„Wie an einem Drehbuch“ müsse man sich die Arbeiten am Masterplan Radverkehrsnetz Märkischer Kreis vorstellen, so Tönnes in seiner Präsentation vor den Ratsfraktionen. Ziel des Masterplans sei die Erstellung eines kreisweiten Radverkehrsnetzes für den Alltagsradverkehr, heißt es in der dazugehörigen Beschlussvorlage. Und weiter: „Bei der Entwicklung des Konzeptes haben sich alle kreisangehörigen Städte und Gemeinden beteiligt.“ Es umfasst 840 Kilometer mit 800 Knotenpunkten.
Mehrstufige Abstimmungsverfahren
Tönnes erläuterte das Vorgehen seines Planungsbüros zum „Masterplan“: Zunächst habe er ein Wunschroutennetz erstellt, in dem er via Luftlinie zentrale Orte nach verschiedenen Prioritäten miteinander verknüpft habe. Er habe etwa darauf geachtet, dass Orte, in denen weniger als 500 Einwohner leben, mit durch das Netz an einen Hauptort in ihrer Nähe angeschlossen werden.
Das so entstandene „Wunschroutennetz“ habe er auf das reale Straßennetz übertragen und als ersten Netz-Entwurf diversen Akteuren und Vertretern von Straßen.NRW, der Kreisverwaltung, der Kommunen und der Nachbarkreise präsentiert.

Über eine Onlinekarte habe er durch eine Bürgerbeteiligung ebenfalls Rückmeldungen erhalten. Dieses Verfahren habe er mehrfach wiederholt: Immer wieder habe er überarbeitete Versionen den entsprechenden Vertretern und den Bürgern zur Bewertung vorgelegt.
Defizitanalyse
Damit es nicht nur bei theoretischen Überlegungen zum Netz bleibe, habe man die potentiellen Strecken mit dem Fahrrad abgefahren und Geschwindigkeitsmessungen auf begleitenden Straßen per App erfasst.
Bei einer Defizitanalyse habe man noch 150 Barrieren verzeichnen können, etwa Poller, die das Radwegnetz blockieren. Sanierungsbedarf hat das Büro über eine Actioncam festgehalten.
Nach Auswertung der Defizitanalyse und nach Beendigung der Rückmeldephase sei bei 40 Prozent der festgestellten Defizite keine Maßnahme „zwingend erforderlich“, so Tönnes. Ein Viertel des Netzes müsse durch Neubau und Ausbau, etwa durch Schutzstreifen oder Beschilderung, verbessert werden.
Als Kiersper Beispiele nannte Tönnes die Sankel, bei der sein Büro hohe Schadensgrade festgestellt habe und wo es entweder zu einer punktuellen oder einer vollständigen Oberflächenausbesserung kommen müsse.


Für die Friedrich-Ebert-Straße mit einer Belastung von 9000 Fahrzeugen pro Tag schlug Tönnes einen einseitigen Schutzstreifen vor.

Kosten insgesamt von rund 149 Millionen Euro
Im Dezember 2022 hatten die Mitglieder des Kreisausschusses einstimmig für den „Masterplan Radverkehrsnetz MK“ gestimmt (LokalDirekt berichtete). Den Kreis würde die Optimierung des Radwegnetzes 149 Millionen Euro kosten. Dies sei nötig, denn geeignete und sichere Radwege existierten zwischen vielen Nachbarstädten nicht – da waren sich die Antragsteller von CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, FDP, UWG und DIE LINKE einig. Ein Mangel: Die Lenneroute oder der Volmetalradweg machten seit Jahren keine spürbaren Fortschritte – ein wirtschaftlicher und touristischer Nachteil für den Kreis. Immerhin könne ein Großteil der Kosten über Fördermittel von Bund und Land abgedeckt werden. Für den Märkischen Kreis verblieben acht Millionen Euro. Mit 29 Millionen Euro würden die 15 kreisangehörigen Städte und Gemeinden belastet.
10,8 Millionen Euro liefen laut Tönnes über alle Kiersper Baulastträgerschaften von Strecken und Knoten. Für Kierspe selbst blieben 1,9 Millionen Euro übrig. Von Vorteil sei, dass ein großer Teil der geplanten Strecken über den Volmetalradweg verliefen, so Tönnies – ein möglicher Nachteil, vermutete hingegen Armin Jung (FDP). Immerhin gehe es mit dem Volmetalradweg nicht voran und so könnte dieser Tönnes Projekt behindern.
Bürgermeister Olaf Stelse betonte im Zusammenhang mit dem Volmetalradweg, dass Geld und Planer dafür verfügbar seien, Schwierigkeiten habe es mit den Grundstückseigentümern gegeben, über deren Flächen der Radweg verlaufen sollte. Darauf habe die Stadt keinen Einfluss. Doch seit vergangener Woche könne man den Eigentümern konkrete Beträge für ihre Abschnitte nennen. Ein Fortschritt, so Stelse. Des Weiteren verwies er auf die neu gegründete Arbeitsgruppe Rad, die sich am 9. Mai treffe und Alternativen zum Radkonzept erstellen könnte.
Rüdiger Däumer (UWG) plädierte dafür, Teilabschnitte fertigzustellen, damit unkritische Verbindungen finalisiert werden könnten, etwa am Hammerkamp entlang.
Wie lange das Projekt dauern könnte, wollte Christian Reppel (SPD) wissen: Das Konzept sei für zehn Jahre ausgelegt, aber das Büro könne keine Vorgabe machen, so Tönnes abschließend.
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