Am 4. Juli 2022 wollen Polizisten den Mann in Halver kontrollieren. Als der damals 20-Jährige die Beamten kommen sieht, lässt er schnell 1 Gramm Marihuana auf den Boden fallen. Zu spät. Die Polizisten haben die Drogen längst ins Visier genommen. Für den unerlaubten Besitz von Betäubungsmitteln muss sich der Mann im Amtsgericht Lüdenscheid einem Jugendrichter stellen.
„Es gibt nichts dazu zu sagen. Es stimmt so“, macht es der Halveraner mit dem Geständnis kurz. Eine Mitarbeiterin der Jugendgerichtshilfe verschafft den Prozessbeteiligten einen Überblick über das bisherige Leben des 22-Jährigen. Dabei wird deutlich, warum der Halveraner zu Drogen gegriffen hatte.
Nach der Trennung seiner Eltern lebt der Angeklagte zunächst bei seiner Mutter. Als diese einen neuen Mann kennenlernt, der einen Sohn mitbringt, und das Paar noch zwei gemeinsame Kinder bekommt, wird es dem Halveraner zu viel. Er zieht zu seinem Vater. Doch aufgrund einer Erkrankung des Vaters, wird auch das Zusammenleben dort schwierig. Die schulischen Leistungen werden schlechter. Schließlich verlässt der Angeklagte die Schule ohne Abschluss. Er fängt eine Ausbildung an, wird dort aber gemobbt. Nach einem halben Jahr wirft er die Lehre hin. Dann erfährt er, dass ihn seine Freundin innerhalb des gemeinsamen Freundeskreises schon länger betrügt. Alle außer ihm wissen davon. Er trennt sich von der Freundin und kehrt auch den Freunden den Rücken. Isolation ist die Folge.
Irgendwann in dieser Zeit kommen die Drogen ins Spiel. Seit anderthalb Jahren sei er aber vom Stoff weg, erklärt der Halveraner im Gericht. „Ich habe aufgehört, weil es mir langweilig wurde. Und wenn ich noch weiter konsumiert hätte, wäre es nur schwieriger geworden, aufzuhören.“ Er habe inzwischen auch wieder Freunde. Weniger, aber bessere. „Drogen sind bei uns kein Thema“, sagt der Angeklagte.
Das Zusammenleben mit seinem Vater sei auch angenehmer geworden. Und: Sport habe in seinem Alltag einen großen und wichtigen Raum eingenommen. Ohne Drogen sei er viel motivierter, könnte besser essen und sich mehr konzentrieren. Insgesamt eine positive Entwicklung, findet der Richter. Im Hinblick darauf, und weil die Tat schon lange her ist, stellt er das Verfahren letztlich ohne Auflagen ein. Damit ringt er dem Halveraner, der zu Beginn der Verhandlung ängstlich wirkt, ein erleichtertes Lächeln ab.









