Aus einer gemeinsamen Ausbildung wurde zunächst eine Freundschaft, dann eine berufliche Partnerschaft und schließlich eine Geschäftsidee. Jetzt haben Fabian Bäcker (25) und Leonardo Gomes Marcelino (26) ihren gemeinsamen Traum verwirklicht: Am Alten Ostring 18 eröffnen die beiden Physiotherapeuten am Montag, 2. November, ihre eigene Praxis. Dass sie dafür ausgerechnet Breckerfeld gewählt haben, ist vor allem Bäckers Heimatverbundenheit zu verdanken.
Vom Patienten zum Therapeuten
Ganz zufällig sind beide beruflich nicht in der Physiotherapie gelandet. Sport spielte schon früh eine wichtige Rolle in ihrem Leben. „Ich war immer sportlich, habe vieles ausprobiert und mir dabei natürlich auch die eine oder andere Blessur zugezogen“, erzählt Gomes Marcelino. Durch eigene Erfahrungen mit Physiotherapie wuchs sein Interesse an dem Beruf. Nach dem Abitur begann er die dreijährige Ausbildung.
Auch Fabian Bäcker kam relativ früh über eine Verletzung, die er sich beim Schulsport zugezogen hatte, mit der Physiotherapie in Kontakt. Sie führte ihn zu einem Therapeuten, der bei ihm offenbar einen bleibenden Eindruck hinterließ. „Ich habe wirklich viel Zeit in der Physiotherapiepraxis verbracht“, schmunzelt er, wenn er an die zahlreichen Übungen zurückdenkt. „Dabei habe ich gemerkt, dass mich dieser Beruf interessiert“, erinnert er sich.
Während der Ausbildung lernten sich die beiden kennen und verstanden sich auf Anhieb. Später arbeiteten sie für dasselbe Unternehmen, allerdings an unterschiedlichen Standorten. Den Kontakt hielten sie trotzdem – und irgendwann nahm eine gemeinsame Idee Gestalt an. „Wir haben schon relativ früh nach unserer Ausbildung darüber gesponnen, uns einmal zusammen selbstständig zu machen. Wir wollten unsere eigenen Vorstellungen von einer guten Organisation und einem passenden Therapieangebot verwirklichen“, erzählt Gomes Marcelino.
Breckerfeld statt Halver
Dass die gemeinsame Praxis nun in Breckerfeld entstanden ist, war für Bäcker von Anfang an ein Herzenswunsch. Er lebt seit seiner Kindheit in der Hansestadt. In Halver hätten die beiden zwar schneller passende Geschäftsräume gefunden, sagen sie, doch der Standort sollte „zu 100 Prozent stimmen“. Am Alten Ostring überzeugten sie schließlich die barrierefreie Erreichbarkeit und die kostenfreien Parkmöglichkeiten, unter anderem in der Tiefgarage mit Personenaufzug. „Wer zur Physiotherapie kommt, hat ohnehin häufig gesundheitliche Einschränkungen. Da sollten nicht auch noch lange Wege oder Treppen zur zusätzlichen Belastung werden“, erklärt Bäcker seine Überlegungen. Mit dem Bus sei die Praxis zudem auch von Halver oder Schalksmühle aus gut erreichbar.
Der gebürtig aus Hagen-Haspe kommende und heutige Ennepetaler Gomes Marcelino musste sein künftiges berufliches Zuhause dagegen zunächst kennenlernen. „Fabian hat mir Breckerfeld immer wieder gezeigt. Wir sind gemeinsam Wege abgegangen und haben geschaut, wie gut die Praxis erreichbar ist. Er hat mich aber auch zu Veranstaltungen mitgenommen, damit ich die Stadt und ihre Gemeinschaft kennenlernen konnte“, erzählt er. Offenbar mit Erfolg: Aus dem gemeinsamen Plan wurde ein Standort in Bäckers Heimatstadt.
Zum Mitmachen motivieren
In den neuen Praxisräumen setzen die beiden auf einen ganzheitlichen Therapieansatz. Statt jede Beschwerde nach einem festen Schema zu behandeln, wollen sie die Therapie individuell auf die Bedürfnisse und Ziele der Patienten abstimmen. Ob klassische Krankengymnastik, manualtherapeutische Techniken oder Training an Geräten infrage kommt, entscheide sich je nach persönlicher Situation. Auch Kombinationen verschiedener Methoden gehören zum Konzept.
