Gunda Behr, Einrichtungsleiterin des Schullandheims des Märkischen Kreises auf der Nordseeinsel Norderney, hat ein Lächeln im Gesicht, wenn sie sich die Zahlen ihres Hauses für das vergangene Jahr ansieht. „Es war ein Rekordjahr für uns“, berichtet die 58-Jährige. 24.490 Belegungstage von 5018 Gästen hatte das 96-Betten-Haus an der Luciusstraße in seiner 100-jährigen Geschichte noch nie. Gunda Behr: „Durchschnittlich waren es immer zwischen 22.000 und 23.000.“
Der große Zuspruch ihrer Gäste, zumeist Schulklassen, aber auch Familien, Paare und Einzelreisende, freut die verheiratete Mutter von drei Kindern und ihr elfköpfiges Mitarbeiter-Team natürlich. Den Grund für die tollen Belegungszahlen hat sie schnell ausgemacht: „Die Menschen wollten nach den Corona-Jahren endlich mal wieder raus, wieder reisen. Viele Lehrer haben uns berichtet, wie sehnsüchtig ihre Schüler auf die Rückkehr der Klassenfahrten nach Norderney gewartet haben.“
Corona war auch für das Schullandheim des Märkischen Kreises eine harte Zeit. Jeweils über den Winter war es zwei Jahre lang komplett geschlossen. „Im ersten Jahr von November bis März, dann von November sogar bis Mai“, berichtet die Fachdienstleiterin. „Wir haben die Zeit gut überstanden, auch dank des Märkischen Kreises. Er ist für uns ein starker Träger unseres Hauses. Geholfen hat auch die Kurzarbeiter-Regelung. Die war ja im öffentlichen Dienst eher eine Ausnahme. Sie war aber eine gute Lösung und hat zur Stabilisierung des Schullandheims beigetragen.“
Zur Stabilisierung tragen neben den Schulklassen, die natürlich Vorrang bei der Belegung haben, auch die Einzelreisenden bei. „Die Schulen füllen bei ihren Klassenfahrten nicht immer alle 96 Betten. Was frei bleibt, belegen wir mit anderen Gruppen oder Reisenden“, erklärt Gunda Behr. Dies trage maßgeblich zum Kostendeckungsgrad von rund 97 Prozent bei.
Die 58-Jährige und ihr Team füllen deshalb vor allem die Schulferien mit ihren beliebten Aktionswochen – den „Klimawochen“ Ende Januar, die Familienfreizeiten in den Osters-, Sommer- und Herbstferien, die „Jedermann-Woche“ oder das Angebot über Silvester. Diese Angebote sind zumeist weit im Vorfeld ausgebucht – wie das Schullandheim insgesamt. „Wir haben eine Dauerwarteliste“, so die Einrichtungsleiterin. Darauf stehen auch Personen aus dem Märkischen Kreis, die ihre Koffer kurzfristig packen können. „Die rufen wir dann an, und sie machen sich auf den Weg“, freut sich Gunda Behr über die Flexibilität ihrer Gäste. Viele von ihnen sind Stammgäste, kommen jedes Jahr wieder, buchen beim Aufenthalt gleich wieder den nächsten.

Was Gunda Behr besonders freut, ist die Toleranz und Kinderfreundlichkeit ihrer Gäste. „Wir sind nun einmal ein Schullandheim. Zu uns kommen vorwiegend Schulklassen. Da geht es manchmal auch laut und wild zu. Es ist für uns sehr wichtig und schön, dass wir diese Gäste haben.“ Das Schullandheim des Märkischen Kreises ist neben dem Jugend- und Gästehaus des Kreises Lippe die einzige Einrichtung ihrer Art auf der Nordseeinsel.
Nicht mehr nach Norderney kommt dagegen die Gruppe der „Ehemaligen“. Sie waren vor Jahrzehnten als Kinder im damaligen Kinderkurheim des Altkreises Iserlohn zur Erholung auf die Nordsee-Insel geschickt worden. Die Unterbringung und das Heimweh hatten viele noch in Erinnerung. Gunda Behr: „Wegen Corona mussten wir die Zusammenkünfte absagen. Viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind heute über 80 Jahre alt und nicht mehr so mobil. Einige sind leider auch schon verstorben.“









