Dies tun Forstverwaltung und Naturschutzverbände derzeit auf Hochtouren. Deshalb lud Martin Hallbrügge vom Verein zur Förderung der Bäume in Halver am Dienstag, 14. Juni, zu einer Waldbegehung ein, die von Forstoberinspektor Ulrich Ackfeld und Jörn Hevendehl (Fachgebietsleiter für den Geschäftsbereich Dienstleistungen des Regionalforstamtes Märkisches Sauerland mit Sitz in Lüdenscheid) und Klaus Brunsmeier vom BUND NRW begleitet wurde.

Vorbei an Felder und Wiesen ging es vom Winkhof aus in den Wald, wo Brunsmeier zunächst in einem 40 Jahre alten Buchenbestand Halt machte. Angenehm kühle Temperaturen machten deutlich, wie wichtig Bäume fürs Klima und den Wasserhaushalt sind. „Wir leben in einer Region mit einem Buchenoptimum“, sagte Brunsmeier. Das bedeutet, dass die Buche in unserer Landschaft hervorragende Bedingungen für ihr Wachstum vorfindet. „Hier sieht man, dass die enge Bepflanzung einen so genannten ’schlanken Baum‘ ergibt. Das ist für die Holzproduktion wichtig. Ein Baum, der hoch wächst und im unteren Stammbereich keine Äste ausbildet,“ erklärte Brunsmeier weiter.
Doch er betonte auch, dass eigentlich eine Wildnisentwicklung wünschenswert sei und man endlich von der Monokultur wegkommen solle und sich auch für einen Artenreichtum an Wald- und Waldwegrändern einsetzen solle.

Auch wenn die vielen Großkahlschläge die Vermutung nahelegen, es sei momentan ein Waldsterben im Gange, bleibt festzustellen, dass dies nicht der Fall ist. Was in den heimischen Wäldern vor allem die Fichten sterben lässt, ist auch eine Folge der ca. 150-jährigen Monokultur, die jetzt durch Klimaveränderungen und Schädlingsbefall einen zwar bitteren, aber vielleicht auch notwendigen Niedergang erfährt, damit wieder funktionierende Urwälder (im Sinne von ursprünglich) entstehen können.
Vorbei an einem Polterplatz („Die Entwicklung vom Rückepferd zum Harvester ist schon schwer zu ertragen“, entfleuchte es Brunsmeier kurz) ging es zum nächsten Haltepunkt: eine Stelle, die nach Kyrill sich selbst überlassen wurde. Hier zeigte Brunsmeier wie die sogenannte „Naturverjüngung“ aussieht. Es wachsen Wildkirsche, Salweide, Fichte, Ahorn, Eberesche oder Hasel wild durcheinander. „Ein neues Konzept sollte die natürlich Waldentwicklung sein, bei der gegebenenfalls noch nachgepflanzt oder gewässert werden kann“, konkretisierte Brunsmeier. Man müsse sich dafür engagieren, dass die Politik sich für Kapazitäten der Wiederbewaldung einsetze.

„Das heißt, dass allein die Stadt Halver für ihre Waldflächen eine neuen Mitarbeiter einstellen müsste, der sich ein Jahr lang nur um die Planung der Wiederbewaldung kümmert. Wir haben aber schon länger mit personellen Mängeln zu kämpfen und befinden uns seit bereits fünf Jahren in Kalamitäten“, unterstrich Jörn Hevendehl.

Brunsmeier weiter: „Bei der Wiederbewaldung soll man sich auf heimische Arten konzentrieren und nordamerikanische Baumarten wie Douglasie, Roteiche oder Küstentanne außen vor lassen und den Fichtenbestand auf etwa 15 Prozent minimieren.“ Außerdem gelte es, die klassischen Waldfunktionen wie Klimaschutz, Grundwasserschutz, Erholung und Naturschutz zu priorisieren.
Auf Kahlschlagflächen, auf denen sich Brombeeren oder Gräser wie Rotschwingel und Drahtschmiele verbreiteten, fällt die Baumverjüngung schwer, dienen aber der Artenvielfalt, die durch die Fichtenabholzung momentan ein nie gekanntes Ausmaß erfährt.

Der ein oder andere Wanderer wundert sich vielleicht über die oft meterhohen Stümpfe, die auf Abholzungsflächen stehen bleiben. „Die dienen auch der Artenvielfalt und werden etwa von Spechten und Kleibern angenommen“, erklärt Ulrich Ackfeld.
Eines der größten Probleme bei der Entwicklung natürlicher Dauerwälder: „Es ist schwer, die privaten Waldbesitzer für das Thema zu sensibilisieren. Denn wenn sie den Begriff ‚Wildnis‘ hören, denken sie gleich an Enteignung,“ meint Brunsmeier. Immerhin sind in Halver 64 Prozent der Waldflächen in Privatbesitz, kreisweit sogar 83. Doch in Zeiten einer „scharfen Klimaveränderung muss man aktiv werden und die Politik fordern“, schließt Brunsmeier seinen umfangreichen wie überaus informativen Beitrag zur Waldbegehung ab.









