Halver. Für die Ganztagsbetreuung in den Grundschulen muss die Stadt Halver 78.000 Euro Eigenanteil pro Jahr aufbringen. Rahmenbedingungen und praktische Umsetzung der Ganztagsbetreuung stellten Kai Hellmann, im Rathaus für den Bereich Bildung zuständig, und Renate Weiß, Leiterin der Ganztagsbetreuung an der Lindenhofschule, im Ausschuss Bildung und Jugend vor.
Der Stadt als Schulträger kommt die Aufgabe zu, Räume zur Verfügung zu stellen und ein Mittagessen zu ermöglichen, so Hellmann. Er bemängelte die „dünne“ Rechtslage. Zur offenen Ganztagsschule (OGS) gebe es keine gesetzliche Regelung, nur Erlasse. Darin sind Mindestanforderungen, wie Umfang der Betreuungszeiten, aber auch Grenzen für Elternbeiträge festgelegt. Hier sieht Hellmann „noch Luft nach oben“.
Während maximal 209 Euro pro Kind möglich seien, bleibe Halver mit 120 Euro als Höchstwert deutlich darunter. Hellmann möchte dazu eine weitere Einkommensgruppe (über 100.000 € Jahreseinkommen) einfügen und hier höhere Elternbeiträge erheben. Stadt und Betreuungsteams sehen sich zusätzlichen Herausforderungen gegenüber.
Ab dem Schuljahr 2026/27 gibt es bis zur fünften Klasse einen Anspruch auf Ganztagsbetreuung in der Schule. Prognosen, wie das genutzt werde, seien schwierig, meint Hellmann. Verwaltung und OGS-Leiterin Renate Weiß gehen aber davon aus, dass die Zahl der zu betreuenden Schüler steigen wird. Damit stelle sich neben dem Raumbedarf auch die Frage nach dem Personalbedarf.

Sie verdeutlichte die Entwicklung des offenen Ganztags an der Lindenhofschule: Wurden anfangs (Start 2004) 40 – 60 Kinder von sechs Mitarbeiter/innen betreut, sind es inzwischen etwa 145 Kinder und 16 Betreuungskräfte. Vor allem die Dokumentationspflichten im Zuge der Corona-Pandemie hätten einen hohen zusätzlichen Aufwand erfordert. Elternarbeit beschränke sich weitgehend auf „Zaun-Gespräche“, schilderte sie. Das Team sei aber bemüht, für die Kinder so viel Normalität wie möglich herzustellen.
Man wolle die hohe Betreuungsqualität auch künftig sicherstellen. Dazu seien weiteres Fachpersonal und die Erweiterung der Stundenkontingente nötig. Angesichts der personell schwierigen Lage lobte die OGS-Leiterin ihr gutes Team, „das bei Laune gehalten werden sollte“. Weiß, wie auch ihr Kollege Kai Hennig von der Regenbogenschule, plädierten dafür, in der Betreuung auch professionelle Kräfte einzusetzen und allen eine Fortbildung zu ermöglichen. Weiß schlug dafür gemeinsame Schulungen und Seminare (pädagogischer Tag) vor.
Die Ausschuss-Mitglieder erkannten die Arbeit an. Beschlüsse wurden nach dem Überblick nicht gefasst. Die OGS-Teams können aber auch in der Verwaltung auf Verständnis hoffen. Simon Thienel, neuer Kämmerer der Stadt, betonte sein Interesse, was die Bereiche Personal und Bildung angehe. Er sicherte wohlwollend Unterstützung zu.
INFO:
- Bei Zuweisungen der Bezirksregierung und Elternbeiträgen kommt die Stadt auf Gesamteinnahmen für die OGS in Höhe von 348.000 €.
- Die Aufwendungen für Personal liegen bei 421.000 €. Zu den 73.000 € Zuschuss des Schulträgers kommen noch Sach-und Verwaltungskosten, was in der Endsumme 78.000 € Zuschussbedarf ergibt.
- Nach dem Ganztagsfördergesetz gibt es ab dem Schuljahr 2026/27 bis zum Beginn der 5. Klasse einen Anspruch auf Förderung in einer Tageseinrichtung. Unklar ist noch, ab wann und in welchem Umfang die Kommunen Fördermittel beantragen können.










