habe auch die Crew unmittelbar zu spüren bekommen. Immer wieder seien Besucher auf die Mitarbeiter zugekommen und hätten sich für das Festival bedankt oder positives Feedback gegeben. Für die Verantwortlichen ist das ein wichtiger Teil der ersten Bilanz.

Hunderte engagieren sich

Denn das Bautz ist mehr als eine Aneinanderreihung von Auftritten. Zahlreiche Vereine, Unternehmen und Partner aus der Region wirken mit. Bautz ist Familie: Viele hunderte Menschen, die sich zu einem großen Teil ehrenamtlich engagieren und dafür sorgen, dass sich der Nattenberg für ein Wochenende in ein großes Festivalgelände verwandelt.

„Das Bautz-Festival ist für Lüdenscheid und die gesamte Region wichtig“, betont Helmig. Ohne die Zusammenarbeit mit Vereinen, Firmen und den zahlreichen Helfern wäre eine Veranstaltung dieser Größenordnung kaum möglich. Auch organisatorisch zeigt sich der Pressesprecher zufrieden. Security, Crew, Einlass und die Abläufe auf dem Gelände hätten gut funktioniert. Zum zweiten Mal setzte das Bautz zudem auf ein bargeldloses Bezahlsystem. Auch diese Neuerung sei bei den Gästen gut angekommen.

Vor allem aber blieb das Festival friedlich. Angesichts Tausender Besucher, mehrerer Bühnen und eines langen Festivalwochenendes ist auch das für die Veranstalter ein entscheidender Punkt in der Bilanz.

Regen hält Kurzentschlossene ab

Ein Thema begleitete die sechste Ausgabe allerdings schon vor dem ersten Ton: der Blick aufs Wetter. Die Prognosen wechselten in den Tagen vorm Festival, Regenfronten zogen durch, zwischendurch zeigte sich die Sonne. Im Vergleich zu den Vorjahren waren die Vorverkaufszahlen in den zwei Wochen vor dem Festival nicht gut – wie Helmig berichtet. Gerade am Bautz-Freitag dürfte die unklare Wetterlage einige Kurzentschlossene davon abgehalten haben, sich noch auf den Weg zum Nattenberg zu machen.

„Wir glauben schon, dass die Wetter-Komponente eine Rolle gespielt hat“, sagt Helmig auf Anfrage von LokalDirekt. Insbesondere die Aussichten am frühen Freitagnachmittag könnten spontane Festivalbesucher abgeschreckt haben.

Ein Mann mit einem schwarzen „CREW“-T-Shirt sitzt auf einer Wiese und blickt auf eine Bühne beim Bautz-Festival.
Unzählige Stunden und Tage verbringt die Bautz-Crew mit Planung und Umsetzung fürs Festival.
Foto: Maximowitz

Das zeigt sich auch in der vorläufigen Besucherbilanz. Am Freitag konnte die fünfstellige Marke nicht erreicht. Am Samstag rückte sie deutlich näher – letztlich kratzte das Bautz an den 10.000 Besuchern. „Wir gehen aktuell davon aus, dass am Freitag zwischen 9.000 und 9.500 Besucher auf dem Gelände waren und am Samstag zwischen 9.500 und 10.000 Besucher“, erklärt Helmig.

Dass allein das Wetter verantwortlich ist, glaubt man bei den Veranstaltern allerdings nicht. Eine zweite Komponente sei eine, mit der viele Festival und Veranstaltungen zu kämpfen hätten: Die wirtschaftliche Gesamtlage macht sich auch bei Festivals bemerkbar. Wenn Lebensmittel, Energie, Wohnen und Freizeit insgesamt teurer werden, überlegen Menschen genauer, wofür sie ihr Geld ausgeben. Gleichzeitig steigen die Kosten auf Veranstalterseite.

Zwischen Ticketpreis und steigenden Kosten

Das bringt die Bautz-Macher in einen schwierigen Spagat. Technik, Infrastruktur, Künstler, Sicherheit, Personal und Dienstleistungen müssen bezahlt werden. Steigen diese Kosten, müssen Veranstalter irgendwann reagieren. Auch das Bautz kam nicht drumherum, an der Preisschraube zu drehen, macht Helmig deutlich. Gleichzeitig soll das Festival für die Menschen aus Lüdenscheid und der Region bezahlbar bleiben.

Ein lächelnder Junge in einem orangefarbenen Tie-Dye-Shirt und ein Junge mit Minecraft-Kappe und blauem Gehörschutz auf dem Bautz-Festival.
Bautz ist ein Festival für die ganze Familie.
Foto: Maximowitz

Besonders relevant ist das in diesem Jahr, weil sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für das Bautz verändert haben. „Es ist das erste Bautz, das sich selbst tragen musste“, sagt Helmig. Treffen dann eine schwierige wirtschaftliche Gesamtlage und unsichere Wetterbedingungen aufeinander, schlägt sich das unmittelbar in der Kalkulation nieder. Denn: für ein Festival dieser Größenordnung macht es wirtschaftlich einen erheblichen Unterschied, ob die kalkulierte Besucherzahl erreicht wird oder nicht.

„Wenn weniger Besucher als in den Vorjahren kommen, macht sich das natürlich in der Kasse bemerkbar“, sagt Helmig. Wie groß dieses Loch am Ende tatsächlich sein wird, könne unmittelbar nach dem Festival aber noch niemand seriös beziffern. Dafür müssten zunächst sämtliche Einnahmen und Ausgaben zusammengetragen werden. Erst dann werde sich zeigen, wie das Bautz 2026 aus wirtschaftlicher Sicht tatsächlich abgeschlossen hat.

Manöverkritik nach dem Stadtfest 

„Wir lassen das Ganze jetzt erst einmal sacken“, sagt Helmig. Zumal für das Lüdenscheider Stadtmarketing unmittelbar die nächste große Veranstaltung ansteht: das Stadtfest. Danach soll die sechste Bautz-Ausgabe mit etwas Abstand detailliert aufgearbeitet werden. Dann geht es um die klassische Manöverkritik: Was hat funktioniert? Wo können Abläufe noch verbessert werden? Welche Kosten lassen sich optimieren? Und an welchen Stellen muss das Konzept möglicherweise angepasst werden? „Das wollen wir mit kühlem Kopf analysieren“, sagt Helmig.

Bei der Bewertung soll es allerdings nicht nur um Zahlen gehen. Denn auf dem Gelände selbst hat aus Sicht der Verantwortlichen vieles funktioniert: die Abläufe, der Einlass, die Security, das Cashless-System – und vor allem das Zusammenspiel der vielen Menschen, die das Bautz überhaupt möglich machen.

Bautz 2027 kommt

„Das Bautz 2027 wird definitiv stattfinden“, stellt Helmig klar. Der Termin für die nächste Ausgabe steht bereits. Am 27. und 28. August 2027 heißt es wieder: Bautz. Bautz. Bautz.