„Die Konjunktur ist nicht so schlecht, sogar robust. Einige Unternehmen haben zwar vorsichtshalber mal Kurzarbeit angemeldet, ob sie diese auch einführen werden, ist nicht sicher. Die Volkswirte erstellen positive Prognosen und die Energiekosten sinken wieder. Wir müssen abwarten, was 2023 noch bringt.“ Horst-Werner Maier-Hunke, Vorsitzender des Märkischen Arbeitgeberverbandes, verbreitete durchaus Hoffnung bei der Vorstellung der Ergebnisse der jüngsten Konjunkturumfrage im Haus des Arbeitgeberverbandes in Iserlohn.
Daran hatten sich 80 der rund 460 dem Verband angehörenden Unternehmen mit rund 10.000 Beschäftigten beteiligt. Der Märkische Arbeitgeberverband ist zuständig für den nördlichen Märkischen Kreis, Hagen und den Ennepe-Ruhr-Kreis. Trotz positiver Ansätze blicke die mittelständische Märkische Industrie durchaus sorgenvoll in die Zukunft, was auch der MVA-Geschäftsführer Özgür Gökce bei der Präsentation der Umfrage-Ergebnisse unterstrich.
Die Geschäftsergebnisse der Betriebe trübten sich stark ein. Horst-Werner Maier-Hunke ergänzte allerdings, dass wesentliche Teile der Umfrage bereits auf den Zeitraum ab November 2022 zurückgehen und sich seither einige Rahmenbedingungen für die zumeist mittelständischen Unternehmen im Zuständigkeitsbereit des MAV verbessert hätten. Maier-Hunke stellte als Beispiel die wieder sinkenden Energiepreise und sich langsam besserndenLieferketten heraus.
Unternehmen nutzen Einsparpotenziale bei Energie
„Man kann nicht immer nur jammern. Man muss auch selbst etwas tun“, so der MAV-Vorsitzende an die Adresse seiner Arbeitgeber-Kollegen. Die hätten das durchaus getan und die Zeichen der Zeit erkannt. „Jedes Unternehmen hat bei den Energiekosten Sparpotenziale genutzt. Man muss sich damit beschäftigen – es gibt noch viele Möglichkeiten“, so Maier-Hunke. Die hohen Energiekosten hätten in vielen Betrieben zur Umsetzung von Projekten geführt – mit Erfolg. „Das Einsparziel von 20 Prozent haben die meisten Unternehmen bereits erreicht“, so der MAG-Vorsitzende.
Dennoch: „Die Geschäftserwartungen der Betriebe trüben sich stark ein. Hohe Energiekosten, mangelnde Nachfrage, aber auch der immer drängendere Fachkräftemangel verschlechtern die wirtschaftliche Lage. Für viele Mittelständler ist die Strom- und Gaspreisbremse in ihrer jetzigen Form unkalkulierbar“, so der MAV in seinem Konjunkturbericht.
Geschäftslage: 83 Prozent zufrieden
Die aktuelle Geschäftslage bezeichnen 83 Prozent der teilnehmenden Betriebe noch als gut oder befriedigend. Das ändert sich dann mit Blick auf 2023 drastisch. Für die nächsten sechs Monate befürchtet 45 Prozent eine Verschlechterung. Ebenso groß ist der Anteil derjenigen, die eine Verschlechterung der Auftragslage im Inland erwarten. 34 Prozent rechnen mit einer Abnahme der Aufträge im Ausland.
Die Ertragserwartungen stellen sich noch schlechter dar. 54 Prozent der Betriebe gehen von einem Rückgang der Erträge in den kommenden sechs Monaten aus. Vor diesem Hintergrund verschlechtert sich natürlich auch das Investitionsklima. 27 Prozent der Betriebe planen im Inland sinkende Investitionen. Hier wollen aber ebenfalls 27 Prozent auch mehr investieren. Im Ausland hingegen haben das nur 7 Prozent vor.
Mehr Betriebe rechnen mit Kurzarbeit
Im Hinblick auf die Beschäftigung setzen etwa zwei Drittel der Betriebe vor diesem Hintergrund auf das Halten der Belegschaft, zwölf Prozent planen für die nächsten sechs Monate Neueinstellungen. Mit 20 Prozent stellt sich eine steigende Zahl an Unternehmen auf Kurzarbeit ein. Von dem wichtigen Thema Ausbildung rücken die Betriebe vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels allerdings nicht ab. 70 Prozent wollen ihre Ausbildungsplätze beibehalten, 19 Prozent möchten sie noch weiter ausbauen.
Facharbeitermangel bleibt Thema der Zukunft
Das Thema der Zukunft bleibe der Facharbeitermangel sowie die Ausbildung eigener Arbeitskräfte für die heimische Metall- und Elektroindustrie. „Auch wir müssen etwas tun, um Nachwuchs für unsere Unternehmen zu gewinnen“, stellt Maier-Hunke auch Forderungen an die eigene Adresse. „Schüler und Lehrer haben doch keine Ahnung von der beruflichen Wirklichkeit. Was wir brauchen, ist ein entsprechendes Schulfach aber der Klasse 10. Hier sind wir vom Arbeitgeberverband, die SIHK, die Handwerkskammer – aber auch der Staat gefordert“, klare Worte von Horst-Werner Maier-Hunke. „Mal mit den Eltern zu einer Ausbildungsbörse zu gehen, reicht eben nicht“, ergänzt er. Er scheut auch nicht davor zurück, eine höhere Ausbildungsvergütung zu fordern, um Berufe attraktiver zu machen.
Zuwanderung deutlich ausbauen
Weiteres Stichwort: Zuwanderung. Maier-Hunke: „Wir werden das doppelte an gut ausgebildeten Zuwanderern brauchen. Das gilt auch für den Nachwuchs. Andernfalls haben wir in fünf Jahren keine Menschen mehr, die wir ausbilden können.“ Der MAV-Vorsitzende fordert von den Mitgliedsfirmen ein „Marketing für Ausbildung“ und von der Gesellschaft insgesamt eine „Willkommenskultur“.









