Bevor es losging, wurden noch viele Stühle aufgestellt und geschäftig hin und her gerückt, denn der Andrang war offensichtlich höher als zunächst erwartet. Mit rund 90 Zuschauern war der Saal des Kulturbahnhof gut gefüllt. Pünktlich um 17 Uhr kam William Wahl auf die Bühne: „Zu dieser Uhrzeit ist das ja fast eine Matinee“, begrüßte der Künstler sein Publikum, bevor er dieses mit seiner Gesangskunst und seinem exzellenten Klavierspiel mit Anekdoten und Liedern verzauberte.
William Wahl begleitete sich am Flügel, untermalte seine schelmisch-spitzfindigen Texte mit rhythmischen Klangteppichen, wobei er manchmal auch kleine Improvisationen einfließen ließ.
Bekannt geworden ist Wahl vor allem als Gründungsmitglied der renommierten wie umtriebigen Kölner A-Cappella-Formation „basta“, mit der er seit 20 Jahren unterwegs ist. Als Solo-Künstler versteht er es bestens, das Publikum für sich einzunehmen – auch wenn er dieses im Kulturbahnhof manchmal satirisch überspitzt leicht attackierte, um es kurz darauf wieder mit schelmischem Grinsen wieder zu besänftigen.

Wortwitz und Klavierkunst im Fokus
Witzig und lustig ging es zu. So bemerkte er gleich zu Beginn, dass er mit seinem besten Lied begonnen habe und kommentierte: „Alles, was jetzt kommt ist schlechter!“ Dem war natürlich nicht so, denn es ging hochkarätig weiter. Selbst wenn es ansatzweise etwas besinnlicher oder gar melancholischer zuging, Wahl bewies immer wieder sein komödiantisches Können – ein perfekter Entertainer.
Seine wunderbaren Lieder ließen Erinnerungen an Liedermacher wie Reinhard Mey oder Ulrich Roski wach werden. Er versuchte sich auch gekonnt im Chanson („Die Franzosen verstehen sich aufs Wohlgefühl des Kummers“), indem er von einem Junggesellinnen-Abschied sang. „Pfad der Misere“ nannte er den Chanson: „Die Musik klingt nach Paris, Montmatre und so – spielt aber in Gütersloh“, kündigte er an.
Mitsingen und Spaß haben
Wahl animierte die Besucher zum Mitsingen, spielte auch Basta-Songs wie etwa „Ein kleines bisschen Hass“ und überzeugte mit einem Udo-Jürgens-Cover – hier wurde aus „Griechischer Wein“ der Song „Shisha statt Wein“ – eine urkomische Variante übers Shisha-Rauchen. Er ließ sich über „Sternebewertungen“ aus, vergab etwa seiner Freundin fünf Sterne (von zehn) und transportierte Tarzan und Mowgli in unsere Gegenwart, in der Tarzan nur noch die Möglichkeit bliebe, zu RTL ins Dschungelcamp zu gehen.
Nach einem Schlenker in die Welt der Handy-Nutzung („Hier kann man dem Gehirn beim Schmelzen zusehen“) samt Push-Nachrichten und Shitstorm, erklärte er den Unterschied von Dur- und Moll-Klängen, erwies sich dabei einfallsreich als Musikpsychologe par excellence, bot außerdem ein überaus witziges Namen-Rätsel-Spiel (Claudia: „Ich kauf die nicht, ich klau die ja“) und spielte den 2. Satz von Mozarts „Klavierkonzert C-Dur“ an und wies auf die drei großen B’s hin: „Bach Beethoven und DJ Bobo“.
Als Zugabe ließ er – mit biografischem Bezug als junger Vater („Als Kölner muss man sich am Vorabend der Zeugung schon um einen Kindergartenplatz bemühen“) – den ABBA-Song „Chiquitita“ mit abgewandeltem Text als „Schicke Kita“ erklingen. Auch danach forderte das begeisterte Publikum noch frenetisch eine weitere Zugabe. Diese lieferte Wahl prompt: ein „A-Cappella“-Stück über das Gender*. Hier, so hieß es, arbeiten „Innenarchitekt*innen innen und Außenarchitekt*innen außen“. Damit entließ William Wahl sein gut gelauntes Publikum – jeder hatte ob der gelungenen wie spaßigen Darbietung ein Lächeln im Gesicht – in den frühen Sonntagabend.









