„Seit Jahren“ fahre sie Fahrrad, erzählte eine 74-jährige Seniorin, die gemeinsam mit ihrem Partner der Einladung des Projekts ‚Gesund in Breckerfeld‘ (GiB) gefolgt war, auf einem eigens zu diesem Zweck aufgebauten Parcours gewisse Fahrsituationen zu üben. „Angefangen haben wir mit Rennrädern, später haben wir lange Mountainbike-Touren, auch in den Bergen, unternommen“, sagt sie.
Mit zunehmenden Alter sei das Paar dann vor ungefähr sechs Jahren auf sportliche Pedelecs umgesattelt: „Dank der Motorunterstützung können wir auch weiterhin unsere geliebten Touren durch die nähere und weitere Umgebung machen und uns an der frischen Luft bewegen.“

Motor ermöglicht weiterhin ausgiebige Radtouren
Bewegung an der frischen Luft, das war der meist genannte Grund, warum die zehn Senioren sich ein E-Bike angeschafft haben. Denn der Motor am Rad erlaube es ihnen, sich auch im Alter noch auf längere Touren und schöne Ausflüge in die Natur zu begeben oder „auch einfach mal schnell Brötchen holen zu fahren, ohne wieder das Auto nehmen zu müssen“, meinte ein Teilnehmer.
Unsicherheit bei Kurven und beim Bremsen
Vielen gemeinsam war allerdings auch, dass sie mit ihrem Elektrofahrrad oder generell beim Fahrradfahren schon Situationen erlebt hätten, in denen sie unsicher waren. Auch von Stürzen mit dem E-Bike konnten einige berichten, und dass sie seit dem Sturz ängstlicher fahren würden. Während bei einer Teilnehmerin der Schrecken bei kurvigen Strecken käme, habe eine andere wiederum Schwierigkeiten einzuschätzen wie stark sie die Bremse betätigen solle, ohne dass es ihr den Lenker „verreißt“.

Übungen im Schonraum geben Sicherheit
Auf all diese Ängste oder Unsicherheiten der Senioren vorbereitet waren Polizeioberkommissarin Lena Brune und Hauptkommissaren Dana Fiebig: „Wir bieten regelmäßig Radfahrtrainings für Senioren an, und diese sind natürlich genau auf diese Zielgruppe abgestimmt.“
Den Vorteil des Fahrtrainings erklärt POK Lena Brune: „Auf unserem E-Bike-Parcous können die Teilnehmer unterschiedliche Situationen erst einmal in einem gesicherten Schonraum üben, ohne gleichzeitig auf andere Verkehrsteilnehmer achten zu müssen.“ Situationen üben, aber auch das eigene Fahrrad besser kennenlernen: „Allein das kann schon viel zur Fahrsicherheit beitragen.“
Bevor es jedoch auf den Parcours an die Praxisübungen ging, prüften die beiden Polizistinnen die E-Bikes und Pedelecs auf ihre Verkehrstauglichkeit, stellten hier einen Sattel höher und da einen Lenker niedriger: „Denn auch die richtige Sitzposition ist wichtig, um das Fahrrad sicher ‚handlen‘ zu können.“

Auf die Größe kommt es an
Leider sei immer wieder festzustellen, dass gerade Senioren beim Fahrradkauf schlecht beraten wurden: „Da geht es vielen Händlern wohl häufig nur ums Verkaufen, anders ist es nicht zu erklären, dass manche Teilnehmer mit einem für sie viel zu großen E-Bike fahren“, so Brune.
Eine zierliche Teilnehmerin, bei deren Pedelec sich der Lenker nicht verstellen ließ, erklärte daraufhin: „Das war das einzige Fahrrad, das es zum Kaufzeitpunkt überhaupt in meiner Größe gab.“ Nun passe es zwar mit dem Sattel und den 26″-Rädern, „aber ich merke natürlich, dass der Lenker eigentlich zu hoch für mich ist.“
Der Helm muss richtig sitzen
‚Unpassende‘ Räder sind das eine, an das man sich mit viel Fahrpraxis im Laufe der Zeit gewöhnen könne. „Ein nicht passender oder falsch justierter Helm jedoch kann schlimmstenfalls Verletzungen zur Folge haben, die vermeidbar gewesen wären“, warnt Dana Fiebig. Daher gehöre auch dieses Thema zu jeder Parcours-Veranstaltung, die die beiden Polizistinnen durchführen. Als ‚Eselsbrücke‘ gelte, dass zwischen Rand des Helms und Augenbrauen zwei Finger breit Platz bleiben solle und die seitlichen Gurte direkt unter dem Ohr ein Dreieck bilden.

Pylonen und Balancebrett
Stationen des Übungsparours waren enge, mit flachen Pylonen gekennzeichnete Kurven, ein Abschnitt zur Gefahrenbremsung („Vollbremsung“), eine kleine Slalomstrecke, die Fahrt über ein schmales Balancebrett und eine oder besser: mehrere Runden einhändiges Fahren im Kreis.
Stets unter Beobachtung von Lena Brune und Dana Fiebig absolvierten die zehn Senioren jeweils mehrere Parcoursrunden über den Marktplatz: „Die Teilnehmer merken bei den Übungen schnell selbst, wo ihre Schwächen und Unsicherheiten liegen und steuern diese Stationen motiviert immer wieder aufs Neue an.“

Mit Spaß viel gelernt
Nach etwa eineinhalb Stunden waren sich alle Senioren einig, dass sich das kostenlose Training auf jeden Fall gelohnt habe: „Es hat Spaß gemacht und das Balancebrett war zum Beispiel eine gute Konzentrationsübung wenn man abseits von gepflasterten Wegen fährt“, meinte ein Teilnehmer.
Eine Pedelec-Fahrerin dagegen fand die „Bremsstation“ sehr lehr- und hilfreich: „Ich weiß jetzt, dass ich beide Bremshebel gleichzeitig betätigen muss, damit es mich nicht über den Lenker reißt.“

„Ich denke, wir können alle etwas aus dieser Veranstaltung mitnehmen“, sagte ein Senior zum Abschluss und bedankte sich im Namen aller Teilnehmer nicht nur bei den beiden Polizistinnen, sondern auch bei Ulla Jakobs, die den Senioren das kostenlose E-Bike-Fahrtraining im Rahmen des GiB-Projekts organisiert hatte.









