In das Ladenlokal an der Frankfurter Straße 40 kehrt wieder Leben ein. Wo einst die „Stippstihe“ und zuletzt die „Amigo Tapas Bar“ beheimatet war, eröffnet am Donnerstag, 5. März, das „Anno 1739 — Das kleine Wirtshaus“. Gastronom Gustav Kriese setzt dabei auf klassische Hausmannskost, regionale Produkte — und ein Konzept mit Bedacht.
Gastronomie im Blut
Gustav Kriese ist in der Gastronomie groß geworden. Seine Eltern führten zwei Restaurants in Kassel, seiner Geburtsstadt, und später sammelte der gelernte Hotelfachmann umfangreiche Erfahrungen in der Systemgastronomie, leitete unter anderem mehrere Filialen von "Pizza Hut" im Ruhrgebiet und studierte zusätzlich Betriebswirtschaft. Viele Jahre war er zudem als Gebietsleiter für die Privatbrauerei Fiege tätig. Parallel entwickelte und programmierte er mit einem Geschäftspartner Kassensysteme und 3D-Digitalisierungslösungen für Gastronomiebetriebe.
„Ich kenne Gastronomie aus verschiedensten Blickwinkeln, das kann sicher ein Vorteil sein, wenn man sich entscheidet, ein Lokal zu eröffnen“, sagt Kriese, der in Wanne-Eickel lebt, inzwischen aber zusätzlich auch eine Wohnung in Breckerfeld bezogen hat.
Ein Bauchgefühl für Breckerfeld
Auf das leerstehende Lokal wurde Gustav Kriese eher zufällig aufmerksam. „Ich habe immer mal wieder interessehalber geschaut, was sich auf dem Gastro-Markt tut“, erzählt er. Dabei stieß er auf die Anzeige des örtlichen Immobilienmaklers Martin-Perez. Ohne konkrete Pläne reiste er kurzerhand nach Breckerfeld, um sich selbst ein Bild zu machen — und war angetan. „Für mich als Großstadtkind ist der Ort mitten im Grünen ein Träumchen, fast schon wie Urlaub“, sagt er lachend. Ausschlaggebend sei letztlich sein Bauchgefühl gewesen: „Es war nicht nur das Gebäude, in das ich mich auf den ersten Blick verguckt habe. Egal mit wem ich gesprochen habe, die Breckerfelder waren mir gegenüber sehr offen und sympathisch, ich habe mich auf Anhieb hier wohl gefühlt.“
Hausmannskost statt Pommes & Co.
Den Namen „Anno 1739“ wählte Kriese bewusst — er soll zum einen auf das Baujahr des historischen Gebäudes verweisen, steht zugleich aber auch für das kulinarische Konzept. „Pizza, Burger und Pommes gehören da eher nicht dazu“, sagt der Gastronom schmunzelnd. Stattdessen werden überwiegend klassische Gerichte wie Rindergulasch, Schmorgerichte, Wirsingrouladen oder deftige Eintöpfe auf der Karte stehen.
Geplant ist eine überschaubare Auswahl mit rund zehn Hauptgerichten auf der Stammkarte sowie ergänzenden saisonalen Angeboten. Dabei setzt Kriese möglichst auf regionale Lieferanten und frische Zutaten statt auf Convenience-Food. „Wenn mir beispielsweise ein Landwirt aus dem Ort erzählt, er habe gerade Steckrüben übrig, dann landet sicher auch mal ein leckeres Steckrübenpüree auf der Karte, da bin ich offen und flexibel.“ Aktuell suche er jedoch erstmal noch einen regionalen Bäcker, erzählt Kriese, für „ein richtig gutes, handgemachtes Sauerteigbrot“ — etwa für klassische Schmalzbrote.
Historischer Charme bleibt erhalten
Das 1739 errichtete Gebäude bietet aus Sicht des neuen Pächters das passende Ambiente für ein traditionelles Wirtshaus. Entsprechend behutsam wurde renoviert. Der Thekenbereich mit seinen Sitznischen blieb erhalten — „allein schon für die Gäste, die nur mal auf ein Bier vorbeikommen möchten“, so Kriese — und ebenso der ursprüngliche Charakter mit den alten Balken. Tische und Stühle wurden wieder dem eher „rustikalen Charme“ angepasst, jedoch einige kleine neue Akzente gesetzt, etwa bei der Beleuchtung oder durch Schwarzweiß-Aufnahmen des Breckerfelder Fotografen Christof Wippermann. Das neue Logo des Wirtshauses, das prominent und zugleich dezent im Inneren leuchtet, hat Gustav Kriese selbst entworfen: „Auch dabei war es mir wichtig, dass es mit dem alten Gebäude harmoniert.“
Fotogalerie
Start im Pilotbetrieb
Los geht es mit dem Wirtshausbetrieb am Donnerstag, 5. März. Zunächst startet das „Anno 1739“ in eine bewusst geplante Pilotphase von sechs bis acht Wochen. Geöffnet ist zunächst donnerstags bis samstags ab 17 Uhr, die Kernzeit reicht bis mindestens 22 Uhr — „am Wochenende bei guter Stimmung auch länger“, verspricht Gustav Kriese. Tisch-Reservierungen sind jedoch erst ab der dritten Woche, also ab Ende März, möglich.
Zum Auftakt werden zwei bis drei Hauptgerichte — Rindergulasch, Heringsstipp und hausgemachte Frikadelle mit Kartoffelsalat — sowie „kleinere Thekenhappen“ und/oder Desserts angeboten. Dazu gibt es eine Auswahl an Getränken, darunter Krombacher Pils und Dunkel sowie „Pülleken“ Helles vom Fass, Softdrinks aus Glasflaschen, Bio-Schorlen und -Limonaden, ausgewählte Weine, Spirituosen der Herner Brennerei Eicker & Callen sowie diverse Kaffeespezialitäten.
„Bei uns darf man auf jeden Fall auch wieder einfach nur gemütlich an der Theke sitzen, ein Bier trinken, quatschen, Leute treffen“, erklärt Gustav Kriese, dass im „Anno“ kein grundsätzlicher „Essenszwang“ bestehe. „Was wir aber nicht möchten, ist lautes Würfeln oder Skat-Gekloppe und Vereinsheim-Lautstärke.“ Denn, so betont er: „Das Anno 1739 soll ein Ort für alle sein — entspannt, modern, freundlich und mit guter Atmosphäre.“








