Obwohl diese oft tragischen Unglücke keineswegs selten sind, werden sie nicht zur Routine. Dafür sind die Einsatzlagen im Detail zu unterschiedlich und auch die ständigen Weiterentwicklungen an den Autos machen regelmäßige Weiterbildungen für die Einsatzkräfte nötig.
Solche Übungen werden für Feuerwehren zunächst durch ein ganz profanes Problem erschwert: Es wird einfach immer schwieriger, geeignete Alt-Autos zu bekommen, die ohnehin verschrottet werden sollen. Wirtschaftliche Aspekte sorgen dafür, dass „alte Karren“ nicht mehr so gerne für derartige Zwecke zur Verfügung gestellt werden.
Marc Schäfer und seiner Mannschaft ist es aber gelungen, einen alten VW Polo, einen Opel Zafira und einen Audi A4 zu ergattern. Alles Autos, die keine Chance mehr gehabt hätten, auf die Straße zu kommen. Auf dem Gelände des Gerätehauses in Dahlerbrück hatten die Autos ihren letzten großen Auftritt. Natürlich wurden die Unfälle nicht in Crashtest-Manier inszeniert, aber durchaus mit einem Bagger „in Form“ gebracht.
Der kleine VW wurde bei der ersten Übung eingesetzt: Es wurde angenommen, der Wagen sei mit dem Heck eines LKW kollidiert, der gerade einen Container herablässt. Daher lag die besondere Herausforderung im Umgang mit dem gestauchten Dach und einer schwer zu kontrollierenden Last.
Den Container wieder anzuheben, würde technisch oftmals gehen, birgt aber Gefahren: „Der LKW-Fahrer wird bei so einem Unfall unter Schock stehen“, warnt Marc Schäfer sein Team. Die Gefahr, dass er in der Lage einen falschen Knopf drückt und die Situation verschlimmert, sei groß. Sofern sich kein Kamerad findet, der den LKW bedienen kann, wird der Container besser in seiner Position stabilisiert.
Was nun folgt, liest sich zumeist kurz und knapp: „Die Feuerwehr verschaffte sich mit hydraulischer Schere und Spreizer einen Zugang und befreite die Verletzten“. Dieser Satz ist eine sehr verkürzte Darstellung dessen, was Feuerwehrleute mit jedem Handgriff tun müssen. Ohnehin ist es bei modernen Autos nicht mehr so einfach, dafür sorgen hochfeste Stahlsorten und zahlreiche Airbags. Ein Tablet-PC mit wichtigen Informationen zu allen relevanten Fahrzeugtypen ist elementar nötig, um die schweren Rettungswerkzeuge an der richtigen Stelle anzusetzen, ohne elektrische Kurzschlüsse oder ähnliche Gefahrenquellen zu provozieren.
Am Samstag wurde deutlich: Jeder einzelne Schritt muss wohl bedacht sein, damit er im Ernstfall sitzt – vor allem aber, um die Sinne zu schärfen, das Bewusstsein für die richtige Anwendung der Werkzeuge zu verfestigen. Bei realen Unfällen hat auch der Notarzt mitzureden: Muss der Verunfallte wegen eines Herz-Kreislauf-Stillstandes so schnell wie möglich aus dem Wrack oder ist das Unfallopfer „stabil“, muss aber wegen eventueller Rückenschäden möglichst schonend herausgeholt werden?
Die Stichworte dazu lauten „Sofortrettung“ oder „patientenschonende Rettung“. Aus Sicht des Laien ist die Vorgehensweise ähnlich: Die Feuerwehrleute zerlegen das beim Aufprall massiv zerstörte Auto nun endgültig, aber nicht „wild drauflos“, sondern in sinnvollen Einzelschritten.
Während die erste Übung vergleichsweise langsam ablief, wurde bei Teil 2 das Tempo massiv erhöht. Hier wurde bei einer seitlichen Kollision zweier PKW angenommen, dass Unfallopfer so schnell wie möglich aus dem Wrack geholt werden müssen. Der Hintergrund: Die Notfallmediziner können keine Reanimation durchführen, wenn die betroffenen Personen noch im Auto eingeklemmt sind. In derart dramatischen Fällen gilt die Prämisse: Es zählt jede Sekunde. Auf eventuelle Knochenbrüche kann keine große Rücksicht mehr genommen werden. Doch auch in solchen Situationen müssen die Fahrzeuge gesichert werden, damit nicht zusätzliche Gefahren aufkommen.
Auch diese Übung haben die Dahlerbrücker Einsatzkräfte gemeistert, so dass der dritte Trainingspart des Tages in einer reellen Einsatzfahrt mit entsprechendem Zeitdruck endete.
Marc Schäfer zeigt sich mit dem demonstrierten und verfestigten Können sehr zufrieden. Dennoch kommen immer wieder Ideen auf, an welcher Stelle etwas verbessert werden kann. Gleiches gilt für die Ausrüstung, denn bisweilen bieten die Technik-Hersteller neue Geräte, die die Arbeit der Feuerwehr im Ernstfall noch besser unterstützen.
Solche Trainingstage zeigen aber auch, was es bedeutet, bei der Freiwilligen Feuerwehr tätig zu sein. Es wird reichlich Freizeit in die ehrenamtliche Tätigkeit investiert – und bei Verkehrsunfälle muss jeder Handgriff sitzen. Von den belastenden Eindrücken, die verarbeitet werden müssen, ganz zu schweigen.
Der hochmotivierten und fröhlichen Truppe war diese Last aber nicht anzumerken: Hier sind Menschen am Werk, denen es Freude macht, anderen zu helfen – auch wenn dafür mancher Abend oder gar ganzer Tag zum Lernen und Üben „geopfert“ wird.




































