„Früher war das Thema einfacher. Da ging es nur darum, dass eine Straßenbeleuchtung sicher ist. Jetzt spielen der Umwelt- und Klimaschutz sowie Förderprojekte eine entscheidende Rolle“, erklärte Oliver Leuchtenberg. Seit Jahren ist er bei Westenergie für das Thema Beleuchtung zuständig und somit ein echter Experte. Das Unternehmen führte bereits eine Bestandsanalyse für Nachrodt-Wiblingwerde durch. Dabei kam heraus, dass derzeit 16 verschiedene Leuchten in der Gemeinde in Gebrauch sind. 901 sind es insgesamt. Darunter viele sogenannte Pilzlampen. „Die sind wirklich nicht gut. Die Lichtverschmutzung ist zu hoch, das Licht auf dem Gehweg zu gering. Außerdem sind die Masthöhen recht gering“, monierte der Experte.
Würden derzeit alle Lampen leuchten, entspräche das einem Verbrauch von 92 Kilowattstunden. „Sie haben da ja schon einiges getan und haben diesen Verbraucht bereits um 50 Prozent reduziert. Unser Ziel sind allerdings 28 Kilowattstunden. Denn nur so sind wir förderberechtigt“, betonte Oliver Leuchtenberg. Ein weiteres Problem seien die Leuchten an sich. „Wir haben einen großen Anteil von Leuchtstofflampen – nämlich 62 Prozent. Diese sind jedoch seit gut vier Wochen durch eine Regelung der EU aufgrund von Quecksilberanteilen verboten, sodass keine Lampen dieser Art mehr beschafft werden können“, macht der Experte das Problem deutlich. Zudem werden ab 2027 sogenannte NAV-Lampen verboten. Auch sie haben einen Quecksilberanteil und sind dann nicht mehr verfügbar. In der Gemeinde haben diese Leuchten einen Anteil von sechs Prozent. 15 Prozent der Nachrodt-Wiblingwerder Straßenlaternen sind sogenannte Quecksilberdampflampen. Diese sind bereits seit 2015 von der EU vom Markt genommen worden. Leuchtenberg: „Sie erfüllen unter anderem nicht mehr die Mindestanforderungen an die Energieeffizienz von Lampen.“
Natürlich wurden durch das Unternehmen auch die Kosten untersucht. Diese seien in den vergangenen Jahren stabil gewesen und liegen für 2023 bei rund 57.500 Euro. „Man muss bedenken, dass sich die Kosten ziemlich erhöht haben. Der Verbrauch hat sich aber gleichzeitig deutlich reduziert“, gab der Experte zu bedenken.
Natürlich sei eine Umrüstung auf LED teuer. 436.270 Euro werden dafür benötigt. „Der Bund hat aber bei der Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED-Technik bis zum 31. Dezember 2027 angeboten, einen Zuschuss in Höhe von 25 Prozent zu erlangen“, erklärt Leuchtenberg. Bei der Maßnahme muss jedoch die Einsparung mindestens 50 Prozent betragen. „Außerdem müssen die Leuchten eine gewisse Intelligenz haben. Sie müssen also zeit- oder präsenzgesteuert sein“, erläutert der Experte das Prozedere. Zudem gibt es genauer Vorgaben zur Lichtfarbe. Das diene vor allem den Insektenschutz und bekämpfe die Lichtverschmutzung. Wenn alles glatt laufe, könnte die Gemeinde 109.067,50 Euro Förderung bekommen. Der Eigenanteil läge dann bei noch 327.202,50 Euro. „Nach unseren Berechnungen hat sich das Projekt durch die Energieeinsparung bereits nach acht Jahren amortisiert“, sagt Leuchtenberg.
Die Ausschussmitglieder drängten darauf, schon in der kommenden und nicht erst in der übernächsten Ratssitzung darüber zu beschließen. „Wenn die Bearbeitung des Förderantrags schon neun Monate dauert, wie Herr Leuchtenberg erklärt hat, sollten wir zu sehen, dass wir das zeitnah beschließen“, appellierte der fraktionslose Matthias Lohmann an die Anwesenden. Die stimmten zu.









