Gegen Hetze und soziale Kälte: Schätzungsweise 250 Menschen haben am Freitagnachmittag bei einer Kundgebung während des deutlich schwächer besuchten AfD-Bürgerdialogs ein Zeichen gegen rechts gesetzt. Das Motto der Protestaktion lautete „Lüdenscheid bleibt bunt“.
Mit ihrem Populismus überschreitet die AfD eine rote Linie, sagte Versammlungsleiter Otto Ersching (Die Linke). Sie biete keine Lösungen für die realen Probleme und betreibe vor allem Stimmungsmache auf Kosten von Minderheiten.
Carina Büdenbender, Vorsitzende des CSD Lüdenscheid, einer queeren Gemeinschaft, sprach in Anlehnung an die Parteifarbe der AfD von „meinen blauen Feinden“. Sie kritisierte Äußerungen von AfD-Vertretern nach dem Anschlag auf den Christopher-Street-Day-Umzug in Berlin. „Wer erfährt, dass bei einem Anschlag auf den CSD ein Mensch getötet wurde, und darauf mit Häme reagiert, weil der Anschlag sich gegen queere Menschen und ihre Unterstützer richtet, sollte sich fragen, wie weit die eigene Menschenverachtung noch von der des Täters entfernt ist“, sagte Carina Büdenbender. Die AfD fordere die Abschaffung des Selbstbestimmungsgesetzes und spreche von „Trans-Kult“ und „Genderideologie“. Die Rechte queerer Menschen seien nicht vom Himmel gefallen. Dafür sei hart gekämpft worden. „Und wenn andere diese Rechte wieder zurückdrehen wollen, dann dürfen wir das nicht widerstandslos geschehen lassen.“
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Julia Denker (Bündnis 90/Die Grünen) forderte: „Wir müssen uns die Hände reichen, wenn andere Mauern bauen“. Bunt sei keine Bedrohung, sondern stärke die Demokratie. Jenny, eine Sprecherin von march&resists, erklärte, die AfD wolle gesellschaftliche Entwicklungen zurückdrehen und idealisiere das Bild der Frau als Mutter und Hausfrau am Herd.
Aus Sicht von Max Jalaly, Musiker und Vorsitzender der Mitarbeitervertretung im Studjo und stellv. Vorsitzender der Gesamt-Mitarbeitervertretung im ev. Johanneswerk, ist die AfD „keine normale Partei“. Sie sei undemokratisch und untergrabe den Rechtsstaat.
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Während der Kundgebung, die insgesamt friedlich verlief, verursachte Sebastian Weber von „Weichreite TV“ einen Zwischenfall. Der rechte Youtuber von „Weichreite TV“ wurde von Kundgebungsteilnehmern abgeblockt, als er Gesichter von Teilnehmern filmen wollte. Schon zu Beginn der Veranstaltung hatte Otto Ersching auf die Anwesenheit des Medienaktivisten hingewiesen.
Am Bürgerdialog der AfD nahmen geschätzt 50 Personen teil. Die Bundestagsabgeordnete Otte Strauß, Peter Bohnhof, Adam Balten und der Landtagsabgeordnete Christian Loose hielten etwa 15-minütige Vorträge zu Themen wie Klima-, Wirtschafts-, Verkehrs- und Gesellschaftspolitik. Christian Loose forderte eine Abkehr von der aktuellen Klimapolitik der Bundesregierung. Notwendig seien Anpassungen an Klimaveränderungen. Dazu zählte er unter anderem den verstärkten Einsatz von Klimaanlagen. Peter Bonhof stellte fest, die Wirtschaft werde durch überzogene Steuern und Abgaben sowie ideologische Vorgaben erstickt.
Thomas Staubach, Fraktionssprecher der AfD im Lüdenscheider Stadtrat, bedauerte, dass nicht mehr Interessenten zum Bürgerdialog erschienen seien. Er führte die schwache Beteiligung auf den „unglücklichen Termin mitten in der Urlaubszeit“ zurück. Auf die Planungen habe der AfD-Gebietsverband Lennetal keinerlei Einfluss gehabt. „Das lag in den Händen der Bundestagsfraktion."
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Beide Veranstaltungen wurden von der Polizei begleitet. Zahlreiche Beamte bildeten unter andere eine Sperrkette, die den Rathausplatz zwischen beiden Veranstaltungen teilte. Nicht zuletzt das massive Aufgebot und das umsichtige Verhalten der Beamten trugen dazu bei, dass es auf dem Rathausplatz friedlich blieb.
Die Omas gegen rechts, Bündnis 90/Die Grünen, march&resist, die Jusos, die Friedensgruppe Lüdenscheid, die Linksjugend und die Linkspartei hatten zur Teilnahme an der Gegenkundgebung aufgerufen.
Wer dabei war, erlebte neben den Ansprachen auch das spontan gegründete „Stadtbild Ochestra“ mit bekannten Lüdenscheider Musikern. Markus „Hardy“ Hartkopf, Bizzi Bitzhenner, Natascha Winter, May Jalaly und Co. spielten unter anderem Danger Dan's Hit „Kunstfreiheit“, das unverwüstliche „Give Peace a Chance“ von John Lennon oder Aretha Franklins Welthit „Respect“, der in den 1960er Jahren zur Hymne der US-Bürgerrechtsbewegung wurde.










