Märkischer Kreis/Hagen. Die Enervie-Südwestfalen Energie und Wasser AG mit Sitz in Hagen hat im zurückliegenden Geschäftsjahr 2022 erneut ein nach eigenen Angaben „gutes Ergebnis“ erzielt. „Trotz sehr herausfordernder Rahmenbedingungen wie dem Russland-Ukraine-Krieg, der hierdurch hervorgerufenen Energiekrise verbunden mit sehr dynamischen Energiemärkten und auch durch Inflation und Kostensteigerungen gestörten internationalen Lieferketten – haben wir ein gutes Ergebnis erzielt.
Allerdings haben hierzu auch wesentlich Einmaleffekte beigetragen“, zieht Enervie-Vorstandssprecher Erik Höhne eine insgesamt positive Bilanz für das zurückliegende Geschäftsjahr. „Insgesamt belegt die wirtschaftliche Stabilität der Enervie-Gruppe in diesen schwierigen Zeiten die Robustheit unseres Geschäftsmodells.“
Das Geschäftsjahr 2022 in Zahlen
Im abgelaufenen Geschäftsjahr erzielten die Unternehmen der Enervie-Gruppe bei einem erhöhten Umsatz von rund 1.856 Millionen Euro (2021: 1.181 Mio. Euro) ein Ergebnis vor Steuern von 53,3 Millionen Euro (2021: 47,2 Mio. Euro). Insgesamt, so teilte es das Unternehmen im Rahmen der Bilanzpressekonferenz am Dienstag, 25. April, mit, verbesserte sich auch der Jahresüberschuss. Das freut in erster Linie die Aktionäre, an die eine Dividende in Höhe von 14 Millionen Euro ausgeschüttet wird.
Die Eigenkapitalquote, so Enervie, sank leicht auf 26,0 Prozent (2021: 27,9 Prozent) aufgrund einer Erhöhung der Bilanzsumme und der Rückzahlung der letzten Rate eines Gesellschafterdarlehens in Höhe von 30 Millionen Euro. Insgesamt habe die Enervie-Gruppe im Geschäftsjahr 2022 in Südwestfalen eine regionale Wertschöpfung in Höhe von rund 175 Millionen Euro erwirtschaftet – nach eigenen Angaben „maßgeblich durch Investitionen, Beschäftigung, Gewinnausschüttungen, Konzessionsabgaben und Steuern“.
Die Enervie-Gruppe lieferte im Jahr 2022 für die Versorgung der fast 400.000 Energiekunden sowie Energiehandelspartner mit den Tochtergesellschaften Mark-E und Stadtwerke Lüdenscheid rund 6,5 Milliarden Kilowattstunden (kWh) Strom (2021: 7,2 Mrd. kWh), rund 6,8 Milliarden kWh Gas (2021: 7,9 Mrd. kWh), 62 Millionen kWh Wärme (2021: 72 Mio. kWh) und 15,2 Millionen Kubikmeter Trinkwasser (2021: 15,7 Mio. Kubikmeter).
Entwicklung bei den Energie- und Wasserabsätzen
Der Stromabsatz im Enervie-Konzern habe sich 2022 im Wesentlichen aufgrund eines gefallenen Handelsvolumens um rund zehn Prozent sowie Einsparungsmaßnahmen der Kunden verringert.
Der Gasabsatz sei vor allem witterungsbedingt und aufgrund von Einsparungsmaßnahmen um etwa 14 Prozent gefallen. Auch die Wärmeabgabe an Endverbraucher fiel laut Enervie witterungsbedingt leicht gegenüber 2021. Gleiches gilt für den Absatz bei der Trinkwasserversorgung.
Unterschiedliche Einflussfaktoren prägen Geschäftsergebnis
Im Erzeugungsbereich hatten hohe Deckungsbeiträge des Pumpspeicherwerks (PSW) in Finnentrop-Rönkhausen sowie ein operativer Ergebnisanstieg der Biomasseverstromungsanlage (BVA) einen positiven Einfluss auf das Geschäftsjahr 2022, teilt die Enervie ferner mit. Zudem hätten Einmaleffekte wie der Verkauf einer Teilfläche des ehemaligen Kraftwerksstandortes Werdohl-Elverlingsen zu dem guten Gesamtergebnis beigetragen. Dagegen wirkte sich das „schwierige, volatile Marktumfeld“ negativ insbesondere auf die im Vorfeld getätigten Absicherungsgeschäfte für das Gas- und Dampfturbinenkraftwerk (GuD) in Herdecke und auf die Direktvermarktung von regenerativen Erzeugungsanlagen aus.
Preisentwicklung und gesetzliche Energiepreisbremsen
Deutschland erlebte insbesondere im Jahr 2022 eine Phase mit zuvor nie dagewesenen Preissteigerungen an den Energiemärkten: So vervielfachten sich die Handelspreise für den langfristigen Einkauf sowohl bei Strom als auch Gas. Wegen der langfristigen Beschaffungsstrategie, heißt es, konnten die beiden Vertriebsmarken der Enervie-Gruppe, Mark-E und Stadtwerke Lüdenscheid, die Preise lange konstant halten.
