Lüdenscheid hatte Glück. Island hatte Pech. In dem nordischen Inselstaat verdunkelten eine dichte Wolkendecke und Regen den Himmel. So war dort von der Sonnenfinsternis am Mittwochabend wenig zu sehen. „Schade“, kommentierte Rolf Becker von den Sternfreunden Lüdenscheid das Pech der Isländer. Wenig später fesselte der Livestream aus Spanien die Besucher in im Studio der Stadtbücherei Lüdenscheid. Sie kamen beim Blick auf die totale Sonnenfinsternis dem Universum ganz nahe.
Rolf Becker, der Verein der Freunde der Stadtbücherei Lüdenscheid und die Stadtbücherei nutzten die Sonnenfinsternis am Mittwoch, um zur deutschlandweiten Langen Nacht der Astronomie einzuladen. Mehr als 50 Besucher folgten der Einladung. Sie genossen ab 18 Uhr das seltene Naturereignis in der Kino-Atmosphäre des Büchereistudios.
Rolf Becker ist Mitglied der Sternfreunde Lüdenscheid, einer Vereinigung, die Himmelsereignisse verfolgt und fotografiert. „Ich konzentriere mich auf das Ereignis und hoffe, dass die anderen gute Fotos machen“, sagte Rolf Becker am Mittwoch. Einige der Sternfreunde waren nämlich ausgeschwärmt, um in Lüdenscheid Fotos der partiellen Sonnenfinsternis über Deutschland zu machen.
Eine Reihe von Besuchern verfolgte das Ereignis im Laufe des Abends auf dem zweiten Stock des Büchereigebäudes. Zuvor hatte Rolf Becker sie mit Sofi-Brillen, einem sicheren Augenschutz mit hochwertigem Sonnenfilter, ausgestattet.
Astronomie-Geschichte zählt zu den besonderen Steckenpferden von Rolf Becker. Der Sternfreund berichtete in seinen Vorträgen von den ersten Hinweisen auf Sonnenfinsternisse aus China und erzählte die Geschichte der Astrologen Hsi und Ho aus dem Jahr 2137 vor Christus. Sie wurden hingerichtet, weil sie sich dem Alkohol hingegeben hatten, statt für Ordnung am Himmel zu sorgen. Das Schriftstück über das Schicksal der beiden Wissenschaftler gilt als der früheste dokumentierte Hinweis auf eine Sonnenfinsternis.
Fotogalerie
Manchmal spielt auch Magie eine Rolle. Das gilt für die Geschichte der sogenannten „Tecumseh’s Eclipse“ vom 16. Juni 1806, benannt nach einem Häuptling der Shawnee-Indianer. Die Vorhersage von Tecumsehs Bruder Tenkwatawa, einem Medizinmann des Stammes, dass sich die Sonne über Ohio an diesem Tag verfinstern werde, stärkte die Macht der Shawnees im Kampf gegen die weißen Siedler. Weitere Stämme schlossen sich an. Das Indianerbündnis verlor den Krieg gegen die Weißen. Tecumsehs Fluch aber wirkte. Auffällig viele US-Präsidenten starben, die – wie Tecumsehs Widersacher Henry Harrison – in einem Jahr mit Null am Ende gewählt worden waren.
Außergewöhnlicher Perseidenregen
So erfuhren die Besucher Wissenswertes aus der Astronomie-Historie und hörten weitere Anekdoten aus Rolf Beckers Geschichtenschatz. Nach der Sonnenfinsternis wartete ein weiteres Himmelsereignis auf die Sternfreunde Lüdenscheid. Ab 23 Uhr war ein außergewöhnlich starker Perseidenregen zu beobachten. Bis 3 Uhr am Donnerstagmorgen zogen bis zu 100 sichtbare Sternschnuppen pro Stunde über den Himmel. Sie gelten vielen als klassische Glücksbringer, denen nachgesagt wird, dass sie Wünsche erfüllen.








