Wenn Kinder mit selbst gebastelten Laternen durch die Straßen ziehen, Martinslieder erklingen und Brezeln verteilt werden, steht der Martinstag vor der Tür.

Am 11. November erinnern Christen an den heiligen Martin von Tours, der vor mehr als 1600 Jahren lebte. Doch warum feiern wir ihn bis heute? Und was haben Laternen, Weckmänner und Gänse mit dem ehemaligen römischen Soldaten zu tun? Das Bistum Essen erklärt die Hintergründe der bekanntesten Martinsbräuche.

Ein geteilter Mantel als Zeichen der Nächstenliebe

Martin wurde um 316 oder 317 im heutigen Ungarn geboren und trat wie sein Vater in die römische Armee ein. Der bekanntesten Überlieferung zufolge begegnete er während seiner Stationierung im französischen Amiens einem frierenden Bettler. Ohne lange zu überlegen, teilte Martin seinen warmen Militärmantel mit dem Schwert und gab dem Mann eine Hälfte.

In der folgenden Nacht soll ihm Jesus im Traum erschienen sein - bekleidet mit eben jenem Mantel. Die Geschichte machte Martin zu einem Vorbild christlicher Nächstenliebe und prägt das Martinsfest bis heute.

Später ließ sich Martin taufen, verließ die Armee und lebte zunächst als Einsiedler. Im Jahr 371 wurde er Bischof von Tours. Auch in diesem Amt setzte er sich besonders für arme und benachteiligte Menschen ein. Martin starb am 8. November 397 und wurde drei Tage später, am 11. November, beigesetzt. Deshalb wird sein Gedenktag bis heute an diesem Datum gefeiert.

Warum ziehen Kinder mit Laternen durch die Straßen?

Licht spielt beim Martinsfest seit Jahrhunderten eine wichtige Rolle. Ursprünglich fanden am Vorabend des Gedenktages Lichterprozessionen in Kirchen statt. Daraus und aus weiteren regionalen Traditionen entwickelten sich die heutigen Laternenumzüge und Martinsfeuer.

Die leuchtenden Laternen stehen dabei auch symbolisch für die Botschaft des heiligen Martin: Licht in die Dunkelheit bringen und anderen Menschen helfen.

Seit 2026 gehört die Martinstradition im Rheinland mit ihren Umzügen, Liedern und nachgestellten Mantelteilungen zum bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes.

Was haben Brezeln und Weckmänner mit St. Martin zu tun?

Dass am Martinstag vielerorts Brezeln und Weckmänner verteilt werden, hat historische Wurzeln. Der 11. November markierte im Mittelalter das Ende des bäuerlichen Wirtschaftsjahres. Ernten waren eingebracht, Abgaben wurden fällig und vielerorts wurde gefeiert.

Zugleich begann nach dem Martinstag früher eine mehrwöchige Fastenzeit vor Weihnachten. Vorher wurde deshalb noch einmal ausgiebig gegessen.

Martinsbrezeln und Weckmänner gehören zu den sogenannten Gebildebroten, deren Formen eine symbolische Bedeutung haben. Die verschlungenen Teigstränge der Brezel sollen an zum Gebet gekreuzte Arme erinnern. Der Weckmann stellte ursprünglich vermutlich einen Bischof dar und wir auch mit dem heiligen Nikolaus in Verbindung gebracht.

Warum die süßen Hefefiguren häufig eine Tonpfeife tragen, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Möglicherweise entwickelte sich diese aus der Darstellung eines Bischofsstabes.

Warum gibt es zu St. Martin eine Gans?

Einer bekannten Legende zufolge wollte Martin nicht Bischof werden und versteckte sich deshalb in einem Gänsestall. Das laute Geschnatter der Tiere soll ihn jedoch verraten werden.

Historisch dürfte die Tradition der Martinsgans allerdings eher mit dem bäuerlichen Jahresablauf zusammenhängen. Rund um den 11. November wurden früher häufig Gänse als Abgaben fällig. Außerdem bot sich vor Beginn der vorweihnachtlichen Fastenzeit die Gelegenheit für ein festliches Essen.

Die Geschichte vom Gänsestall gehört damit ebenso zum Martinsbrauchtum wie Laternenumzüge, Lieder und die Mantelteilung.

Im Mittelpunkt des Festes steht bis heute jedoch eine Botschaft, die unabhängig von religiöser Zugehörigkeit verstanden werden kann: Teilen, anderen helfen und füreinander da sein.

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