Der Kreistag machte in seiner jüngsten Sitzung im Lüdenscheider Kulturhaus dafür mit großer Mehrheit den Weg frei – wohl auch, weil der Kreishaushalt dadurch sogar um 513.000 Euro entlastet wird. Lediglich acht Kreistagsabgeordnete konnten sich nicht zu einer Entscheidung durchringen, sie enthielten sich der Stimme. Die Sitzung fand unter der Leitung des stellvertretenden Landrats Ralf Schwarzkopf (CDU) statt. Er vertrat den erkrankten Landrat Marco Voge.
Der Märkische Kreis ist als Schulträger verpflichtet, anspruchsberechtigten Schülern die Fahrtkosten zu den in seiner Trägerschaft befindlichen Schulen (Berufskollegs, Förderschulen) zu erstatten. Zu diesem Zweck erwirbt der Kreis bei der Märkischen Verkehrsgesellschaft (MVG) Schulwegmonatstickets. Diese Tickets berechtigen zur Fahrt zwischen Wohnanschrift und Schule und gelten nur an Schultagen (Montag bis Freitag bis 19 Uhr und Samstag bis 15 Uhr).

Durch die Einführung des Deutschlandtickets (1. Mai 2023) bieten die Verkehrsgesellschaften weitere Zahlungs- und Leistungsmodelle an, die ab dem neuen Schuljahr gelten. Dafür wurden bisher im Kreishaushalt gut 1,6 Millionen Euro veranschlagt. Bei Einführung des bezuschussten Deutschlandtickets stehen dort noch 1,09 Millionen Euro zu Buche.
Durch den Umtausch des Schülermonatstickets zum Deutschlandticket spart der Märkische Kreis demnach rund 513.000 Euro. Das Geld soll in einen Fond fließen, aus dem die Differenz zu den rabattierten Tickets gezahlt wird. Kosten darüber hinaus werden durch das Land NRW erstattet. Der Kreis bleibt im Rahmen der ohnehin vorgesehenen Haushaltsmittel, die Kommunen werden nicht zusätzlich belastet und die Schülerinnen und Schüler haben einen Mehrwert.
Kreisdirektorin Barbara Dienstel-Kümpel und Iris Beckmann-Klatt, Fachbereichsleiterin Jugend und Bildung, betonten im Kreistag, dass die Kreisverwaltung alles dafür getan habe, dass die Schüler „in den Genuss des sehr guten Tickets“ kommen. Demnach soll im Schuljahr 2023/2024 (ab 1. August) das Deutschlandticket an alle anspruchsberechtigten Schüler der Schulen in Trägerschaft des Märkischen Kreises ausgegeben werden. Die Verwaltung wurde zudem beauftragt, zum nächstmöglichen Zeitpunkt einen dafür nötigen Vertrag mit der MVG abzuschließen.
Demnach sollen die derzeit nicht anspruchsberechtigten Schüler (insgesamt 47) ebenfalls ein Deutschlandticket zum Preis von 29 Euro monatlich im Abo erhalten. So eindeutig wie die Abstimmung verlief die Debatte zuvor allerdings nicht. „Wir sind da Getriebene, wir wollen, dass Schülerinnen und Schüler in den Genuss des Deutschlandtickets kommen“, hatte Kreisdirektorin Barbara Dienstel-Kümper die Kreispolitikerinnen und Kreispolitiker nochmal eingestimmt.
Die jetzt getroffene Regelung sei eine Übergangsfrist. „Danach soll es andere Möglichkeiten für alle Schülerinnen und Schüler geben“, so Dienstel-Kümper. Kritik gab es aber vor allem vom Fraktionsvorsitzenden Bündnis 90/Die Grünen, Oliver Held. „Ist das ein kluges Vorgehen?“, fragte er mit Blick auf die seit längerem terminierte Bürgermeisterkonferenz am nächsten Tag. Die Kommunen würden so unter Druck gesetzt, für die Schulen in ihrer Trägerschaft nachzuziehen. Schulausschuss-Vorsitzender Peter Maywald sah das ganz anders: „Beschluss jetzt!“









