„Mit unserem Präventionsprogramm möchten wir das Selbstwertgefühl der Jugendlichen stärken und ihre Wahrnehmung schärfen, um erste Anzeichen einer möglichen Essstörung zu erkennen,“ sagt Kristina Schwarz, Kita- und Schulberaterin bei der AOK NordWest. So würden die jungen Menschen lernen, für sich einzustehen und sich – wenn nötig – Hilfe zu holen. Auch die Mittelstufenleiterin des EGM Simone Mienack-Löffler bestätigt, dass dies ein wichtiges Thema im Alltag von jungen Menschen sei: „Der allgegenwärtige Schlankheitswahn ist auch bei uns in der Schule ein großes Thema und kann rasend schnell in einer Essstörung enden.“
Es gebe keine alleinige Ursache für Essstörungen. In der Regel spielten mehrere Faktoren ein Rolle, die zusammen zur Magersucht, Bulimie oder Binge-Eating-Störung führen können. Bei der Magersucht dominiert das Untergewicht, bei der Bulimie die Heißhungerattacken mit selbst herbeigeführtem Erbrechen und die Binge-Eating-Störung ist geprägt durch Heißhungerattacken ohne Erbrechen und einem daraus folgenden Übergewicht.
Die Fakten
Laut AOK zeigen 20 von 100 Kindern und Jugendlichen im Alter von elf bis 17 Jahren bereits ein auffälliges Essverhalten mit Symptomen einer Essstörung wie etwa Unzufriedenheit mit Figur und Gewicht oder Heißhungeranfällen. Mädchen seien fast doppelt so häufig betroffen wie Jungen. Etwa die Hälfte der Mädchen und ein Fünftel der Jungen im Alter von 15 Jahren empfinden sich offenbar als zu dick, obwohl sie normalgewichtig sind. Mehr als die Hälfte der Mädchen habe in diesem Alter bereits Diäterfahrungen gesammelt, jedes vierte Mädchen sogar mehrfach.
Ein gestörtes Essverhalten könne in eine Essstörung übergehen – mit erheblichen Folgen wie etwa Herzrhythmusstörungen, Kreislaufbeschwerden oder Störungen der Nierenfunktion. „Wer eine Essstörung hat, erkennt das oft nicht. Deshalb brauchen Betroffene Hilfe. Spezielle Beratungsstellen unterstützen Familien, Freunde und Lehrer“, sagt Schwarz.
In der Zeit des Erwachsenwerdens verändere sich der Körper, Äußerlichkeiten spielten plötzlich eine wichtige Rolle. Wenn dann noch eine starke seelische Belastung wie etwa Verlust eines geliebten Menschen, Mobbing oder eine gestörte Mutter/Vaterbeziehung hinzukomme, könne es zu einem gestörten Essverhalten kommen. Ob und wie es die Jugendlichen an ihrer Schwelle zum Erwachsenwerden schaffen, mit sich und ihrer eigenen Lebenssituation umzugehen, davon handelt das Theaterstück „Püppchen“.
„Püppchen“ soll helfen
Seit 2014 wird das Stück von der AOK NordWest als Einstieg zum Programm zur Prävention von Essstörungen kostenfrei für Schulen in Westfalen-Lippe angeboten. Es erzählt sensibel die Geschichte von Lena und Shirin, die – ohne davon zu wissen – einen ähnlichen Weg gewählt haben, mit ihren Problemen umzugehen. Lena soll zu Hause funktionieren und ihre überlasteten Eltern unterstützen. Keiner fragt sie, was sie möchte und deshalb findet sie: „Mein Leben ist zum Kotzen“. Und das ist, was sie dann auch tut. Ihre Schulfreundin Shirin hat in letzter Zeit „ganz schön abgenommen“ und merkt nicht, wie sich ihre Wahrnehmung in einer Welt, in der sie niemand mehr zu verstehen scheint, verändert.
„Püppchen“ ist nicht nur ein Theaterstück, denn auch die kostenfreie theaterpädagogische Nachbereitung ist ein wichtiger Bestandteil des Angebots. Deshalb bearbeiten im Anschluss an die Aufführung die Jugendlichen den Inhalt des Stückes gemeinsam mit den erfahrenen Schauspielern und Theaterpädagogen im Klassenverbund nach. Sie besprechen, wie sie sich gegenseitig unterstützen können, wo sie bei Bedarf Hilfe bekommen und führen Übungen zur Stärkung des Selbstwertgefühls durch.
Interessierte Einrichtungen im Märkischen Kreis können sich bei der AOK NordWest für die Durchführung von „Püppchen“ bewerben. Kristina Schwarz beantwortet unter der Telefon-Nummer 0800 2655 503809 weitere Fragen und nimmt Anmeldungen entgegen.









