Das Baby von Rudolf Sparing ist längst erwachsen geworden. 1980 erfand der ehemalige Kulturhausleiter die Lüdenscheider Kleinkunsttage. Die ersten Vorstellungen fanden im damaligen City Center statt. In diesem Jahr erleben Kabarett- und Comedy-Freunde die 46. Auflage des Wettstreits um die „Lüdenscheider Lüsterklemme. Am 3. März ist ab 19.30 Uhr René Sydow im Kulturhaus Lüdenscheid zu Gast.
René Sydow, Jahrgang 1980, arbeitet seit vielen Jahren als Schauspieler und Regisseur, unter anderem für das Staatstheater Stuttgart, das Theater Dortmund, das Renitenztheater Stuttgart und die Magdeburger Zwickmühle. Im Poetry Slam erreichte er den dritten Platz bei den Deutschsprachigen Meisterschaften und wurde NRW-Meister. Als Autor und Regisseur drehte er zahlreiche international prämierte Kurz- und drei Langspielfilme. Seine preisgekrönten Kabarettprogramme brachten ihm den Ruf ein, einer „der Großen des politischen Kabaretts“ zu sein.
René Sydow seziert Herrschaftssprache und Internetgebrabbel
In der Ankündigung zu neuem neuen Programm „In ganzen Sätzen“ heißt es: „Es könnte einem die Sprache verschlagen: Die Alten jammern, die Jungen tweeten, die Woken gendern, die Assis prollen, die Rechte spaltet, die Linke auch. Nur die Klugen sind verstummt. Damit ist jetzt Schluss. Denn Deutschlands sprachmächtigster Kabarettist redet jetzt in ganzen Sätzen. Dabei spricht er an und aus, was in unserer Sprache und Gesellschaft verschleiert, totgeschwiegen und zerredet wird. Er seziert Herrschaftssprache und Internetgebrabbel, lässt heiße Luft aus Schaumschlägern und Wichtigtuern, entlarvt Phrasendrescher und Wortverbieter.“
Wo andere faseln, redet René Sydow jetzt Tacheles. Wo gelabert wird, stellt er fest. Statt Blabla gibt es Gedanken, statt Larifari: Sinn. Und wenn der Zuschauer sich fragt: „Darf man das überhaupt sagen?“, dann antwortet der Kabarettist: „Schon. Aber in ganzen Sätzen.“
Sprache ist ein präzises und schönes Instrument
René Sydow zeigt: Sprache ist wandelbar und wunderbar. Und in den richtigen Händen – beziehungsweise Zungen – ein präzises und schönes Instrument. Eines, das René Sydow meisterhaft zu führen versteht. Umso trauriger und wütender macht es ihn, wenn Sprache nicht richtig verstanden, falsch eingesetzt oder gar missbraucht wird, von Kindern, Politikern und Lobbyisten. Doch Sydow will gegensteuern, will diskutieren und sensibilisieren, aufklären und richtigstellen, selbst wenn er dafür bis zum Indogermanischen zurückgehen muss, um sich unter anderem gegen die Indoktrination mit gendergerechter Sprache zu wehren. Und um abzurechnen. Wobei er dabei schnell persönlich wird.
Umdenken ist Schwerstarbeit
Sydows Programm verbindet politische Satire mit linguistischen Erörterungen. Es sorgt ihn, dass rund 19 Prozent der Kinder in Deutschland funktionale Analphabeten seien, sie also lesen können, das Gelesene aber nicht verstehen. Und es wurmt ihn, dass die Mächtigen dies gnadenlos ausnutzen und zu einer Sprache der Angst, der Ablenkung und des Fanatismus greifen. Da werden Vorurteile geschürt, unbequeme Wahrheiten vertuscht und unliebsame Dinge verteufelt, bis Gesinnung und Befindlichkeiten über Verstand und Urteilsvermögen siegen. Im Namen des Kampfes gegen Rassismus werden so Bücher umgeschrieben oder einfach verbrannt, anstatt die eigentlichen Probleme anzugehen, die in den Menschen selbst liegen und darin, wie sie selbst Sprache wahrnehmen. Umdenken ist schließlich Schwerstarbeit.
Das gilt laut Sydow auch für gendergerechte und politisch korrekte Sprache. Die Vermischung von Genus und Sexus beim generischen Maskulinum ist ihm ein Graus, vor allem weil die vermeintlichen Lösungen sein eigenes Sprachempfinden stören. „Ein Student im Urlaub ist kein Studierender“, erklärt er, „und ein Lehrer außerhalb des Klassenraums in der Regel kein Lehrender.“ Ist das kleinkariert? Vielleicht. Andererseits ist Kabarett zumindest in den Augen Sydows immer auch eine Übung in Genauigkeit.
Vorverkauf & Preise
Der Vorverkauf hat bereits begonnen.
Karten sind erhältlich:
• an der Theaterkasse (Telefon 0 23 51 / 17 12 99),
• im Webshop des Kulturhauses,
• sowie im Shop Klein Oho im Sterncenter Lüdenscheid.
Preise:
• Reihenplatz: 15,00 Euro
• Tischplatz: 17,00 Euro
• Kombiticket: Fünf Veranstaltungen besuchen, nur vier bezahlen Alle Preise verstehen sich zuzüglich Gebühren.










