Der Münsteraner mit zwei Doppelbuchstaben hintereinander im Nachnamen war dabei nicht nur Moderator, sondern bereicherte das Bühnenprogramm mit Gesangseinlagen. Eigentlich sei er ja auch nur hier, weil die Auftritte für ihn eine Art Therapie seien, erklärte der Comedian: „Ich zahle der Stadt Halver viel Geld, damit ich hier spielen kann.“ Dass einige Sitzplätze in der Aula leer blieben, war zweifellos unverdient – die Gäste waren restlos begeistert.
Was den Künstlern der Comedy-Show nicht anzumerken war: Es war kein eingespieltes Team, sondern eine bunt gemischte Truppe, die sich – wenn überhaupt – nur zufällig von anderen Veranstaltungen kennt.
Claassen verstand es virtuos, sein eigenes Bühnenprogramm mit der Moderation zu kombinieren. Bei seinen musikalischen Einlagen ließ er Einblicke in sein Single-Leben zu, erzählte etwa, dass er bei Spieleabenden mit Pärchen verzweifelt, weil er bei „Tabu“ keine Chance hat. Wie sollte er auch erahnen, dass das Muttermal eines weiblichen Gastes (des Spieleabends, nicht der Comedy-Show!) aussieht, wie die Insel Sylt. Außerdem war zu erfahren, dass er gerne Haschkekse backt, persönlich aber Koks bevorzugt. Unklar an dieser Stelle blieb, wie autobiografisch Classens Texte tatsächlich sind.
Viel Wahrheit dürfte in dem Bühnenprogramm von Jonas Greiner stecken. Der Thüringer ist ein großer Künstler: Exakt 2,07 Meter! Somit ein äußerlich auffälliger Mensch, der nach eigenen Angaben viel Schlagfertigkeit im Umgang mit dummen Fragen zu seiner Körpergröße entwickelt hat und sich als „Ossi“ freut, dass die Gage in Westmark ausgezahlt wird.
Das Publikum lernte bei seinem Auftritt: Jeder Mensch, der größer als 1,90 Meter ist, spielt zehn Mal am Tag Basketball, er selbst ist sogar Torhüter. Auf die Frage, wie man eigentlich so groß wird, hat er noch keine passende Antwort, kann allerdings beschreiben wie die Luft „da oben“ sei: „Sie stinkt nach Zwergen.“ Wirklich bedenklich erscheint die medizinische Versorgung in seiner Heimat, falls man seinen Erzählungen Glauben schenken darf.
Ein Thema, was beim übernächsten Komiker in mehrfacher Hinsicht Fragen aufwirft: Ist „C Heiland“ ein Künstlername, war er wirklich mal Psychiater und fährt er Umzugstransporte mit 2,0 Promille? Überhaupt geht es bei diesem Mann ziemlich derbe zu, was „dem Heiland“ mit seiner exzellent gespielten Schmierigkeit niemand übel nimmt. Tatsächlich kam der Schenkelklopfer-Humor blendend an. Als selbsternannter Motivationstrainer und Style-Berater trug er Witze aus dem Internet vor, an die sich selbst der berüchtigte Fips Asmussen nicht herangetraut hätte. Immerhin lernte das Publikum auch bei seinem Aufritt etwas fürs Leben: „Im eigenen Interesse, halte einfach mal die Fresse.“ Oder das Schönheit vergänglich ist, zumindest wenn sie zuvor schonmal da war.
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Geschmackssicher waren die Sprüche nicht, aber das war Kalkül. Ob es Heilands „sexuelle Energie“ war, die von der Bühne schwappte, darf bezweifelt werden. Aber die Lacher waren ihm sicher. Nicht zu vergessen: Auch C Heiland untermalte seine Ausführungen musikalisch und behauptete sogar als einer der Letzten das wirklich exotische Instrument „Omnicord“ öffentlich zu spielen.
