In zwei Gruppen begleiteten Kunsthistoriker die 34 Teilnehmer durch die Ausstellung: Johanna Becker und Sören Nolte setzten in der einstündigen Führung Schlaglichter. Sie machten am Beispiel von Bildern Gabriele Münters (1911) und Henri Matisses (1907) deutlich, wie die jüngere Generation von der älteren gelernt und Ansätze weiterentwickelt hat. Beide haben Accessoires in einem Bild in unterschiedlichen Perspektiven gemalt und gezeigt, wie man Dinge unterschiedlich sehen kann. Bei Edvard Munchs „Jungem Mann am Strand“ bleibt die Figur in Konturen sichtbar, Landschaft wird abstrahiert. Eine Technik, die danach wegweisend auch für Fotokünstler war.
Mit der Künstlergruppe „Die Brücke“ entstanden Bilder ohne Konventionen: Ernst Ludwig Kirchner wollte Wegbereiter dieser Richtung sein und datierte eigene Bilder um, damit dies deutlich wurde; wies Johanna Becker auch auf Rivalitäten der Kunstschaffenden untereinander hin. Exzentrik und Genialität der Künstler werden ebenso deutlich wie Mäzenatentum. Unangefochten unter den Künstlern war Karl Ernst Osthaus. Der Hagener Bankierssohn und reicher Erbe seiner Großeltern wurde zum Sammler. Er förderte zahlreiche Künstler. Bereits 1901 stellte er ihnen ein Atelier zur Verfügung. Er schuf, was inzwischen als „Artists in Residence“ in der Kunstszene etabliert ist: Künstler einzuladen, vor Ort zu arbeiten, sich auszutauschen. Die dankten es ihm mit einer Kassette, zu der 50 Künstler Werke beitrugen, um ihre Wertschätzung für den Westfalen zu dokumentieren.
Osthaus wollte aus der Industriestadt Hagen auch eine Kunststadt machen. Seine umfangreiche Expressionisten-Sammlung fand schließlich eine Heimat in Essen, wo Ernst Gosebruch das Museum leitete. Er war es auch, der die Osthaus-Sammlung nach Essen holte, wo sie 1922 zum neuen Museum Folkwang wurde – mit einer der bedeutendsten Sammlungen expressionistischer Werke.
Als „entartete Kunst“ entfernten die Nazis 1.400 Werke aus dem Folkwang. Ein unermesslicher Schaden. Seit 1949 bemüht sich das Museum mit Hilfe von Förderern, die Werke wiederzubeschaffen. So bot die Ausstellung nicht nur Bilder mit opulenten Farben oder neuer Sichtweisen. Die KUK-Gruppen bekamen damit auch einen Eindruck, wie es in der Kunstszene des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts zuging, aber auch eine Einordnung in politisch-gesellschaftliche Verhältnisse.
Die künstlerisch und historisch aufschlussreiche Tour hatte Doris Busch, Karin Fischer und Marianne Kirsten perfekt organisiert. Dass trotz eines zeitgleichen Angebots der VHS Volmetal, 34 Teilnehmer sich für KUK-Tours entschieden hatten, werten die Organisatoren durchaus als Erfolg und Bestätigung für die Solidität ihres Angebotes. Wegen der schlechten Wetteraussichten wurde noch kurzfristig umdisponiert. Statt eines geplanten Besuchs im Gruga-Park bestand die Möglichkeit, sich die weitere Sammlung des Folkwang-Museums anzusehen. Marianne Kirsten wies bereits auf das nächste Highlight hin: im Mai 2023 geht es für KUK-Tours vier Tage nach Lüneburg und Hamburg.









