Die Stimmung in den Mitgliedsunternehmen der Metall- und Elektroindustrie ist zum Jahreswechsel 2023/24 schlecht. Sowohl die aktuelle Wirtschaftslage als auch die Erwartungen für die nächsten Monate werden mit großer Mehrheit pessimistisch eingeschätzt. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Konjunkturumfrage des Arbeitgeberverbandes zum Jahreswechsel 2023/2024. Hohe Energie- und Rohstoffpreise, fehlende Entlastungen insbesondere der energieintensiven Betriebe, hohe Steuern und Abgaben, lähmende Bürokratie, die allgemeine Ungewissheit über die globale Wirtschaftsentwicklung und die rasant schwindende Wettbewerbsposition des Industriestandorts Deutschland machten den M+E-Unternehmen schwer zu schaffen.
Der Vorsitzende des AGV, Dr. Frank Hoffmeister, bezeichnete die Ergebnisse der Umfrage seines Verbandes als „sehr ernüchternd“. Sie seien nicht nur Ausdruck der größtenteils hausgemachten strukturellen Krise des Industriestandorts Deutschland. Immer sichtbarer werde, dass die Wettbewerbsfähigkeit des Landes immer mehr in Frage stehe. Die Zeit für einen wirtschaftspolitischen Kurswechsel sei mehr als reif. „Wenn jetzt nicht Wirtschaft und Arbeit klare Vorfahrt erhalten, wird unser Wohlstand massiv gefährdet“, warnte Hoffmeister. Das Land benötige schnell nachhaltige Lösungen für die entscheidenden Fragen seiner Zukunftsfähigkeit. Außer Frage stehe, dass jetzt die Wettbewerbsfähigkeit gestärkt, eine bezahlbare Energieversorgung gesichert und die Voraussetzungen für die Bewältigung der klimaneutralen Transformation geschaffen werden müssten. „Hier ist die Politik gefordert“, sagte Dr. Hoffmeister.
Sorge bereite ihm die stark zurückgehenden Investitionen, so der Vorsitzende des AGV. „Wenn 53 Prozent unserer Unternehmen ihre Investitionen im Inland weiter drosseln wollen, dann muss das die Politik spätestens jetzt aufrütteln“, erklärte Hoffmeister. Schon zum Jahreswechsel 2022/23 sei die inländische Investitionsbilanz im Minus gewesen. Von diesem niedrigen Stand geht es nun noch weiter zurück. Sollte sich dieser Trend verfestigen, greife dies die Substanz vieler Betriebe immer weiter an. Ohnedies belaste das gestiegene Zinsniveau die Finanzierungskosten von Investitionen. Angesichts der skeptischen Ertragserwartungen bei fast der Hälfte der Betriebe habe er große Sorgen, dass viele die notwendigen Mittel für die klimaneutrale Transformation nicht werden aufbringen können. Hoffmeister wörtlich: „Ich kann nur noch einmal betonen: Es muss jetzt dringend alles unterlassen werden, was die Industrie schwächt, und alles unternommen werden, was sie stärkt.“
Angesichts der unverändert zu hohen und international nicht wettbewerbsfähigen Energiepreise seien hierzulande zentrale Glieder der industriellen Wertschöpfungskette bis weit in die Metall- und Elektroindustrie hinein gefährdet. Alles hänge eben mit allem zusammen.
Die Ergebnisse der Umfrage im Einzelnen:
Geschäftslage:
Die M+E-Unternehmen in der Region beurteilen die aktuelle Geschäftslage in der M+E-Industrie vor Ort noch kritischer als im Vorjahr und ebenfalls nochmals kritischer als im aktuellen NRW-Durchschnitt: Gerade mal 16 Prozent der befragten Unternehmen bezeichnen ihre gegenwärtige Geschäftslage als „gut“ (2022/23: 31 Prozent). Besonders hoch ist mit 56 Prozent der Anteil derer, die mit der aktuellen Lage „unzufrieden“ sind (2022/23: 22 Prozent).
Geschäftserwartungen:
Ebenso pessimistisch sehen die Betriebe die Geschäftsperspektiven für die nächsten sechs Monate. 50 Prozent erwarten rückläufige Geschäfte (2022/23: 24 Prozent), nur neun Prozent erwarten eine Besserung (2022/23: 20 Prozent). Auch hier sind die Bewertungen kritischer als der auch schon sehr kritische NRW-Durchschnitt.
Auftragslage:
Auch die aktuelle Auftragslage ist schlecht, das Vorjahresniveau wird deutlich unterschritten.
• Die Ordertätigkeit aus dem Inlandbezeichnen sechs Prozent als „gut“ (2022/23: 30 Prozent), demgegenüber 56 Prozent als „schlecht“ (2022/23: 24 Prozent).