Dafür haben die beiden in moderne Trainingsgeräte investiert. Doch Technik allein macht für sie noch keine erfolgreiche Behandlung aus. Entscheidend sei, dass Patienten ihre Beschwerden verstehen und aktiv an ihrer Verbesserung mitarbeiten. „Wir möchten die Menschen an die Hand nehmen und ihnen zeigen, was sie selbst tun können. Denn langfristig bringt es wenig, sich ausschließlich auf die Termine in der Praxis zu verlassen“, sagt Gomes Marcelino.
Physiotherapie, bevor es zum Sturz kommt
Gerade die begrenzte Zahl ärztlich verordneter Behandlungseinheiten mache Eigeninitiative wichtig, um Beschwerden dauerhaft zu lindern. Umso wichtiger sei es, Übungen und Bewegungsabläufe auch zu Hause fortzuführen. Daher sehen Bäcker und Gomes Marcelino einen weiteren Schwerpunkt in der Prävention. Viel zu häufig kämen Menschen erst dann in die Physiotherapie, wenn bereits eine Verletzung oder größere Einschränkung vorliege.
Dabei könne gezieltes Training gerade im Alter helfen, Beweglichkeit, Muskelkraft und Gleichgewicht zu erhalten – und so die sogenannte „Activity of Daily Life“ (ADL) aufrecht erhalten. Bei dieser Therapieform wird sich nicht nur auf die isolierte Heilung eines Muskels oder Gelenks konzentriert, sondern darauf, dass der Patient seine alltäglichen Aufgaben wie Aufstehen aus dem Bett, Treppensteigen oder Schuhe zubinden wieder schmerzfrei und eigenständig bewältigen kann. „Man sollte nicht erst waren, bis es zu einem Sturz kommt, um etwas für die eigene Sicherheit zu tun“, betont Gomes Marcelino. Mit einem alltagsorientierten Übungsprogramm lasse sich dem altersbedingten Muskelabbau entgegenwirken.
Auch bei Arthrose könne gezieltes Training die Gelenke stabilisieren und Beschwerden lindern. Die verbreitete Annahme, bei fehlendem Knorpel lasse sich ohnehin nichts mehr erreichen, greife zu kurz, finden die beiden Therapeuten.
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Viel Eigenleistung beim Umbau
Bis PhysioFit seine Türen öffnen konnte, stand allerdings zunächst eine Menge Arbeit an. In den Räumen am Alten Ostring befand sich zuvor der Friseursalon „Haargenau“. Mehrere Monate dauerte der Umbau, bei dem die beiden Gründer selbst kräftig mit anpackten – und „unfassbar viel Unterstützung aus unseren Familien und dem Freundeskreis“ erhielten. „Dafür sind wir extrem dankbar.“ Bei der Gestaltung der Räume haben sie sich vor allem auf ihre weiblichen Unterstützerinnen verlassen. Das Ergebnis mutet daher nicht nach einer kühlen medizinischen Einrichtung an: „Sie haben eine warme, ruhige Atmosphäre geschaffen“, loben die beiden.
Für die jungen Unternehmer bedeute die Selbstständigkeit zwar eine zusätzliche organisatorische Herausforderung. An ihrem Anspruch gegenüber den Patienten ändere das jedoch nichts: „Ob angestellt oder selbstständig: Die Verantwortung für das Wohl und die Genesung der Menschen bleibt dieselbe“, sind sie sich einig.
Tag der offenen Tür am 7. November
Zum Angebot von PhysioFit gehören Krankengymnastik, Krankengymnastik am Gerät, manuelle Lymphdrainage und Hausbesuche. Darüber hinaus bieten die beiden Physiotherapeuten weitere Leistungen wie beispielsweise Personal Training an.
Die offizielle Eröffnung findet am Montag, 2. November, statt. Termine vereinbart die Praxis telefonisch unter 02338/9157740 oder per E-Mail an [email protected].
Wer die Räume und die beiden Gründer kennenlernen möchte, hat dazu am Samstag, 7. November, Gelegenheit. Von 12 bis 18 Uhr lädt PhysioFit zum Tag der offenen Tür mit Snacks und Getränken ein. Dabei stehen Bäcker und Gomes Marcelino auch für Fragen rund um die Physiotherapie und ihr Behandlungskonzept zur Verfügung.