Vor ihm trat Liedermacher Falk auf. Nomen est Omen: Auch dieser Teil der Show war sehr musikalisch, Falk griff allerdings zur deutlich gängigeren Gitarre. Seine Texte waren nicht weniger provokant: Bei ihm wurden Handwerker auf die Hörner genommen, genau genommen deren derzeit schlechte Verfügbarkeit. Auch das Thema „Beziehungen“ gehört zu seinem Repertoire. Eingeschossen hat sich der aus Wuppertal stammende Wahl-Berliner aber auf die Generation an der Schwelle zum Rentenalter.
Nicht immer charmant: „Aber nein, aber nein: Ihr kommt ins Heim“, singt er über die Idee seiner Eltern zu einem Mehrgenerationenhaushalt. Möglicherweise erkannte sich der eine oder andere wieder. Aber leichte Provokationen müssen nun mal erlaubt sein. Der Stimmung tat es keinen Abbruch.
Unter die Gürtellinie ging es bei einem Intermezzo von Moderator Claassen bei einem Exkurs über partnerschaftsstärkende Aktionen wie einem gemeinsamen Besuch zur Darmspiegelung. Was beim DGVS, der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, angeblich keine Begeisterungsstürme geerntet hat. Bis Claassen den Verband nach eigenen Ausführungen überzeugen konnte, dass die Geschichten von Hans und Julia durchaus wichtige Aufklärungsarbeit für so wichtige Vorsorgeuntersuchungen leisten würde. Für das Publikum blieb aber auch die Erkenntnis, dass die Bilder aus dem Darm in Full-HD durchaus wie Urlaubsfotos einer kargen Landschaft aussehen könnten.
Erst zur zweiten Hälfte der Show, dafür mit einem längeren Auftritt, kam Glenn Langhorst auf die Bühne. Hier soll es sich definitiv nicht um einen Künstlernamen handeln, so Langhorst. Vielmehr sei Glenn ein irischer Name und würde übersetzt „Chantal“ heißen. Mit 42 Jahren, so die irische Chantal, sei er so alt, dass er noch kein Foto im Führerschein hätte. Lediglich einen Kupferstich. Ausserdem würden sich seine Körpergröße und sein systolischer Blutdruck immer weiter annähern.
Immerhin, so berichtete Langhorst, habe er während der Pandemie rund 22 Kilo abnehmen können, weshalb die Hemden nun nicht mehr ganz so stark spannen würden. Vorher hätten die Menschen Angst gehabt, mit ihm Fahrstuhl zu fahren. Immerhin sei er, zum Ansehen von acht Staffeln „Shopping Queen“ genötigt, dadurch inzwischen in der Lage, sich selbst ein neues Hemd zu kaufen. Grund für den TV-Genuss war seine Frau, die nach allen Regeln der Comedy-Kunst auch ihr Fett weg bekam. Der Gattin des Hannoveraners wurde unterstellt, sie würde nur blinken, wenn sie im Dunkeln die Hebel ihres BMW verwechseln würde. An dessen Steuer er selbst nicht dürfte und deshalb nur seine Mercedes A-Klasse fuhr.
Seitens der bisher bereits aufgetretenen Künstler gab es in der zweiten Halbzeit Nachschlag. So berichtete Jonas Goldstein, wie er sich acht Tage lang mit Alkohol auf Werkseinstellungen zurücksetzte und den Sinn mancher Schulfächer bezweifelte. „C“ Heiland ging nochmal auf die Vorsorgeuntersuchungen ein und schürte aber mehr Ängste als Vertrauen. Seine Erkenntnis „Lieber zwei Damen im Arm als zwei Arme im Darm“ dürften diesbezüglich wenig motivierend wirken. Liedermacher Falk wiederum titulierte Raucher scherzhaft als „ekliges Pack“, blieb dabei aber immer noch so sympathisch, dass er als der „liebenswerteste seiner Familie“ durchging.
Liebenswert fanden aber alle beteiligten Künstler die Gruppe, die diesen Abend organisiert hat. Jens Heinrich Claassen dankte dafür namentlich Inge Zensen, für das, was sie ehrenamtlich als Kulturprogramm auf die Beine stellen würden. Dem dürften sich die Zuschauer vermutlich anschließen.