• Die Nachfrage aus dem Auslandbewerten elf Prozent der Betriebe als „gut“ (2022/23: 23 Prozent), dagegen 57 Prozent als „schlecht“ (2022/23: 23 Prozent).
Auftragserwartungen:
Auch der Blick nach vorn ist wenig verheißungsvoll. Die Erwartungen bei den Bestellungen haben sich im Vorjahresvergleich verschlechtert.
• Bei den Inlandsaufträgenrechnen nur neun Prozent mit einer Verbesserung (2022/23: 16 Prozent). An eine weitere Verschlechterung glauben derzeit 47 Prozent (2022/23: 20 Prozent).
• Etwas positiver ist die Entwicklung bei den Auslandsaufträgen.Immerhin 21 Prozent erwarten in den kommenden sechs Monaten eine Verbesserung (2022/23: 13 Prozent). Eine Verschlechterung erwarten 21 Prozent (2022/23: 23 Prozent).
Ertragslage:
Auch die Ertragslage hat sich deutlich eingetrübt. Die Zahl der Betriebe, die ihre Erträge als „gut“ bezeichnen, ist auf 19 Prozent gesunken (2022/23: 20 Prozent). Jedes zweite Unternehmen, 50 Prozent, bewertet seine Ertragslage als „schlecht“ (2022/23: 39 Prozent).
Ertragserwartungen:
Der Blick auf die Erträge der nächsten sechs Monate ist im südlichen Märkischen Kreis noch skeptischer. Mit einer rückläufigen Ertragsentwicklung rechnen 48 Prozent (2022/23: 33 Prozent), mit einer Verbesserung nur noch 13 Prozent (2022/23: 17 Prozent).
Investitionen:
Sinkende Nachfrage und schwache Ertragslage sowie die hohen Energiepreise und das steigende Zinsniveau machen sich auch bei den Investitionsplänen der Unternehmen bemerkbar.
• Im Inland wollen nur zehn Prozent der Betriebe ihre Investitionen ausweiten (2022/23: 13 Prozent). Dagegen wollen mehr als die Hälfte, 53 Prozent der Firmen ihre Investitionen zurückfahren (2022/23: 24 Prozent).
• Im Auslandplanen nur noch sechs Prozent mit zunehmenden Investitionen (2022/23: elf Prozent), demgegenüber beabsichtigen 41 Prozent (2022/23: elf Prozent), ihre Investitionen zu drosseln.
Beschäftigung:
Angesichts der mit Blick auf das nächste Halbjahr größer werdenden Unsicherheit durch vielfältige Risikofaktoren werden die Unternehmen auch bei der Beschäftigung vorsichtiger. Aber bislang spiegelt die Beschäftigungssituation immer noch nicht in vollem Umfang die beschriebene äußerst kritische wirtschaftliche Bewertung der Unternehmen wider.
• Neueinstellungen: Unverändert ist die Zahl der Betriebe mit 13 Prozent, die im nächsten Halbjahr neue Mitarbeiter einstellen wollen. In den vergangenen sechs Monaten waren es ebenfalls 13 Prozent der Betriebe die Neueinstellungen meldeten (2022/23: 24 Prozent bzw. 27 Prozent).
• Beschäftigungsabbau: In den vergangenen sechs Monaten haben 22 Prozent der Unternehmen Beschäftigung abgebaut, für die nächsten sechs Monate planen 25 Prozent mit einer rückläufigen Beschäftigung. Vor Jahresfrist waren die Vergleichswerte mit 16 Prozent (2. Halbjahr 2022) und elf Prozent (1. Halbjahr 2023) noch spürbar niedriger.
• Kurzarbeit: Auch der Anteil der Unternehmen mit Kurzarbeit wird größer und lag in den vergangenen sechs Monaten bei 34 Prozent. Für die nächsten sechs Monate ist mit einem Anstieg auf 38 Prozent zu rechnen. Vor einem Jahr meldeten 18 Prozent der Betriebe (2. Halbjahr 2022) sowie 24 Prozent (1. Halbjahr 2023) Kurzarbeit.
Ausbildung:
Als stabil erweist sich erfreulicherweise die Ausbildungssituation in der lokalen Metall- und Elektroindustrie. Nach wie vor wollen drei Viertel der Betriebe, 75 Prozent, ihr hohes Engagement unverändert beibehalten (2022/23: 77 Prozent). Gegenwärtig planen mehr Betriebe, 19 Prozent, ihr Engagement in der Ausbildung auszuweiten (2022/23: 14 Prozent). „Das werte ich als Bekenntnis zum Standort und als positives Zeichen“, sagte AGV-Geschäftsführer Christian Lepping bei der Vorstellung der Zahlen. Sechs Prozent wollen weniger Ausbildungsplätze anbieten (2022/23: 9 Prozent).










