Versteckt zwischen Wiesen und Wäldern liegt das Gut Sassenscheid. Die Suchtkrankeneinrichtung des Deutschen Ordens öffnete am Freitag, 28. November, ihre Türen für den ersten Wintermarkt.
Die Einrichtung, die für viele Bewohner ein neuer Anfang war, verwandelte sich in einen kleinen, festlichen Markt. Gut Sassenscheid, eine soziotherapeutische Wohn- und Rehabilitationsstätte, bietet chronisch suchtkranken Menschen ein neues Zuhause. Dort finden sie nicht nur Schutz und Ruhe, sondern auch eine begleitete Gemeinschaft, die ihnen hilft, soziale und lebenspraktische Fähigkeiten zurückzugewinnen und ihre Selbständigkeit neu zu entdecken.
Als die Besucher den Hof betraten, leuchteten riesige Laternen am Eingang — ein erster Hauch von winterlichem Zauber. Ein Duft von frisch gebackenen Waffeln, Bratwurst und heißem Kakao zog durch die Luft, mischte sich mit dem Knacken der Feuertonnen und ließ sofort eine warme, einladende Stimmung entstehen. Bewohner, Mitarbeitende, Angehörige und zahlreiche Gäste flanierten über das Gelände, plauderten, staunten — und fanden sich bald in lebhaften Gesprächen wieder.
Besonders beliebt waren die Werkstätten: Dort, wo im Alltag Arbeitstherapie stattfindet, lagen nun handgefertigte Produkte zum Verkauf. Entstanden aus der Kreativität und dem Einsatz der Bewohner. Die Idee für den Wintermarkt hatte das Team selbst eingebracht, erzählt Alberto Triches, der gemeinsam mit seiner Kollegin die kleine Holzwerkstatt betreut. „Ich fand schon immer, dass wir hier mal etwas Besonderes für die Bewohner machen müssen“, sagt Triches. Die Entscheidung fiel im November des vergangenen Jahres. Seitdem liefen die Vorbereitungen mit viel Engagement auf allen Seiten. "Hier in der Werkstatt war also ein ganzes Jahr lang Weihnachten", erzählt er.
Die Werke, die zum Verkauf standen, waren mehr als nur Gebrauchsgegenstände: kleine Holzlaternen, kunstvoll verzierte Werkstücke — manche schlicht und robust, andere filigran und fein gearbeitet. Besonders beliebt waren die großen, massiven Laternen. Sie waren innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. „Eigentlich wollten wir morgen noch welche mit auf den Weihnachtsmarkt nach Nachrodt nehmen. Aber was weg ist, ist weg“, freut sich Triches. Denn jeder Verkauf, bedeutet auch Einnahmen für die Freizeitkasse der Bewohner. Daraus werden besondere Ausflüge oder Aktionen finanziert.
Vier Arbeitstage gibt es pro Woche, wobei der Freitag ganz im Zeichen des Werkstatt-Putzes steht. Am Mittwoch bleibt die Werkstatt geschlossen. Das ist der Tag für Einkäufe. Etwa 15 der rund 25 Bewohner arbeiten in der Werkstatt. Ganz langsam, erzählt Triches, beginnt man mit einfachen Aufgaben: Sperrholz zusägen, Laubsäge bedienen — und tastet sich dann behutsam an die Kunstfertigkeit heran. Für viele ist der Einsatz mit dem Brennpeter beliebt, die Arbeit mit der Dekupiersäge gilt gar als „Königsklasse“. Die Liebe zum Detail ist unübersehbar: filigrane Linien, saubere Kanten, liebevolle Verzierungen. Manche Bewohner seien bei der Arbeit so vertieft, dass sie die Pause vergessen — sie sind mit ganzem Herzen dabei.
Der Markt selbst war weit mehr als eine Verkaufsveranstaltung. Die Bewohner haben mitorganisiert, viele Aufgaben übernommen. Sie verteilten mobile Feuertonnen, hängten Lichterketten auf, schmückten mit Tannengrün, bastelten Windlichter. „Es ist wichtig, die Bewohner früh mit einzubinden. So ein Tag bedarf schon einer großen Vorbereitung - auch mental“, erklärt Mitarbeiterin Jenny Meyer. Für manch einen mag der Tag herausfordernd gewesen sein. Schließlich ist es auf dem abgeschiedenen Gelände sonst ruhig. Diese Ruhe sei für viele Bewohner ein wichtiges Stück Stabilität. Die vielen Stimmen und Menschen seien anstrengend. Aber die Herausforderung wurde von den Bewohnern angenommen: mit Freude und in Gemeinschaft.,
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Als sich am Abend Gäste, Angehörige, Mitarbeiter und Bewohner ums Feuer versammelten und gemeinsam Weihnachtslieder sangen, gab es einen besonderen Moment gelebter Gemeinschaft. Der erste Wintermarkt auf Gut Sassenscheid war ein Schritt in Richtung Begegnung: Bewohner zeigten, was sie können; Gäste sahen, wer sie sind. Am Ende waren es nicht nur die verkauften Holzlaternen, die den Tag erfolgreich machten — sondern das Miteinander.











