„Wenngleich die Anzahl der Gesamtunfälle im vergangenen Jahr gestiegen ist, liegt der Ennepe-Ruhr-Kreis im landesweiten Vergleich weiterhin auf einem niedrigen Niveau“, so Landrat Olaf Schade, der am Mittwoch, 1. März, gemeinsam mit Mario Klein, als Erster Polizeihauptkommissar Leiter der Direktion Verkehr, die Verkehrsunfallstatistik 2022 vorstellte.
Anstieg resultiert aus überproportionalem Rückgang in 2020
Insgesamt gab es im vergangenen Jahr 6923 Verkehrsunfälle und damit gegenüber 2021 einen Anstieg um 343 Fälle (plus 5,2 Prozent). Im Zuständigkeitsbereich der Kreispolizei ereigneten sich 217 der Gesamt-Unfälle auf Breckerfelder Stadtgebiet; das sind zehn weniger als im Jahr 2021.
„Der leichte Anstieg der Verkehrsunfallzahlen in 2022 ist vor allem auf den überproportionalen Rückgang der Unfallzahlen im Jahr 2020 zurückführen, als wegen Pandemie bedingter Lockdowns deutlich weniger Verkehr auf den Straßen war“, teilt die Polizeibehörde mit. Setze man die Werte aus dem Vor-Corona-Jahr 2019 mit insgesamt 7298 Verkehrsunfällen zum Vergleich an, so gab es vergangenes Jahr immerhin noch 375 weniger Gesamtunfälle als vor der Pandemie.
Hauptunfallursachen
44 Prozent aller Unfälle sind beim Abbiegen oder beim Wenden des Fahrzeuges passiert. Erst danach folgen mit einem Anteil von 26 Prozent Kollisionen durch Missachtung der Vorfahrtsregeln. Eine überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit war bei 13 Prozent der Fälle die Ursache, Fahren unter Alkohol- oder Drogeneinfluss führte in neun Prozent der Verkehrsunfälle zum Crash.
Mehr Motorradunfälle
„Die Straßen des Kreisgebietes sind besonders für motorisierte Zweiradfahrer sehr interessant, was auch an der Verteilung der Unfälle über das gesamte Kreisgebiet hinweg erkennbar ist“, so EPHK Mario Klein. Dank gezielter Überwachungsmaßnahmen lasse sich im Jahr 2022 mit 6,2 Prozent aber nur ein „marginaler Anstieg“ der Fallzahlen in dieser Zielgruppe verbuchen. Die Kreispolizei werte das als Erfolg ihrer Präventionsmaßnahmen wie zum Beispiel der jährlichen Aktionstage zum Auftakt der Krad-Saison im Frühjahr.
Gegenüber dem Referenzjahr 2019 gab es auf dem gesamten Kreisgebiet sieben weitere und damit insgesamt 114 Motorradunfälle. Zehn dieser Unfälle passierten 2022 auf Breckerfelder Stadtgebiet, das sind sechs mehr als im Vorjahr und sogar acht mehr als im Vor-Pandemie-Jahr 2019.

Knapp 100 Unfälle von oder mit Radfahrern
Ebenso gestiegen ist die Zahl der Radfahrer, die 2022 in einen Verkehrsunfall verwickelt waren. Bei 85 Fällen in 2019 stieg die Anzahl um 15,4 Prozent auf 99 Unfall-Radler. Davon waren 48 mit einem E-Bike und 51 unmotorisiert unterwegs.
Dass dabei eine auffällige Diskrepanz zwischen dem EN-Nordkreis (71 Unfälle) und EN-Südkreis (28 Unfälle) herrsche, lasse sich vor allem durch die günstigere topografische Lage und den erschlossenen Rad-Routen in der Nähe zur Ruhr erklären: „Dort gibt es tendenziell mehr Fahrradtourismus.“
Zahl der Verunglückten ist gesunken
Die Anzahl der Verunglückten im Straßenverkehr ist im Vergleich zu 2019 (729 Unfälle mit Personenschaden) um 6,5 Prozent auf 684 gesunken. Aufgeschlüsselt gab es bei den Gesamtunfällen vergangenes Jahr 562 leicht- und 118 schwerverletzte Personen. Vier Menschen verstarben infolge eines Unfalls im Straßenverkehr.
Während die Zahl der verunglückten Kinder von 61 (2019) auf 57 leicht gesunken ist, stieg die Zahl der aktiv und passiv am Straßenverkehr teilnehmenden verunglückten Senioren über 65 zum Referenzjahr 2019 von 95 auf 109.
Fazit und Ausblick
„Die Gefahr, Opfer eines Verkehrsunfalls zu werden, ist im Zuständigkeitsbereich der Kreispolizeibehörde des Ennepe-Ruhr-Kreises weiterhin sehr gering“, betont Landrat Olaf Schade. Mit einer Unfallhäufigkeitszahl – Grundlage ist hierbei die Anzahl der Verkehrsunfälle mit Personenschaden im Verhältnis zur Einwohnerzahl – von 243,57 belege die Behörde einen Spitzenplatz im landesweiten Vergleich.
Daher will die Polizeibehörde ihre strategischen Ansätze für mehr Sicherheit im Straßenverkehr beibehalten, wie zum Beispiel flächendeckende Geschwindigkeitsmessungen oder Präventionsmaßnahmen. Hier richte sich das Hauptaugenmerk insbesondere auf Kinder, junge Fahrer zwischen 18 und 24 Jahren sowie Senioren.

Doch auch zweirädrige Verkehrsteilnehmer hat die Polizei dabei im Fokus: Neben Aktionstagen zum Beginn der Kradsaison im Frühjahr soll es auch 2023 weitere Präventionsveranstaltungen zum Thema „Fahrrad, Pedelec, E-Bike“ mit Beratungsgesprächen und Mängelkontrollen geben.
Es ist und bleibe ein großes Anliegen der Polizei, die Verkehrsunfallzahlen nachhaltig gering zu halten und weiter zu senken. „Alle Verkehrsteilnehmer können zudem mit ihrem Verhalten zur Sicherheit im Straßenverkehr beitragen, indem sich fair und rücksichtsvoll verhalten wird“, betonte Direktionsleiter Mario Klein abschließend.









