Treffpunkt war am Mittwoch, 24. Januar, im Café Tante Liese an der Bahnhofstraße in Halver. In lockerer Atmosphäre bei Kaffee und Waffeln schaute die Bundestagsabgeordnete und Kinderärztin nicht nur auf das vergangene Jahr zurück, sondern wagte auch einen Blick auf das neue.
Kinderarzt-Mangel in Lüdenscheid: „Situation wird sich nicht von heute auf morgen ändern lassen“
Zu wenig Ärzte, zu viele kleine Patienten: Lüdenscheid hat nicht genügend Kinderärzte. Hierbei, so betont Nezahat Baradari, handele es sich um ein altbekanntes Problem, das sich ihrer Ansicht nach auch nur auf lange Sicht hin lösen lassen wird: „Es gibt zu wenig Studienplätze. Darüber hinaus ist die Pädiatrie weiblich geworden, die wenigsten arbeiten Vollzeit. Work-Life-Balance spielt für die Ärztinnen heute eine große Rolle.“ Erschwerend hinzu käme die Tatsache, dass Städte wie Düsseldorf, Köln und München attraktiver seien als der ländliche Raum.
Die Problematik jedoch wird sich laut Nezahat Baradari nicht von einem auf den anderen Tag lösen lassen: „Das Studium dauert sechs Jahre, die Facharztausbildung noch einmal mindestens weitere fünf, das gesamte Studium somit elf Jahre. Und so lange wird es auch noch bis zu einer Veränderung dauern.“ Auch oder gerade deshalb, so betont sie weiter, „brauchen wir jetzt Fachkräfte aus dem Ausland.“ Immerhin sei die Budgetierung für Kinderärzte im vergangenen Jahr aufgehoben worden. Ein Schritt, der den Fachbereich ihrer Meinung nach attraktiver machen könnte – durch diese Maßnahme bekommen die Ärzte nun auch alle vollbrachten Leistungen honoriert, ohne einer Budgetgrenze zu unterliegen.
Darüber hinaus stehen die Kinderärzte heute vor anderen Herausforderungen: „Nicht nur die Erwartungshaltung der Eltern ist gewachsen, auch die Behandlungen selbst – zum Beispiel die von Frühgeborenen – sind anspruchsvoller und aufwändiger geworden.“
Entgegen der Vorwürfe kümmere sich die Kassenärztliche Vereinigung aber um die Situation – und auch der Berufsverband ist laut Nezahat Baradari um eine Lösung bemüht. „Wir freuen uns über die Signale aus der Zivilisation, aber das System ist komplizierter als gedacht: Wir müssen jetzt für die Entbudgetierung aller Fachärzte kämpfen.“
„Das letzte Jahr war sehr anstrengend“
Nezahat Baradari schaut auf ein bewegtes, vergangenes Jahr zurück: „Ich bin im Jahr 2019 in den Bundestag nachgerückt. Seitdem habe ich das Gefühl, dass wir eine Krise nach der anderen erleben.“ Als Beispiele nannte sie die Pandemie, die Energiekrise, den Ukrainekrieg und die immer präsenter werdende Klimakrise.
Aber dennoch: „Wir dürfen trotz der ganzen Krisen nicht den Blick für die positiven Dinge verlieren.“ So sei es beispielsweise gelungen, das Heizungsgesetz deutlich nachzubessern. Darüber hinaus habe sie Fördergelder nicht nur für Kinderkliniken, sondern auch für einen Medikamentenkatalog für Kinder erkämpft.
Rahmedetalbrücke: „Es ist zum Mäuse melken“
Dranbleiben möchte sie auch an der Brückensituation in Lüdenscheid: „Es ist zum Mäuse melken. Es gab zahlreiche Stimmen für eine Verbesserung der Verkehrssituation, eine Antwort des Wirtschaftsministers steht jedoch immer noch aus.“ Die Region, so Baradari, brauche einen Wirtschaftsplan: „Wir sind hier die Marker für die Industriepolitik. Ich werde da auf jeden Fall alles tun, was in meiner Macht steht, und auch kommunizieren, an wem und warum es scheitert. Die Menschen fühlen sich sonst nicht ernst genommen.“
Bauernproteste: „Das Gespräch hätte früher gesucht werden müssen“
Auf wenig Verwunderung seitens Nezahat Baradari stießen die Bauernproteste: „Der Dialog hätte früher gesucht werden müssen. Es ist nur erklärlich, dass so Unmut entsteht.“ Positiv steht sie jedoch den Plänen gegenüber, die Steuerbegünstigungen für Agrardiesel schrittweise abzubauen. Diese Maßnahme käme vor allem den Land- und Forstwirten in der ländlichen Region zugute.
„Müssen der AfD jetzt die rote Karte zeigen“
Nezahat Baradari sieht auch dieses Jahr Herausforderungen auf die Regierung zukommen. Besonders die zugunsten der AfD steigenden Umfragezahlen seien dabei zu bedenken: „Wir dürfen dieser Partei keinen Platz geben. Es liegt jetzt an uns, dafür zu sorgen, dass sich die Geschichte nicht wiederholt.“
Weitere Herausforderungen sieht sie in der Krankenhausreform und dem Haushalt – und auch die Verteidigung muss ihrer Meinung nach „neu gedacht“ werden. Darüber hinaus möchte sie auch die Bereiche der Wissenschaft, Wirtschaft und Medizin weiter fördern.








