„Zunächst ist das Wichtigste, nicht stumm zu bleiben“, erklärt Hildegard Falterbaum. Gefühle sollten nicht im stillen Kämmerlein weggesperrt werden. Dem einen helfe es, sich jemandem anzuvertrauen, anderen hilft ein Gegenangriff und wieder anderen hilft es, in den Wald zu gehen, und sich einfach alle Emotionen von der Seele zu schreien. „Ja, letzteres klingt nach Klischee, kann aber sehr befreiend sein“, sagt die Therapeutin.
Zudem sei es für Betroffene oft wichtig, für sich selbst zu wissen, dass sie nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt haben. Falterbaum: „Wenn ich selbst guten Gewissens sagen kann, dass ich nach meinem aktuellen Kenntnissen und meinem Sachverstand gehandelt habe, besser informiert bin als die Kommentarschreiber und sicher weiß, dass ich im Recht bin, ist es deutlich leichter, über den Vorwürfen zu stehen.“
Grundsätzlich gingen Menschen sehr unterschiedlich mit Kritik und Hetze im Netz um. Einigen gelinge es problemlos, sich abzugrenzen. Anderen nicht. Grundsätzlich sei es keine Schande, sich professionelle Hilfe zu holen, wenn die Abgrenzung nicht mehr funktioniere. „Es gibt Techniken, wie man mit Emotionen und der Kritik umgehen kann. Die sind jeweils ganz individuell. Jeder Mensch ist schließlich anders“, erklärt Falterbaum.
Natürlich könne es auch ein Lösung sein, sich gar nicht mit dem Thema auseinanderzusetzen. Oder eine Social-Media-Pause zu machen. Gerade bei Funktionsträgern sei das allerdings oft schwierig. „Ich selbst bestimme ja über das, was ich an mich ran lasse. Ich kann Facebook nutzen und bleibe den Gruppen einfach fern. Jeder muss da selbst seinen Weg finden“, sagt die Therapeutin. Auch sei es hilfreich zu wissen, dass diejenigen, die ständig und zu allen Themen, schlechte Stimmung verbreiten, oft selbst eher frustriert seien: „Häufig sind es Menschen, die viele Schicksalsschläge erlitten haben und selbst unzufrieden mit sich sind oder in der realen Welt wenig Gehör finden.“









