In den minutenlangen Schlussapplaus mischten sich am Freitagabend noch einmal die Klänge von James Browns Soul-Hymne „I feel good“. So konnten sich die „Un-Ruheständer“ und die Modern-Dance-Tänzerinnen aus der Contemporary-Klasse aus der Ballettschule Klüttermann tatsächlich fühlen – einfach nur gut. Sie hatten die gut 90-minütige Show nicht nur überlebt, sondern ihr Publikum begeistert. Als Manuela Klüttermann das Ensemble mit Rosen von der Bühne verabschiedete, fiel dann auch die Anspannung, die während der Vorstellung so notwendig gewesen war, von der Gruppe ab. Das Publikum blickte in strahlende Gesichter.
Manuela Klüttermann und Angelika Wagner hatten den „Un-Ruheständlern“ Choreografien auf den Leib geschrieben, die einfach passen. Dabei waren die Anforderungen hoch. Alle Tanz- und Musikrichtungen waren enthalten – von Klassik bis Rock, von Ballett bis Jazz und Line Dance.

„ÜberLeben“ ist ein ambitioniertes Projekt. Es erzählt nicht nur vom Überleben nach Corona. Das Stück präsentiert und skizziert Geschichten, die das Leben schreibt: Was haben die Tänzerinnen und der Tänzer erlebt? Was haben sie überlebt? Wie hat sich das Leben in ihre Körper eingeprägt? Wie drückt es sich aus – in Haltung, Mimik, Gestik und Körpersprache? Und was wird eines Tages ihr Leben überdauern? „ÜberLeben“ ist eine Reise – vorbei an den Stationen des Lebens – und eröffnet den „Un-Ruheständlern“ und dem Publikum Perspektiven im Umgang mit persönlichen Erlebnissen und legt Energiequellen im Umgang mit Herausforderungen frei.
Kindheit, Jugend, Glück, Unglück, Lebenskampf, Partnerschaft, Verluste – was alles in „ÜberLeben“ thematisiert werden sollte, signalisierten die „Un-Ruheständler“ dem Publikum zu Beginn der Vorstellung. Sie betraten die Bühne mit Koffern voller (Lebens)Erfahrungen und riefen den Zuschauerinnen und Zuschauern Wortverbindungen mit dem Stammwort Leben zu.
Wohin die Lebensreise für sie mal hingehen soll, verdeutlichte einer der mehrfach eingespielten Texte. „Wenn ich mal alt bin, sollen die Leute nicht sagen: Was für eine süße alte Frau, sondern: Was hat sie jetzt wieder für einen Scheiß angestellt.“ So können die „Un-Ruheständler“ zu Unruhestiftern werden.

Eine Idee, die mindestens so interessant ist wie der Gedanke, der dieser gemeinsamen Produktion der „Un-Ruheständler“, der ehemaligen Kulturhaus-Intendantin Rebecca Egeling und Manuela Klüttermann zugrunde liegt. Sie gründeten im Jahr 2019 zusammen gemeinsam die Tanzgruppe „Die Un-Ruheständler“ für Menschen 60+. Das Ziel ist, Menschen mit viel Lebenserfahrung in ästhetische Prozesse einzubinden und mit ihnen neue Perspektiven zu entwickeln. Nach den „Tanzgeschichte(n)“ ist das jetzt mit „ÜberLeben“ zum zweiten Mal gelungen.
Die Produktion wurde vom Kompetenzzentrum für kulturelle Bildung im Alter und inklusive Kultur (kubia) gefördert.
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