Die Auswirkungen des Hochwassers auf die Infrastruktur sowie die Grundstücke, Gebäude, Produktions- und Lagerstätten der Unternehmen waren verheerend. Dr. Fabian Schleithoff, Leiter des Geschäftsbereiches ‚Unternehmen beraten‘ der SIHK: „Die vollständige Beseitigung der Schäden wird noch viel Zeit in Anspruch nehmen, aber nach und nach hat die Region den Wiederaufbau in den Griff bekommen. Jetzt rückt immer mehr die Frage in den Mittelpunkt, wie die Region sich aufstellen muss, damit künftige Flusshochwasser und Starkregenfälle nicht mehr so großes Unheil anrichten können wie im Juli 2021.“
„Wir sind wieder da, wir sind am Start“
Eindrucksvoll schilderten heimische Unternehmer und eine Unternehmerin ihre Erfahrungen sowie die Erlebnisse bei der Flut. „Die Liste für die Versicherung mit den Schäden umfasste bei uns mehr als 500 Punkte – mehrere Millionen Euro“, erzählt Felix Urban von der Hagener Firma URBAN Metallverarbeitung GmbH. Hoffnung in den schlimmen Tagen gaben ihm der Zusammenhalt der Belegschaft und die große Hilfe von Dritten. „Wir sind wieder da, wir sind am Start“, freut sich Felix Urban heute. Von ähnlichen Erfahrungen berichteten auch die meisten seiner Unternehmerkollegen.
„Innerhalb von nur 35 Minuten stand das Wasser am Schaufenster“, erinnert sich Martina Beckmann vom Hagener Autohaus Beckmann noch genau an den 14. Juli 2021. „Das waren Erlebnisse, die man nie vergisst. Die Flut hat mich drei Jahre Lebensqualität gekostet“, gesteht Martina Beckmann. Sie hätte sich, wie ihre Unternehmer-Kollegen auch, eine frühere Warnmitteilung gewünscht. „Eine Stunde früher und wir hätten noch viele Autos retten können. Aber so haben Mitarbeiter ihre geparkten Wagen in den Fluten verloren und wir 204 Fahrzeuge. Der Schaden betrug bei uns 2,8 Millionen Euro.“ Auch Martina Beckmann erlebte großen Zuspruch in der Not: „Kunden von uns kamen mit selbstgebackenem Kuchen und Süßigkeiten, um uns Mut zuzusprechen.“

214 Anträge auf Fluthilfe
Das Wasser aus Produktionshallen und Ausstellungsräume zu pumpen, war das eine – der monatelange Schriftverkehr mit Versicherungen und Gutachtern das andere. „Erst waren die Versicherungen gefordert, dann das Land mit der Fluthilfe“, klärt Dr. Fabian Schleithoff auf.
Kollege Dr. Jens Ferber vom Hochwasserteam der SIHK ergänzt: „Es kommen immer noch Anträge auf Fluthilfe bei uns rein.“ Ferber zieht Bilanz: „Wir haben 1.065 Beratungen durchgeführt, 214 Anträge auf Fluthilfe bearbeitet und für unsere Unternehmen rund 40 Millionen Euro Fördermittel generiert.“ Bis Ende Juni 2024 können noch Anträge auf Fluthilfe gestellt werden.

Wie verheerend die Schäden waren und wie viel sich bis heute schon getan hat, zeigt eine kleine Ausstellung, die bis Ende August in der SIHK zu sehen ist. Diese stellt auf neun Stellwänden die Hochwasserfotos aktuellen Bildern gegenüber. Zu sehen sein wird sie bis zum 29. August.
Dann findet eine Hochwasser-Konferenz statt. Dazu lädt die SIHK ein, um strategische Überlegungen zur Verbesserung des Hochwassermanagements in der Region zu diskutieren. Neben betroffenen Unternehmen, den Landräten des Märkischen Kreises, des Ennepe-Ruhr-Kreises sowie dem Oberbürgermeister der Stadt Hagen werden ausgewiesene Fachleute im regionalen Hochwassermanagement ihre Ideen und Ansätze in die Konferenz einbringen. Anmeldungen sind noch unter www.sihk.de/gewaesserkonferenz möglich.
Abgestimmtes Vorgehen gefordert
Die Wirtschaft der Region macht sich für eine stimmige, regionale Hochwasserstrategie stark. Bereits im Juni hat die Vollversammlung der SIHK eine Resolution verabschiedet, in der sie „ein konsequentes und schnelles, abgestimmtes Vorgehen von Land, Kreisen und Kommunen“ fordert. Kernpunkt ist der Gedanke, die bislang bei den Kommunen liegende Verantwortung für das Hochwassermanagement auf einen dann für die gesamte Region zuständigen Verantwortlichen zu übertragen.
Bei allen Sorgen und Nöten, die das Jahrhunderthochwasser bei vielen Unternehmern in der Region verursacht hat, war das Signal, das sie seinerzeit aussendeten, bei allen gleich: „Aufgeben gibt es nicht.“








