Etwa 350 Meter Kanal sind es, die heute kontrolliert werden. Unter idealen Bedingungen schaffen sie bis zu 800 Meter am Tag. Doch heute ist der Kanal unter der Ehrenmalstaße dran, die Straße ist steil und kurvig. Bevor Bauleiter Tim Groteböhmer die Kamera hinab lassen kann, muss erst einmal der Spülwagen anrücken. Etwa zehn Kubikmeter Wasser fasst der Tank des großen Lkw. Mit einem Schlauch wird mit Hochdruck Wasser in den Kanal gepumpt. Bis zu 180 bar sind möglich. „In den Kanälen gibt es viele Ablagerungen, die müssen entfernt werden, sonst sehen wir ja nichts“, erklärt Tim Groteböhmer.
In den Kanälen haben sich Sand, kleine Steine und Erde angesammelt. „Hier geht das noch. Hier sind es maximal sieben Zentimeter. Das liegt aber auch daran, dass die Straße ein großes Gefälle hat, da wird viel weggespült. Da, wo es gerader ist, können es auch durchaus 20 Zentimeter Ablagerungen sein“, berichtet der Bauleiter. Grundsätzlich sei das Kanalnetz der Gemeinde – soweit er das aktuell beurteilen kann – in einem guten Zustand. Was auch daran liegt, dass direkt nach der Flut 2021 viele Rohre umfangreich gereinigt wurden. „Wir haben da natürlich nicht auf diesen Termin gewartet. Dort, wo viel Geröll war, wurden die Kanäle gespült und kontrolliert. Beispielsweise an der Helbecke oder Im Grund“, berichtet Patrick Litz vom Abwasserwerk der Stadtwerke Altena. Er koordiniert die Arbeiten.
Das Wasser auf dem großen Tankwagen reicht für etwa zwei Stunden. Insgesamt sind zwei Spülwagen am Morgen im Einsatz. Stück für Stück rücken sie weiter vor. Dort, wo sie schon waren, kann Tim Groteböhmer mit seiner Arbeit starten.

Er hat sich an der Einmündung zwischen Jahnstraße und Tischelerei Kruse stationiert. In seinem Wagen befinden sich jede Menge Hightech-Geräte. Wie zum Beispiel der Roboter mit der Kamera. Am Kabel wird die Kamera, die ein wenig an Kameras von Kampfmittelräumdiensten oder Weltraumerkundungen erinnert, in den Schacht gelassen. „In der Regel sind es so zwei Meter bis 2,80 Meter, die ich die Kamera hinab lassen muss“, erklärt der Kanalinspekteur. Das ist übrigens ein Ausbildungsberuf. Tim Groteböhmer ist allerdings Quereinsteiger. Er kommt ursprünglich aus dem Handwerk, hat aber hier seine Leidenschaft gefunden und sich mit Weiterbildungen zum Bauleiter hochgearbeitet.
„Die Kameras haben eine Auflösung von bis zu 4K“, erzählt der Experte. Wenn die Kamera unten angekommen ist, geht es für ihn in sein mobiles Büro. Das befindet sich im vorderen Teil des Sprinters und ist mit zig Bildschirmen ausgestattet. Von hier aus wird der Roboter mit der Kamera über einen Joystick durch den Kanal gefahren. „Das sieht hier alles ganz gut aus. Hier sehen wir keine Auffälligkeiten“, sagt Tim Groteböhmer. Auf den gestochen scharfen Bildern ist jeder noch so kleine Riss, der irgendwann zum Problem werden könnte, zu sehen. Knapp elf Kilometer wurden in der Gemeinde bereits kontrolliert. Gefunden wurde bisher lediglich ein beschädigtes Rohr. Das befand sich im Bereich der katholischen Kirche. „Dort hat offenbar eine Tiefenbohrung stattgefunden, bei der der Kanal angebohrt wurde“, berichtet der Kanalinspekteur.
In anderen Städten sehe das oft ganz anders aus. „Wir haben schon Kanäle gesehen, die komplett zusammengefallen waren“, erzählt Tim Groteböhmer. Das falle meist nicht direkt auf. Solange das Wasser noch einen Weg durchs Erdreich finde, passiere erst einmal nicht unbedingt etwas. Bei Starkregen sehe das dann schon anders aus.
Jetzt hat er doch noch etwas gefunden. Ein Klinkerstein steckt in einer Verbindung von zwei Kanalrohren fest: „Das ist nicht schlimm. Aber wir werden den Stein dennoch entfernen. Ich sage gleich dem Team des Spülwagens, dass sie hier noch einmal hin müssen.“

Es ist Pflicht, dass alle 15 Jahre das Kanalnetz so umfangreich saniert wird. Im August sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. „Wir probieren natürlich, dass es zu so wenig Verkehrsbehinderungen wie möglich kommt. Ganz verhindern können wir das aber nicht“, sagt Patrick Litz. Die Koordination der Maßnahme sei komplex. „Wir müssen beispielsweise noch an die Wiblingwerder Straße. Dort liegt der Kanal mittig unter der Fahrbahn. Das heißt, während der Untersuchung muss die Straße voll gesperrt werden. Dafür peilen wir einen Brückentag im Mai an, da ist deutlich weniger Verkehr als normal“, erklärt er. Ob das so klappt, wie er sich das vorstellt, hängt aber auch von den Entwicklungen an der Lennebrücke ab. Sollte diese noch einmal gesperrt werden, sei die Wiblingwerder Straße eine Umleitungsstrecke, die auf keinen Fall gesperrt werden kann. Folglich müsse dann der Kanal warten.
Im Höhengebiet gibt es zudem noch eine weitere große Wanderbaustelle, nämlich die des Übertragungsnetzbetreibers Amprion, der neue Stromleitungen baut. Gerade in den kleinen Dörfern sind daher enge Absprachen erforderlich. „Wenn wir beispielsweise mit den Fahrzeugen in Rennerde stehen, kämen keine weiteren Baufahrzeuge durch. Da muss man dann Zeitfenster finden, an denen dort nicht gearbeitet wird“, erklärt Patrick Litz. Bis es ins Höhengebiet geht, dauert es aber noch eine Weile. Erst wird Nachrodt abgearbeitet. Im August sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.









