Seit 13.35 Uhr am Sonntag, 1. Februar, ist es offiziell: Die Ruine an der Kirchstraße wechselt den Eigentümer. Für 220.000 Euro erhielt der Hamburger Unternehmer Taha Jacobi den Zuschlag.
Zahlreiche Interessierte zog es am Sonntag, 1. Februar, in das marode Gebäude. Abhalten ließen sie sich dabei weder von den Temperaturen, die um den Gefrierpunkt lagen, noch von der steilen und verwilderten Zuwegung zum Kreckelhaus selbst.
"Ich hoffe, dass wir heute gemeinsam einen wunderschönen Nachmittag verleben werden und am Ende jemand mit einer ganz tollen Immobilie im Gepäck nach Hause zurückkehrt", eröffnete Karl-Leo Spettmann um 12.15 Uhr die Versteigerung. Während seiner Rede stand er auf einem der zahlreich im Gebäude zu findenden Haufen Bauschutt. Vorab hätten ihn viele Fragen erreicht, erklärte er weiter, und verwies zum wiederholten Male auf mögliche Fördermittel, die der neue Eigentümer bei Errichtung eines sozialen Wohnungsbaus erhalten könnte. Mitbieten durfte jeder, der einen entsprechenden Kapitalnachweis vorlegen konnte — Kontoauszug genügte.
"Fallstricke gibt es keine"
Und während die ersten Besucher nach der kurzen Eröffnungsrede auf dem Absatz kehrt machten, füllten andere den Fragebogen aus und ließen sich eine Bieternummer geben. Auf die Frage, welches Potenzial sie in dem maroden Bau sehen, war die meistgenannte Antwort tatsächlich die Nutzung als Seniorenheim. Ein Interessent erklärte, Wohnungen schaffen zu wollen, während eine Unternehmerin aus Köln abwinkte: "Ich habe keinen Kapitalnachweis dabei, hätte aber ohnehin nicht mehr als 2000 Euro geboten. Angeblich ist hier auch Asbest ein Thema, das tue ich mir nicht an."
Unter den potenziellen neuen Eigentümern war aber nicht nur Asbest ein Thema, sondern auch eine möglicherweise noch bestehende Erbpacht. Karl-Leo Spettmann, der schon viele Jahre mit Schrottimmobilien handelt, räumte mit dem Gerücht jedoch kurz darauf auf: "Keine Erbpacht. Hier werden heute Gebäude und Grundstück versteigert, Fallstricke gibt es keine."
Besucher forderten Gutachten
Davon waren andere Besucher wiederum nicht überzeugt — so wurde von einigen lautstark nach der Vorlage eines Gutachtens verlangt: Die zuvor im Kreckelhaus ansässige Firma habe unter anderem Giftmüll transportiert, angeblich sei der Boden dadurch verunreinigt — Beweise für diese Behauptungen legte der Besucher jedoch nicht vor. Nach kurzer Diskussion stand fest: Das geforderte Gutachten konnte nicht vorgelegt werden, dafür bot Spettmann dem Besucher die "Bieter-Nummer eins" an. Wenn er diese nicht für sich beanspruchen wolle, möge er doch bitte das Gebäude verlassen.
Taha Jacobi erhielt den Zuschlag
Nachdem insgesamt 25 Bieter ihre Nummern in den Händen hielten, ging die Versteigerung los. Wie angekündigt, lag das Startgebot bei 500 Euro, aber die Interessenten zogen rasch mit. Den Zuschlag erhielt schließlich für 220.000 Euro der Hamburger Bauunternehmer Taha Jacobi.
"Ich werde das Gebäude jetzt zunächst komplett sanieren, anschließend soll hier ein Seniorenheim entstehen", erklärte er nach der Auktion im Gespräch mit LokalDirekt. Seine Firma handele mit Immobilien für Gewerbe und Industrie, bislang ist sie hauptsächlich in Norddeutschland tätig. "Wir wollen unseren Radius nun aber erweitern", erklärte Jacobi weiter. Er habe ein "starkes Team" im Rücken, zu dem auch Architekten und Projektmanager gehören. Auf das Kreckelhaus aufmerksam wurde er durch die Anzeige auf Ebay Kleinanzeigen. Wie weit er noch mitgeboten hätte? "Nach oben offen", erklärte er lachend.
"Heute Abend gibt es eine warme Mahlzeit"
Zufrieden zeigte sich nach der Versteigerung auch Karl-Leo Spettmann, der "ursprünglich gar nicht mit so vielen Besuchern gerechnet hatte", wie er zu Beginn der Veranstaltung erklärte. Und auch, wenn sich sein Verlust an dem Gebäude auch nach der Auktion noch "auf rund 280.000 Euro" beziffern lasse, war er mit dem Ausgang der Versteigerung einverstanden und scherzte: "Heute Abend gibt es eine warme Mahlzeit."










