Vermehrte Sichtungen von Wildschweinen auf Friedhöfen, in Gärten, auf Grünflächen und in der Nähe von Schulen haben in den vergangenen Monaten im Ennepe-Ruhr-Kreis für Aufmerksamkeit gesorgt. Auch die Untere Jagdbehörde beobachtet und bewertet diese Entwicklungen — und reagiert gemeinsam mit der Jägerschaft.

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Abschusszahlen mehr als verdoppelt

Die Zahlen sprechen dabei eine klare Sprache: Im Jagdjahr 2025/26 wurden nach Angaben der Behörde 1032 Tiere erlegt. In den Jahren zuvor bewegten sich die Werte noch deutlich darunter und lagen meist zwischen gut 220 und etwas über 400 erlegten Wildschweinen. Damit hat sich die Abschusszahl innerhalb weniger Jahre mehr als verdoppelt.

„Handeln dort, wo es möglich ist“

Für die Verwaltung ist der Anstieg kein Zufall, sondern eine gezielte Reaktion. „Das Jahresplus von mehr als 156 Prozent zeigt deutlich: Jagdbehörde und Jäger haben die Entwicklungen beim Schwarzwild im Blick“, sagt Peter Größ als zuständiger Abteilungsleiter im Schwelmer Kreishaus. Man handle konsequent — „dort, wo gehandelt werden kann“.

Mit rund 70 Abschüssen sei im letzten Jahr mit Ennepetal-Meininghausen genau das Revier Spitzenreiter gewesen, in dem es besonders viele Vorfälle gegeben habe.

Sicherheitsgrenzen in Wohngebieten

So deutlich die Zahlen steigen, so klar benennt der Kreis auch die Grenzen der Jagd. In sogenannten befriedeten Bezirken, also etwa in Wohngebieten, verbietet sich der Einsatz von Schusswaffen oft aus Sicherheitsgründen. „Wir müssen rechtssicher, umsichtig und mit Augenmaß handeln“, betont Größ. Ein flächendeckendes Eingreifen sei daher nicht überall möglich. Parallel beobachte die Verwaltung die Diskussionen auf Landesebene, um weitere Lösungsansätze zu prüfen. Ziel bleibe es, mit dem, was jeweils möglich ist, Schäden zu begrenzen und Risiken zu minimieren.

Weniger Anreize für Wildtiere

Neben der Jagd setzt der Kreis auch auf Vorbeugung — und nimmt dabei die Bevölkerung in die Pflicht. Offene Essensreste, ungesicherte Mülltonnen oder Speisereste im Kompost würden wie Lockmittel für die Tiere wirken: „Wer solche Anreize vermeidet, kann dazu beitragen, Begegnungen zu reduzieren.“ Grundstückseigentümer könnten zudem prüfen, ob Gärten, Grünflächen oder besonders gefährdete Bereiche durch geeignete Einzäunungen besser geschützt werden können.

Ruhe bewahren bei Begegnungen

Kommt es dennoch zu einem Aufeinandertreffen, gelte vor allem eines: Abstand halten. Die Tiere sollten weder bedrängt noch gefüttert werden. Stattdessen empfiehlt der Kreis, sich ruhig und langsam zurückzuziehen. Und: Hunde gehören in solchen Situationen an die Leine. „Wildschweine greifen Menschen in der Regel nicht grundlos an“, so die Kreisverwaltung. „Sie können aber gefährlich werden, wenn sie sich oder ihren Nachwuchs bedroht fühlen.“