Als „Schneiderlein“ ist er in Meinerzhagen gleichermaßen bekannt wie beliebt. „In jedem Klassenraum hing ein Bild des Präsidenten“, erinnert er sich an seine Kindheit. Den Menschen sei „eine Zwangsliebe zum Präsidenten“, damals noch dem Vater des jetzt geflüchteten Machthabers, eingeimpft worden. Aber schon den Kindern sei klar gewesen, dass man keine Kritik an Assad üben durfte. Etwas anderes zu sagen, bedeutete: „Dann ist man weg.“

Politische Haft und Folter waren in Syrien an der Tagesordnung, verweist der Inhaber der Änderungsschneiderei auf aktuelle Aufnahmen aus den Gefängnissen in seiner Heimat. Seine Hoffnung ist, dass seine Landleute Syrien jetzt, nach mehr als einem Jahrzehnt des Bürgerkriegs, das Land wieder aufbauen können und nicht mehr aus ihrer Heimat fliehen müssen. Dazu wünscht er sich „die Unterstützung von westlichen Demokratien, damit auch in Syrien wieder Freiheit und Sicherheit herrschen. Ihm ist klar, dass das Zeit braucht. Viele Menschen seien traumatisiert. Wenn die verschiedenen Gruppen „ein neues Syrien wollen, dann klappt das“, ist er zuversichtlich. Dazu brauche es Bildung und Hilfe. Für Deutschland, Europa, aber auch die Türkei und die USA stelle sich die Frage: „Wollen wir helfen?“ oder gehe es wieder nur darum, eigene Interessen zu verfolgen.
Dazu müsste auch die Türkei die Verfolgung der Kurden stoppen. Es gelte, verschiedene religiöse oder kulturelle Gruppen zu respektieren, meint Ebrahim, der selbst kurdischer Abstammung ist. Man müsse allen Menschen gönnen, dass es ihnen gut gehe, dass „die Welt hilft und alle ihre guten Seiten zeigen, dann hätten wir weniger Probleme“, hofft er auf Frieden und Freiheit im Nahen Osten auch für Israel und die Palästinenser.
Abdolrahman Ebrahim, der sich kurz als „Abdullah“, vorstellt, hat die Nachrichten aus Syrien am Wochenende „zufällig in Essen erlebt“. Dort, wie auch in anderen Städten, gingen tausende Syrer auf die Straße, freuten sich über die Befreiung, schwenkten syrische Fahnen. Jeder habe eigene Erlebnisse, viele hätten Angehörige verloren. Die Erleichterung sei groß. „Ich freue mich, wenn ich wieder in meine Heimat fahren kann, meine alten Schulfreunde wieder zu treffen“, sagt er. Sein Lebensmittelpunkt bleibt hier. Selbst hat er inzwischen einen deutschen Pass, ist integriert, ein erfolgreicher Geschäftsmann. Die Kinder sind hier geboren. Aber die Heimat wieder besuchen zu können, ist auch für Abdullah eine Befreiung.










