Herr Putz, auch für Sie haben wir einige Facebook-Stammtisch-Vorwürfe gesammelt und bitten um Stellungnahme. Also los geht´s: „Knöllchen schreiben kann er, aber um die wirklich wichtigen Dinge kümmert sich keiner!“ Stimmt´s?
Sebastian Putz: Ich sag mal so: Hunde, die getroffen sind, beißen. Es gibt gesetzliche Grundlagen an die sich jeder – auch wir – halten müssen. Und wenn ich ein Knöllchen bekomme, liegt der Fehler in der Regel nicht bei der Ordnungsbehörde. Und was den Vorwurf der Untätigkeit betrifft: Nur weil es manchen nicht schnell genug voran geht, heißt es nicht, dass wir untätig sind. Oft geht das Empfinden der Bürger am gesetzlichen Rahmen vorbei. Zum Beispiel, wenn es in den Zivilrechtsbereich geht. Dafür sind wir nicht zuständig. Der Klassiker sind hier Nachbarschaftsstreitigkeiten. Da ist das Rechtsempfinden manchmal ein anderes.
Ebenso sind die Prioritäten häufig unterschiedlich gesetzt. Was für den Bürger wichtig ist, ist vielleicht für den Gesetzgeber weniger wichtig. Ich glaube alle hier in der Verwaltung geben ihr Bestes und stehen auch außerhalb der Dienstzeit fast immer bereit. Weil wir unseren Beruf gerne machen. Regelmäßig werde ich zum Beispiel beim Einkaufen dienstlich angesprochen. Natürlich gebe ich immer eine Antwort.
Jetzt ein Klassiker: „Ihr lasst die Pferde am Dümpel leiden und qualvoll sterben!“ Ist da etwas Wahres dran?
Es sieht vielleicht so aus, als wären wir untätig. Aber das ist nicht so. Auch das Veterinäramt ist dabei. Und überprüft den Zustand der Tiere. Die kommen aber immer wieder zu dem Ergebnis, dass es den Pferden dort gut geht. Sie haben massig Platz, Futter und auch Wasser. In diesem Fall liegen Subjektivität und Objektivität wirklich weit auseinander. Wir werden auch nicht jeden Schritt in der Öffentlichkeit kommentieren.
Was sollen wir als Gemeinde denn tun? Als Ersatzvornahme den Zaun neu bauen? Im Übrigen kommt der Besitzer gar nicht aus Nachrodt. Zudem wurden die Zäune repariert, aber nachweißlich mutwillig wieder aufgetrennt. Das würde dann mit „unseren“ Zäunen auch passieren. Hinzu kommt die Frage nach der Gefahrenlage. Die Pferde stehen ja nicht auf der Bundesstraße. Meiner Meinung nach hat man sich auf den Eigentümer einfach so eingeschossen, dass die Wenigsten überhaupt mitbekommen haben, dass sich der Eigentümer verändert hat. Und ich muss sagen, der Neue ist wirklich bemüht und für uns auch erreichbar. Da hat sich schon einiges getan. Aber auch der kann nicht von heute auf morgen die Welt verändern. Ich für mich persönlich muss halt immer Prioritäten setzen. Fahre ich zu einem Pferd oder einer Kuh, die am Wegesrand stehen, wo keine Autos fahren und es wirklich kein hohes Risiko gibt – in dem Wissen, dass der Besitzer sich kümmert, wenn ich ihn anrufe – oder ziehe ich meine Zwangseinweisung durch, wo es um menschliches Wohl geht.
Kommen wir zu einem unappetitlichen Thema. „Die Hunde dürfen überall hinscheißen und keinen interessierts.“ Stimmt?
Ja, ein Thema, dass auch mich tatsächlich immer wieder richtig ärgert. Und ja, es muss sanktioniert werden. Aber wir können nicht überall sein und wenn wir irgendwo sind und die Leute uns sehen, dann nehmen sie auch ihr Tütchen und machen es weg. Aber wer erwischt wird, zahlt 50 Euro. Die Leute, die sich beschweren, mögen sich bitte namentlich bei uns melden und die Vorfälle zur Anzeige bringen. Dann können wir auch etwas machen.
Zwei Phrasen haben wir noch. Oder ist vielleicht doch etwas dran? „Behörden machen Dienst nach Vorschrift und um Punkt 17 Uhr fällt der Bleistift.“
Nein, definitiv nein. Wir sind ein kleines Team in der Verwaltung und hier macht jeder deutlich mehr. Wir sind teilweise ab 6.30 Uhr hier. Facebook ist halt der falsche Ort, um seine Anliegen vorzubringen. Ich würde mir wünschen, dass die Nachrodt-Wiblingwerder uns direkt kontaktieren und ich verspreche, wir versuchen jedem zu helfen und jeder bekommt eine Antwort.
„Wer ein Problem hat, muss einfach Asyl beantragen, dann bekommt er alles.“ Was sagen Sie dazu?
(Putz ist kurz sprachlos). Eigentlich kann man auf so etwas gar nicht angemessen antworten. Ganz ehrlich? Ich weiß nicht, ob es erstrebenswert ist, mit elf fremden Erwachsenen in einer kleinen Wohnung zu leben, die die Sprache nicht zu verstehen und weit weg von Freunden und Familie zu sein. Ich glaube das nicht und finde solche Äußerungen sehr bedenklich.











