Der Wahltag begann für Sascha Panne, Hausmeister an den Schulen, bereits um 6 Uhr in der Früh und endete erst am Sonntagabend nach 22 Uhr. Unzählige Stühle mussten von A nach B geräumt werden. Der Grund: Die Wahlpräsentation. „Normalerweise wird in der Aula gewählt. Dann muss nur die entsprechend hergerichtet werden. Da dort aber die Wahlpräsentation am Abend stattfinden sollte, war es etwas komplizierter“, erzählte Sascha Panne. Zunächst hätte er den benachbarten Klassenraum um- und ausräumen müssen. Denn dieser sollte Wahllokal werden. Kindertische und -stühle mussten Wahlurne und Wahlhelfer-Plätzen weichen. Im Anschluss wurde die Aula hergerichtet. Da die Aula aufgrund der Sperrung der Turnhalle Holensiepen aktuell auch für Sportunterricht genutzt wird, musste Sportmaterial raus geräumt und Stuhlreihen wurden aufgebaut werden. Und all das musste am Abend auch noch wieder weg. Denn am heutigen Montag ist natürlich wieder normaler Unterricht. Die Kinder der 2b brauchten also ihren gewohnten Klassenraum wieder und die Aula musste wieder leer sein. Bedeutete: Spätschicht für Sascha Panne, der nach 22 Uhr immer noch am arbeiten war. „Eigentlich gehe ich sonntagsabends immer zum Tanzen. Das habe ich natürlich heute abgesagt. Wegen der Wahlpräsentation, die bedeutet für mich schon relativ großen Aufwand“, sagte Panne.
Die Zweite, die alles für die Präsentation möglich machte, war Jill Bertram. Die Verwaltungsmitarbeiterin sollte durch die Präsentation führen und die Technik organisieren. „Frau Bertram wäre normalerweise am Sonntag nicht im Dienst gewesen“, erklärte Bürgermeisterin Birgit Tupat. Gut drei Stunden verbrachte Jill Bertram in der Aula – für Aufbau, Abbau und die Präsentation.
Letztlich war das Interesse mehr als gering. Zu Beginn um 18 Uhr waren nur Birgit Tupat und Philipp Olschewski (CDU) da. Christian Pohlmann (SPD) kam zwischendurch kurz mal rüber. Er war Wahlhelfer in der Grundschule und daher eh vor Ort. Gegen 19.40 Uhr kam auch Matthias Lohmann (fraktionslos) hinzu. Da wurde aber bereits alles eingepackt, da Olschewski ging und damit eigentlich keiner mehr da gewesen wäre, der Interesse hatte. Ordnungsamtsleiter Sebastian Putz kam, nachdem auch er seinen Wahlhelferjob erledigt hatte, noch kurz mit einem Freund herrein – das wars. „Ronny Sachse (SPD) ist wohl noch gekommen, da waren wir dann aber schon weg“, sagte Bürgermeisterin Birgit Tupat – sprich nach 20 Uhr. Letztlich nutzten nur die Bürgermeisterin, Philipp Olschewski und Matthias Lohmann das Angebot. „Natürlich geht davon die Welt nicht unter. Aber dafür gab es ja im Vorfeld diese Abfrage und man sollte schon wissen, dass das mit einem gewissen Aufwand verbunden ist“, sagte die Bürgermeisterin. Lediglich die UWG hatte sich bereits im Vorfeld abgemeldet. „Uns war klar, dass wir nach so einem Tag im Wahllokal und Stimmauszählung einfach durch sind und das Ganze lieber auf der Couch verfolgen“, sagte Petra Triches.
Kommentar: Erst denken, dann wünschen
Das war respektlos. Auf Social Media präsentieren sich die Ratsmitglieder im Feierabend. Nach einem langen Wahltag sitzen sie im Restaurant, mit Wein auf der Couch oder beim Wahlergebnisse-Check mit der Familie. Völlig verständlich, viele waren als Wahlhelfer aktiv. Aber wie lang dieser Tag werden würde, wussten alle auch im Vorfeld. Alle haben ausreichend Wahlerfahrung, um das zu wissen und auch, um zu wissen, dass Bürger dieses Angebot in der Regel nicht nutzen. Wofür also dann der Gemeinde so viel Arbeit machen? Auch Sascha Panne und Jill Bertram hätten gewiss gerne nach dem langen Tag etwas anders gemacht. Nein, sie sagten ihre privaten Termine ab. Gaben Alles, um den Wunsch der Ratsmitglieder zu erfüllen.
Daumen runter für die fehlende Wertschätzung der meisten Ratsmitglieder für diese Arbeit. Vor der nächsten Abfrage sollten sich alle im Klaren sein, wie viel Aufwand dahinter steckt und zweimal überlegen, ob das wirklich sein muss.










