„Nichts geht mehr“, hieß es am Montagmorgen, 2. Februar, an der MVG-Betriebsstätte Osemundstraße in der Calle in Iserlohn. Die Busse blieben im Depot, die Fahrer hatten ihre Pullis mit MVG-Aufdruck gegen die knallgelben Warnwesten mit dem roten Schriftzug „ver.di“ getauscht.
Anlass war der Warnstreikaufruf der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di in der aktuellen Tarifauseinandersetzung im kommunalen Nahverkehr.
Große Solidarität
„Bei uns hier sind rund 60 Kolleginnen und Kollegen im Ausstand, am Wehberg in Lüdenscheid etwa 70 Leute und in der Betriebsstätte Plettenberg dürften es 20 sein“, berichten Franz-Josef Finnemann und Michael Nowak. Letzterer ist Mitglied der Landestarifkommission und im Bezirksvorstand. Beide berichten von einer großen Solidarität unter den Kollegen. „Es sind auch einige aus der Verwaltung, den Werkstätten und den Kundencentern nicht zur Arbeit gegangen“, so Nowak. Begonnen hatte der Warnstreik mit der Frühschicht, er endet mit der Spätschicht.
Keine MVG-Busse draußen
„Das komplette Fahrpersonal ist betroffen, von der MVG sind keine Busse draußen“, berichtete Sebastian Bittrich, Pressesprecher sowie Abteilungsleiter Marketing und Kommunikation bei der Märkischen Verkehrsgesellschaft. Alle Unternehmerfahrten fänden allerdings statt, so Bittrich. Die MVG hat etwa 50 Prozent ihrer Fahrten an Privatunternehmen vergeben. Diese Firmen waren vom Warnstreik nicht betroffen.
Alle Verbindungen auf der Homepage
Die MVG, so Bittrich, habe Erfahrungen mit Arbeitskampfmaßnahmen. „Wir hatten auch im vergangenen Jahr einige Streiktage. Alle Verbindungen, die stattfinden, sind auf unserer Homepage einsehbar“, so der MVG-Sprecher. Es könnten jedoch auch personelle Ausfälle bei den Auftragsunternehmen zur Streichung von Fahrten führen. Aufgrund eines Fehlers beim Dienstleister könne es passieren, dass auch ausfallende Fahrten in der Fahrplanauskunft als pünktlich angezeigt werden. „Wir bitten unsere Fahrgäste daher, sich nur an der auf der Website befindlichen Liste zu orientieren“, so Sebastian Bittrich. An der Behebung des Fehlers werde mit Nachdruck gearbeitet.
Belastung an der Grenze
„Die Belastung im Nahverkehr ist längst an die Grenzen gekommen“, betont ver.di-Bezirksgeschäftsführer Michael Schnippering. „Ohne deutliche Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen werden wir den Personalmangel nicht bewältigen. Ein zukunftsfähiger ÖPNV braucht attraktive Jobs – und dafür müssen die Arbeitgeber die Verantwortung übernehmen. Doch statt eines Angebots wird bislang nur mit Gegenforderungen gedroht. So geht das nicht weiter.“
Erste Verhandlungsrunde gescheitert
Hintergrund sind die laufenden Tarifverhandlungen mit dem Kommunalen Arbeitgeberverband Nordrhein-Westfalen (KAV NW), die am 21. Januar in erster Verhandlungsrunde in Köln ergebnislos beendet wurden.
In NRW fordern die Beschäftigten einen deutlichen Fokus auf Entlastung durch mehr Zeit:
- Die wöchentliche Arbeitszeit ist bei vollem Lohnausgleich zu kürzen.
- Die Ruhezeit zwischen zwei Schichten beträgt mindestens 11 Stunden.
- Der Zuschlag für Arbeit am Sonntag beträgt mindestens 40 Prozent.
- Der Freistellungsumfang für Gewerkschaftsarbeit wird auf 8 Tage erhöht.
- Der Geltungsbereich wird auf kurzfristig Beschäftigte/Minijobs ausgeweitet.
- Die Laufzeit beträgt 24 Monate, verhandelt wird der Manteltarifvertrag.
Franz-Josef Tinnemann und Michael Nowak wünschen sich zudem einen bundeseinheitlichen Tarifvertrag. „Bisher haben wir noch 16 Einzel-Tarifverträge ohne Niedersachsen.“










