Den 12. Januar wird Nadine K. so schnell nicht vergessen. Ihr kleiner Sohn stürzte vom Klettergerüst auf den Rücken. Der Schock saß tief. Und auch wenn der Junge unversehrt blieb, so offenbarte der Unfall aus Sicht der Mutter doch eine Tücke des Spielplatzes. Auch, weil sie von weiteren Unfällen an gleicher Stelle weiß. In Gesprächen mit Bürgermeister Michael Brosch und Baubetriebshofleiter Klaus Ostermann fragen wir nach, ob nachgebessert werden kann und soll.
Es geht um den Turm, von dem die Rutschen ausgehen. Um ihn zu erreichen, können die Kinder entweder über ein Netz aus Seilen klettern oder über einen Balken balancieren. Zur linken Seite gibt es ein Seil zum Festhalten. Zur rechten Seite hingegen ist keine Absicherung vorhanden. „Aufgrund der Höhe können Begleitpersonen an dieser Stelle den Kindern kaum Hilfestellung geben, um die Plattform sicher zu erreichen“, sagt Nadine K.

Kind muss nach dem Sturz im Krankenhaus überwacht werden
Warum ihr damals dreijähriger Sohn im Januar stürzte, lässt sich nicht rekonstruieren. Ihn haben vermutlich einfach seine Kräfte verlassen, sagt die Mutter. Motorisch sei der Kleine, inzwischen 4-Jährige, sehr weit für sein Alter. „Er ist wie ein Käfer auf dem Rücken gelandet. Für einen Moment hat er nicht mehr reagiert. Das war ein Schockmoment für mich.“ Mit einem entsprechenden Fallschutz wäre ihr Kind nicht so tief gefallen, sagt sie. Der alarmierte Notarzt entschied sich damals aufgrund der Sturzhöhe, Alter und Größe des Kindes für den Transport per Vakuummatratze. Der Kleine musste schließlich eine Nacht zur Beobachtung im Krankenhaus bleiben, ehe die Ärzte Entwarnung gaben.
Erster Sturz bereits am Eröffnungstag 2019
Nadine K. erzählt, dass bereits am Folgetag, 13. Januar, eine Mail im Rathaus eingegangen sei, um die Stadt Halver über den Vorfall in Kenntnis zu setzen. Versehen mit der Bitte, die Gefahrenstelle zu überprüfen. Gleichzeitig bot sich Nadine K. damals als Kontaktperson an. Eine Antwort habe sie bis heute nicht erhalten. „Ich bin traurig, dass sich niemand gemeldet hat“, sagt sie im Gespräch mit LokalDirekt. Gleichzeitig erinnert sie sich noch gut an einen ähnlichen Vorfall, der sich bereits am Eröffnungstag am 19. Juli 2019 des Spielplatzes ereignete. Ein kleines Mädchen sei damals an besagter Stelle gestürzt – vor den Augen des Bürgermeisters. Noch am selben Tag sprach Nadine K. ihn darauf an, „ob man da noch etwas nachbessern könne“. Ihr Vorschlag: Damit auch kleine Kinder ohne Hilfe gefahrlos die Rutsche erreichen können, könnte man eine Treppe anbringen. Der Platz wäre schließlich da. Und auch eine Absicherung, etwa ein Sicherheitsnetz unterhalb der Plattform, sei sinnvoll.

Ein Spielgerät, das nur für die Großen nutzbar ist?
„Wir hätten uns damals definitiv auf die Nachricht hin melden sollen. Leider lässt sich jetzt nicht mehr feststellen, warum wir es damals versäumt haben“, sagt Bürgermeister Michael Brosch auf Anfrage von LokalDirekt. Er sei froh, dass dem Jungen nichts passiert sei. Gleichzeitig ordnet er die Problematik aus Sicht der Stadt so ein: Dieses Spielgerät sei explizit für ältere Kinder angeschafft worden. Die erste Stufe des besagten Balkens sei extra so hoch angelegt, dass kleine Kinder sie in der Regel alleine nicht überwinden können. Wenn Eltern nun den Aufstieg unterstützen, befänden sich die Kinder auf einem Gerät, das gar nicht für sie gedacht sei. Die Gefahr zu stürzen sei dann entsprechend groß. Aus diesem Grund hätte die Stadt nachträglich eine kleinere Rutsche für Kleinkinder aufstellen lassen.
Ein Sicherheitsnetz nachzurüsten sei rein rechtlich gar nicht möglich, erklärt Brosch. Jede Veränderung am Spielgerät hätte den Verlust der Gewährleistung zur Folge; ebenso würde der Spielplatz die TÜV-Zertifizierung verlieren. Erst vor Kurzem sei die Anlage am Rathaus durch ein externes Fachunternehmen „auf Herz und Nieren“ geprüft worden – eine jährliche Pflichtroutine. Darüber hinaus unterzieht der Baubetriebshof alle Spielplätze 14-tägig einer Sichtprüfung. „Alle drei Monate schauen wir uns die Geräte dann nochmal sehr genau an“, erklärt Klaus Ostermann, Baubetriebshofleiter.

„Geeignet für Kinder ab sechs Jahren“
Das große „Loch“ neben dem Balken sei ganz bewusst so geplant und soll eine Herausforderung darstellen. Er sagt, dass Kinder dazu eine gewisse Motorik benötigen. Seiner Einschätzung nach könnten Kinder ab etwa sechs Jahren dies schaffen. Auf den Vorschlag, die Gefahr zu mindern, reagiert Brosch so: „Ich hätte für ein Sicherheitsnetz nicht so viel Sympathie. Es suggeriert Kindern Sicherheit – aber fallen können sie trotzdem.“ Und schlussendlich verändere es auch den Charakter des Spielgerätes, was wiederum schade für die eigentliche Zielgruppe, die älteren Kinder, sei.
Es gibt keine Hinweisschilder, die die Nutzbarkeit für Kleinkinder ausschließen
Doch: Hinweisschilder – wie zum Beispiel auch Nadine K. sie vorschlägt – die die Nutzung der Geräte für spezielle Altersgruppen ausschließen, gibt es auf dem Spielplatz am Rathaus nicht. „Das ist baulich so geregelt, dass da auch nur die Kinder hochkommen, die da auch hochkommen sollen“, sagt Ostermann und stützt damit die Aussage von Michael Brosch. Beide appellieren an das Bauchgefühl der Eltern, einzuschätzen, inwieweit ihre Kinder das große Spielgerät meistern können. „Denn auch die Hinweisschilder würden ja nicht von den Kleinkindern, sondern von den Eltern gelesen. Das löst das Problem nicht“, betont der Bürgermeister. Er sieht die Stadt Halver nicht in der Pflicht, sondern die Begleitpersonen der kleinen Spielplatzbesucher.
Klaus Ostermann: „Der Unfall hat gezeigt, dass der Fallschutz funktioniert.“
Natürlich sei jeder Unfall ärgerlich, sagt Klaus Ostermann bezugnehmend auf den Unfall im Januar. Aber als Stadt habe man alles getan, was man tun kann. Dass der Unfall für den Jungen glimpflich ausging, zeige aus Sicht des Baubetriebshofleiters schlussendlich, dass der Fallschutz (Anmerkung der Redaktion: Zum Unfallzeitpunkt lag dort Kies, im März wurde dieser durch Holzhackschnitzel ersetzt) funktioniert. Einen hundertprozentigen Schutz gebe es nicht. „Dann bauen wir am besten alle Spielgeräte ab. Wir neigen dazu, uns Gefahren auszumalen“, sagt Ostermann.










