„Hier ist immer etwas los“, lacht Anke Schlöter und deutet auf ihre Terrasse. Und tatsächlich herrscht dort reger Flugverkehr. Fast im Sekundentakt landen Spatzen, Amseln und andere heimische Vögel, um sich zu bedienen. Die Schalksmühlerin hat ihren Naturgarten für LokalDirekt geöffnet und zeigt, wie vielfältig naturnahes Gärtnern sein kann.

"Ich setze vor allem auf den Anbau von heimischen Pflanzen", erklärt Anke Schlöter. Deshalb habe sie in den vergangenen Jahren nach und nach viele Gewächse und Pflanzen ersetzt. "Der Weg zum Naturgarten kann nur schrittweise erfolgen. Aber es lohnt sich, und man leistet einen wichtigen Beitrag für die Umwelt", betont sie.

Zwischen heimischen Pflanzen, Umweltschutz und Ordnungssinn

„Naturgärten haben einen schlechten Ruf“, ergänzt Sigrid Pomaska, Sprecherin des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Schalksmühle. "Sie gelten oft als verwildert und vernachlässigt. Die Optik widerspricht oftmals der Definition dessen, was man in diesem Land unter Ordnung versteht. Tatsächlich steckt hinter einem Naturgarten jedoch deutlich mehr Arbeit, als die meisten Menschen annehmen."

Das Gegenteil ist der Fall, wie Anke Schlöter bestätigt: "Hier gibt es ständig was zu tun. Andauernd gilt es, Flächen zu pflegen, Pflanzen zu gießen und Kräuter zu trocknen." Und während sie spricht, greift sie zur Kanne auf dem Tisch, um Tee nachzugießen. Die Zutaten für diesen stammen direkt aus dem eigenen Garten: "Bei mir kann man viele unterschiedliche Gemüsesorten und Kräuterarten finden. Einer der vielen Vorteile meines Gartens liegt für mich ganz klar darin, dass er mir Zutaten liefert – für Tee, Gerichte wie Nudelpfanne oder sogar für mein selbstgebackenes Brot."

Die Vorliebe für gepflegte Gärten und fein getrimmte Rasenkanten kann Schlöter grundsätzlich nachvollziehen: "Niemand muss sich daheim ein Biotop anlegen oder auf seinen englischen Rasen verzichten. Aber schon kleine, wie ich sie nenne, Inseln, für Insekten, Vögel und Igel leisten einen wichtigen Beitrag zum Naturschutz."

Ein Buffet für Tiere und Insekten

"Jeder kann seinen Teil beitragen, auch diejenigen, die nur einen Balkon zur Verfügung haben", betont Anke Schlöter. So sei bereits die Bereitstellung von Vogel- und Insektentränken ein erster Schritt. "Die Insektentränken sollten mit Moos gepolstert sein, damit sie nicht ertrinken. Oder man steckt einen Stab hinein, an dem sie rauf- und runterklettern können." Und auch der Anbau von insektenfreundlichen Kräutern und Pflanzen sei auf dem Balkon möglich: "Wilde Möhren, Lein, Rosmarin, Heidelbeersträucher und Wiesenknopf lassen sich problemlos in Kästen oder Schalen auf dem Balkon oder der Terrasse anbauen."

Rasenmähen mit Augenmaß

"Der Mähroboter ist mittlerweile der größte Feind der Igel", sagt Sigrid Pomaska. Wichtig sei es vor allem, ihn nicht in der Dämmerung oder nachts fahren zu lassen. Noch besser sei es jedoch ihres Erachtens, selbst zu mähen: "Mit Augenmaß. Schon ein schmaler Streifen Wiese, der einfach stehengelassen wird, kann für Bienen, Schmetterlinge und Insekten in kurzer Zeit zum Buffet werden – und die Fläche selbst zum Flugplatz, an dem man zahlreiche Arten beobachten kann."

Auch Totholz eignet sich übrigens, um zusätzlichen Lebensraum zu schaffen: "Wer dieses einfach auf dem Grundstück lagert statt im Schuppen oder der abgeschlossenen Garage, oder es unter den Büschen verteilt, tut vielen Tier- und Insektenarten einen Gefallen", betont Anke Schlöter. Außerdem empfiehlt die Kräuterpädagogin die Einrichtung eines Kompostbehälters im Garten: "Dadurch erspart man sich nicht nur manch lästige Entsorgung, sondern gewinnt am Ende sogar noch frischen Mutterboden."

Vom Aussterben bedroht: die Wildbienen

Besonders dramatisch ist es aktuell um die Wildbiene bestellt: "Wir nehmen den Tieren immer mehr Lebensraum weg, obwohl sie so wichtig sind für ein funktionierendes Ökosystem." Zu einem solchen trage nämlich nicht nur die Honigbiene, sondern auch die Wildbiene einen erheblichen Teil bei. Nicht nur Menschen, sondern auch die Asiatische Hornisse bedrohen sie aktuell, betont Schlöter. "Nicht nur für die Imker und die Honigbienen ist sie eine Gefahr, sondern für viele Insektenarten. Sie hat hier kaum natürliche Feinde." „Wer also eine Asiatische Hornisse im Garten entdeckt, sollte dies melden“, betont Anke Schlöter. „Dafür kann man sich etwa an Imkervereine oder die zuständigen Behörden wenden.“

Von kleinen Insektenhotels aus dem Discounter hält Anke Schlöter dagegen wenig: „Viele davon sehen hübsch aus, bringen den Wildbienen aber kaum etwas.“ Entscheidend seien laut Schlöter ausreichend tiefe Röhren und die richtige Verarbeitung. „Zu kurze Nisthilfen gelten als wenig sinnvoll, da Wildbienen für ihre Brut ausreichend tiefe Röhren benötigen.“

Gemeinsam für die Umwelt

Der Rundgang durch den Garten bestätigt, was zuvor besprochen wurde. An jeder Ecke finden sich Wasserstellen, Pflanzkisten und ungemähte Flächen. Wer genau hinschaut, entdeckt Hummeln, Bienen und Schmetterlinge. Totholz stapelt sich, eine Natursteinmauer bietet Unterschlupf und Lebensraum für Salamander und Eidechsen.

"Sicher kann nicht jeder Einzelne die Welt retten. Aber wenn alle versuchen, ihren Beitrag zum Umwelt- und Artenschutz zu leisten, sind wir schon einen Schritt weiter", betont Anke Schlöter.

Wer seinen Garten zum Naturgarten umgestalten möchte, kann sich an den BUND Schalksmühle wenden – dort gibt es unter anderem insektenfreundliche Saatmischungen für Beete.