Der Einlass ins Gemeindezentrum am Inselweg folgt wohl geordneten Regeln: immer nur so viele Personen, wie problemlos von den Mitarbeitern der Tafel bedient werden können, lassen die Tafel-Mitarbeiter in die Räumlichkeiten. Am Eingang müssen sich die Bedürftigen anmelden und können hier auch die Chips erwerben, die für die Ausgabe notwendig sind.

Danach geht es weiter in den Ausgaberaum. Nach Vorzeigen der farbigen Bedürftigenkarte tauschen die Kunden den erworbenen Chip gegen eine Grundausstattung an Lebensmitteln ein. Danach gibt es noch aktuell gespendete Lebensmittel wie etwa Obst und frisches Gemüse. „Wir wissen nie, wieviel Obst und Gemüse wir bekommen und verteilen nur das, was uns gespendet wurde. Das gilt auch für das Brot. Es stammt komplett aus aktuellen Spenden“, erklärt Christel Kallenbach, die für die Warenausgabe und damit auch für den Ablauf zuständig ist.
„Der Spaß ist wichtig“
Vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern ist zwar die Anstrengung anzusehen, aber auch die Freude, etwas Gutes zu tun und dabei Spaß im eingespielten Team zu haben. „Der Spaß ist wichtig. Aber Ordnung muss auch sein“, bestätigt Christel Kallenbach.
Rund 900 bedürftige Menschen werden in Meinerzhagen versorgt. Doch die Dunkelziffer der Mittellosen dürfte noch höher sein, da viele sich aus Scham erst gar nicht beim Sozialamt melden. Es käme aber auch vor, dass Menschen zur Tafel kämen, um ihre Berechtigung wieder abzugeben, weil sie oder ein Familienmitglied in Lohn und Arbeit ständen und somit der Bedürftigenstatus nicht mehr zuträfe, erzählt Pastor Klaus Kemper-Kohlhase, Oberhaupt der Evangelischen Kirchengemeinde.

Durch die Flüchtlinge aus der Ukraine ist die Zahl der Bedürftigen drastisch gestiegen. „Etwa ein Drittel der Gemeldeten kommen aus der Ukraine“, stellt Kemper-Kohlhase fest.
Bei rund 6000 Euro monatlichen Fixkosten – das meiste Geld wird für den Zukauf von Lebensmitteln benötigt – sei man auf monetäre Spenden angewiesen und der Dank von Pastor Kemper-Kohlhase gelte allen Spendern – „auch wenn es nur fünf oder zehn Euro“ seien.
Das kleine Café – einst ein Treffpunkt für Gemeindemitglieder – musste auch schließen, da der Raum für die Kleidersammlung und weitere Sachspenden wie Geschirr, Spielzeug oder Wäsche benötigt wird. In der „Kleiderkammer“ können sich die Unterstützungsbedürftigen zusätzlich bedienen – und die meisten werden schnell fündig.

Die Evangelische Kirchengemeinde ist die Trägerin der Tafel und stellt nicht nur die Räumlichkeiten kostenlos zur Verfügung, sondern deckt auch die Energiekosten.
„Das steht der Kirche ganz gut“, meint Pastor Kemper-Kohlhase. Aber ohne die etwa 40 ehrenamtlichen Mitarbeiter der Tafel ginge es gar nicht.

Am Lebensmittelausgabetag ist der Personalbedarf am höchsten. Hier sind nicht nur die Helfer, die rund um die Warenausgabe arbeiten, dringend erforderlich, sondern auch diejenigen, die mit dem Transport und der Verladung der Lebensmittel beschäftigt sind. Ist jemand erkrankt, wird jede helfende Hand vermisst.
Tafel besteht seit über 20 Jahren
Gegründet wurde die Tafel Meinerzhagen 2001 unter der Verantwortung der Evangelischen Kirchengemeinde. Tafel-Mitarbeiter Klaus Reimann ist seit fast 20 Jahren dabei. Er bemängelt den Rückgang der Lebensmittelspenden, der auch durch die Umstellung einiger Supermärkte zu erklären ist. So müssen die Grundpakete mit etwa zehn Lebensmitteln (Kostenbeitrag für die Abholer pro Paket: ein Euro) nahezu komplett eingekauft werden, da fast ausschließlich nur noch frische Ware gespendet würde. Getreu dem Motto „Lebensmittel retten – Menschen helfen“ sei es wichtig, dass Lebensmittel nicht weggeschmissen werden, bestätigt Kemper-Kohlhase.
Am 20. Juli sind die Helfer wieder gefragt: Dann findet die Ausgabe für die ukrainischen Flüchtlinge statt. Die nächste „normale“ monatliche Ausgabe der Tafel ist dann wieder am 3. August.

Neue Mitarbeiter gesucht
Um die Arbeit der Tafel auch weiterhin zu gewährleisten, sucht das ehrenamtliche Team permanent neue Mitarbeiter als Verstärkung. Wer Interesse daran hat, zu helfen, kann sich über das Gemeindebüro per Telefon – 02354 / 5001 – oder Email – [email protected] – an die Evangelische Kirchengemeinde Meinerzhagen wenden.