Die Strompreise fielen Mitte des Jahres aufgrund des Wegfalls der EEG-Umlage. Zum 1. Januar 2023 sei eine Preiserhöhung auf Grund der gestiegenen Großhandelspreise für Strom und Gas jedoch unumgänglich gewesen. Die Entlastungspakete der Bundesregierung, unter anderem die reduzierte Mehrwertsteuer, das Aussetzen des Dezember-Abschlags sowie die Preisbremsen für Strom, Gas und Wärme, hätten die Unternehmen der Enervie-Gruppe vollumfänglich umgesetzt, betonte Erik Höhne.
Gemeinsames Pachtmodell mit Stadtwerken Plettenberg und Werdohl
Enervie hat zusammen mit den Stadtwerken der Städte Plettenberg und Werdohl mit Wirkung zum 1. Januar 2023 ein neues Betriebspachtmodell umgesetzt. Das Modell hat eine Erstlaufzeit von zehn Jahren. Die Tochterunternehmen der Enervie-Gruppe, Mark-E und Enervie Vernetzt, haben hierbei alle wesentlichen Teile des operativen Geschäftsbetriebs der beiden Stadtwerke gepachtet. Die Stadtwerke Plettenberg und Werdohl bleiben jeweils als Eigentumsgesellschaft erhalten und verwalten sowie finanzieren weiterhin das im Eigentum verbleibende Anlagevermögen rund um die Gas- und Wasserversorgung in den beiden Kommunen. Mark-E und Enervie Vernetzt übernahmen die bisherigen Kunden sowie den Großteil der Mitarbeiter der beiden Stadtwerke.
Standortentwicklungen
Im Berichtsjahr hat das Enervie-Tochterunternehmen Mark-E einen Teilbereich des Kraftwerksgeländes in Werdohl-Elverlingsen an einen Projektentwickler veräußert. Der Investor ist für die Entwicklung des Areals verantwortlich. Ziel sei eine Nachnutzung für Gewerbe und Industrie.
Die ehemaligen Nebenanlagen des Kohlekraftwerks „Cuno“ in Herdecke wurden 2022 plangemäß zurück gebaut. Der Kamin der früheren Rauchgasentschwefelungsanlage wird im Laufe des Jahres 2023 abgetragen. Angedacht, so teilte es Enervie mit, ist die Errichtung einer Freiflächen-Photovoltaikanlage.
Partner der Energiewende in der Region – Schalksmühle & Herscheid
Neben Projekten in Hagen setzt Enervie Service mit der Gemeinde Herscheid die ersten gemeinsamen Digitalisierungsprojekte um. So werden einige kommunale Liegenschaften mit Stromuntermessungen ausgestattet, um die Verbräuche detailliert zu erfassen und zu monitoren. Mit der Gemeinde Schalksmühle hat Enervie eine Studie zum „Zielbild für Klimaneutralität in Schalksmühle“ erarbeitet. Zudem setzt Enervie Service zusammen mit den Kommunen weitere Projekte mit dem LoRaWAN-Funknetz (Long Range Wide Area Network) um – wie zum Beispiel die smarte Pegelmessung an der Volme von Kierspe bis Hagen sowie die smarte Verkehrszählung und das Förderprojekt „Digitalisierung kommunaler Verkehrssysteme“ in Lüdenscheid.
Das „Kommunale Energie- und Ressourcenmanagement-Netzwerk für Südwestfalen“ (KERN), ein Zusammenschluss von acht Kommunen der Region unter fachlicher Begleitung der Enervie-Gruppe, hat seine angestrebten Einsparziele bereits während der Projektlaufzeit deutlich übererfüllt. Nach dem regulären Ende des Projektes im August 2023 werde, so Enervie, eine Fortsetzung der Zusammenarbeit angestrebt.
Der Ausbau der Erneuerbaren Energien in der Region Südwestfalen ist nach eigenen Angaben weiterhin ein wesentliches Zukunftsfeld der Enervie-Gruppe. Hier erwartet der Unternehmensverbund aufgrund der aktuellen Initiativen der Bundes- und Landesregierung eine verbesserte Genehmigungssituation, um insbesondere bereits vorentwickelte Windenergieprojekte im Versorgungsgebiet schneller umsetzen zu können. Auch die Entwicklung von Freiflächen-Photovoltaikanlagen stehe im Fokus der Geschäftsentwicklung. Gleiches gelte für den weiteren Ausbau der regionalen Ladeinfrastruktur, um die Elektromobilität weiter voranzutreiben. Stand heute hat Enervie im Versorgungsgebiet rund 200 öffentliche E-Ladepunkte und etwa 500 private Wallboxen errichtet.
Die Erwartungshaltung und Herausforderungen für das Jahr 2023
Durch die Verwerfungen am Energiemarkt, die weiterhin insbesondere durch den Russland-Ukraine-Krieg geprägt sind, erwartet die Enervie-Gruppe auch im laufenden Jahr ein volatiles Energiepreisniveau. Gleichzeitig blieben die Herausforderungen für die Versorgungssicherheit in Deutschland und Europa trotz eines relativ milden Winters und noch gut gefüllter Gasspeicher weiterhin hoch.










