Die Ausbildungsexpertin aus Solingen war als Referentin zum Thema „Azubi-Recruiting-Trends 2023“ auf Einladung des Arbeitgeberverband Lüdenscheid e.V., der Kommunalen Koordinierungsstelle des Märkischen Kreises und der Kreishandwerkerschaft des Märkischen Kreises kürzlich zu Gast im Lüdenscheider Haus der Wirtschaft.
Die Diplom-Kauffrau nahm bei ihrem interaktiven Vortrag kein Blatt vor den Mund. „Sie haben eine Meinung – wir haben die Fakten“, machte sie den zahlreichen Gästen klar, dass ein Bauchgefühl beim Recruiting von Auszubildenden nicht zum Ziel führt. Eine steile These. Felicias Ullrich stützt sie auf die Studien zu Recruiting-Trends, mit denen sie erforscht, was Jugendliche bei der Ausbildungsplatzwahl überzeugt. Dabei kommt sie immer wieder zu dem Ergebnis: „Die sogenannte Generation Z ist anders, als wir es erwarten.“
Ein Beispiel: Felicas Ullrich hat bei ihren Untersuchungen festgestellt, das Jugendlichen während ihrer Ausbildung eine höhere Ausbildungsvergütung (57 Prozent) wichtiger ist als mehr Freizeit (43 Prozent). Dazu kommt: Nur elf Prozent der zwischen 1995 und 2005 Geborenen sucht aktiv in den Sozialen Medien nach Ausbildungsplätzen oder Jobangeboten. Außerdem: Komplizierte Bewerbungsprozesse schreckten potenzielle Interessenten ab. So würden 45 Prozent der befragten Jugendlichen eine Bewerbung per App vorziehen. 20 Prozent sprächen sich für Videobewerbungen aus und 35 Prozent für schriftliche Bewerbungen.
Die übliche Bewerbung mit Anschreiben und Zeugnissen sei mit Vorsicht zu genießen, riet Ullrich. „Wer weiß schon, wer die Anschreiben verfasst hat. Mama, Papa oder gar die künstliche Intelligenz von ChartGPT?“, hinterfragte sie. Auch die Auswahl nach Schulnoten bewertete Felicias Ullrich kritisch, zumal Jugendliche mehrheitlich der Ausfassung seien, die Auswahl solle auf Basis eines Tests (75 Prozent) erfolgen.

„Junge Leute wollen angesprochen werden. Sehen Sie ihren Ausbildungsplatz als ihr Top-Produkt und preisen Sie es entsprechend an“, rät die Recruiting-Fachfrau. Das gelte insbesondere für Bewerbermessen.
Außerdem hat Felicias Ullrich festgestellt, dass in Stellenanzeigen sehr häufig herausgestellt wird, was Arbeitgeber voraussetzen und erwarten, statt zu sagen, wie künftige Azubis von der Ausbildung profitieren können. Auch die Ausbildungsvergütung, die eine bedeutende Rolle spiele, verstecke sich zu oft hinter Formulierungen wie „nach Tarif“. „Solche Formulierungen sind für die Jugendlichen nicht sofort greifbar.“
Die Referentin zieht Bilanz: Auf der einen Seite stehe eine junge Generation mit besonderen Anforderungen und hohem Selbstbewusstsein, die mit Werten, wie Sicherheit, für die Zukunft sorgen und Beständigkeit, immer weniger anfangen kann. Auf der anderen Seite müssten sich Unternehmen den Herausforderungen zur Gestaltung gesellschaftlicher Veränderungsprozesse, Digitalisierung, Fachkräftesicherung und ein im Sinne der Nachhaltigkeit angepasster Umgang mit den Ressourcen stellen.
Unternehmen müssten sich auch klar machen, dass die Sorge „Bin ich überhaupt gut genug?“ die Frage sei, die junge Leute am stärksten beschäftige. Auch zu den Ängsten der Generation Z lieferte Felicias Ullrich interessante Zahlen. In der jüngsten Umfrage nannten Jugendliche, die nach ihren Ängsten gefragt wurden, Inflation (56 Prozent), Krieg in Europa (16 Prozent), Klimaerwärmung und deren Folgen (16 Prozent) und Arbeitslosigkeit (10 Prozent).









