Seit März 2023 findet jeden Dienstag von 13 bis 13.45 Uhr der Vorschulkurs statt. Derzeit angemeldet: 12 Kinder, die aber selten alle erscheinen. Von den Kindern stammt eines aus Moldawien, zwei kommen aus dem Kosovo und der Rest sind Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine. Während sich das kosovarische Mädchen Edona gerne auf die Lehrerinnen einlässt, tut sich der Ukrainer Artöm sehr schwer. Das weiß auch sein Vater Yurii, der den schüchternen Sechsjährigen begleitet und selbst derzeit versucht, „die schwere Sprache“ Deutsch zu lernen.
Albert ist da ganz anders. Er versteht schon ein paar Wörter, gibt sich wissbegierig, kennt schon die deutschen Zahlwörter bis zwanzig, einige Farben und Körperteile. Eine der wertvollsten Mitarbeiterinnen ist Olga Pauls, denn sie spricht fließend Russisch und kann sich so mit den ukrainischen Eltern leicht verständigen, als Dolmetscherin dienen und hilft zudem den zugewanderten Familien in schwierigen Lagen und vermittelt Helfer.
Brigitte Schmidt gehört seit acht Jahren (inklusive der zwei Corona-Jahre) dem ehrenamtlichen Team um die Leiterin Wiebke Gracin an. Sie hatte damals über die personellen Probleme des Vorschulkurses gelesen und prompt ihre Hilfe angeboten. Als Sprachspielpatin fördert sie intensiv in Kleingruppen Kinder mit geringen Deutschkenntnissen und setzt dabei auch Spiele wie etwa „Na Logo!“ ein.
Sabine Kappius arbeitet seit vielen Jahren ehrenamtlich als Gesundheitsförderin für das „KLARO-Projekt“ an der Grundschule Am Kohlberg und gehört auch zum Team.
Wiebke Gracin ist die Sprachbildungsbeauftragte am Kohlberg. Die Klassenlehrerin eines 3. Schuljahrs ist auch zuständig für die Sprachförderung von Kindern mit geringen Deutschkenntnissen. Auch sie macht diesen Kurs ehrenamtlich. Prinzipiell gehe es um Kinder mit Migrationshintergrund. „Manchmal sind auch Kinder dabei, die hier geboren wurden, aber trotzdem kaum Deutsch können“, erläutert Wiebke Gracin.
Es sei ein politisches Problem: „Von den zwölf teilnehmenden Kindern konnte die Stadt Meinerzhagen nur vier Kindern einen Kindergartenplatz anbieten. Also müssen müssen die Vorschulkurse sich mit den Kindern befassen“, stellt Gracin fest. Und weiter: „Oft konnten die Kinder auch im Heimatland keinen Kindergarten besuchen. Hier sind sie die Trennung von den Eltern und das deutschsprachige Umfeld nicht gewohnt und werden schnell zu Außenseitern, weil sie kaum Deutsch können.“
Der Kurs soll die Kinder spielerisch auf die Schule vorbereiten und Grundfertigkeiten trainieren. Es sollen Ängste genommen werden – auch bei den Eltern -, deshalb wurde bewusst die Schule als Veranstaltungsort gewählt, um so vorab ein vertrautes Umfeld zu schaffen.
Die Ehrenamtlichen seien auch im Sinne der Schulsozialarbeit tätig und bieten Beratungsmöglichkeiten etwa für Hilfestellungen (Erklärungen und Übersetzungen) bei Verträgen für die Schulbetreuung nach Schulschluss (Kidsclub bis 13 Uhr, OGS bis 16 Uhr).
„Das Angebot der Schulbetreuung ist wichtig für die Eltern, damit sie vormittags beispielsweise selbst Sprachkurse besuchen können. Im ersten Schuljahr endet der Unterricht in der Regel um 11.10 Uhr“, erklärt Wiebke Gracin weiter.
Während andere Kinder zukünftige Mitschüler bereits im Kindergarten kennenlernen, also schon bei der Einschulung auf Freunde treffen, sind Flüchtlingskinder oft allein. Das soll sich mit dem Kursangebot ändern, denn nun können auch sie bei der Einschulung Kameraden aus dem Kurs haben. Außerdem können dank des Kurses die Eltern mit ihren Kindern entsprechend zu Hause lernen – etwa bis zwanzig zu zählen, eine Schere oder einen Klebestift selbstständig zu benutzen.
Eltern wie Kinder haben diesen Kurs in der Vergangenheit sehr dankbar und regelmäßig angenommen. Dank einer Spende der Sparkasse Meinerzhagen Kierspe über 400 Euro konnten für die bedürftigen Vorschulkinder Bücher und Etuis (inklusive Stifte, Kleber, Schere) angeschafft werden. Auch der Lions Club hat bereits eine Kostenübernahme von Fördermaterial zugesagt. Gebrauchte Schul- und Sporttaschen wurden überwiegend von Kohlberger Familien gespendet.
Ausblick
Christina Sinn, eine weitere langjährige Sprachspielpatin, wird den Platz von Wiebke Gracin einnehmen, die dann andere zugewanderte Kinder aus den höheren Klassen zusätzlich vormittags im Rahmen des Förderunterrichts für Deutsch als Zweitsprache unterrichten kann.
Darüberhinaus sind permanent zukünftige Sprachspielpaten gesucht. Interessierte, die Freude daran haben, einmal wöchentlich mit einer Kleingruppe von zwei bis vier Kindern spielerisch Deutsch zu üben, können sich bei der Schulsekretärin Frau Ronge im Sekretariat unter Tel. 02354/904604 melden. Voraussetzungen: Erfahrungen und Freude im Umgang mit Kindern und ein polizeiliches Führungszeugnis. Eine kleine Einarbeitung gibt es auch.
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