Der Ausschuss für Gesundheit und Soziales des Märkischen Kreises möchte das gemeinschaftliche Projekt mit der Agentur Mark „Zukunftsinitiative Gute Pflege – Märkischer Kreis“ zur Fachkräftegewinnung in der Pflege unterstützen. Wie der Märkische Kreis mitteilt, soll es zudem mehr organisierte Angebote für Famulaturen in Arztpraxen und Kliniken geben, um angehende Mediziner zum Bleiben zu animieren.
Den Stein ins Rollen brachte ein Antrag der SPD: Daraufhin habe der Fachdienst Pflege des Kreises gemeinsam mit der Agentur Mark ein praxisorientiertes Projekt entwickelt, das mehrheitlich vom Ausschuss befürwortet wurde. Die „Zukunftsinitiative Gute Pflege – Märkischer Kreis“ sei zunächst auf drei Jahre angelegt und werde voraussichtlich im Sommer starten.
Das neue Projekt hat vier Schwerpunkte
Die vier Schwerpunkte der Zukunftsinitiative stellte Johanna Muhl von der Agentur Mark jetzt in der Ausschusssitzung im Lüdenscheider Kreishaus vor. Handlungsfeld eins betreffe die Nachwuchsgewinnung und Ausbildung. Jeder wisse, dass aufgrund der demografischen Entwicklung die Ausbildungszahlen deutlich gesteigert werden müssten. Für die gezielte Planung von Aktivitäten fehle es aber an einer zusammenhängenden Betrachtung über die Nachfrage des Berufsbildes durch Jugendliche, Einstellungswünschen der Arbeitgeber und dem aktuellen Schulangebot der Pflegeschulen.
Mit der Erhebung der Grunddaten soll zunächst der aktuelle Stand definiert und daraus Maßnahmen entwickelt werden, die unter anderem zu mehr Vernetzung und der Verbesserung der Ausbildung und der Arbeitsbedingungen in der Pflege beitragen sollen.
Im zweiten Handlungsschwerpunkt gehe es um die Gewinnung von Fachkräften durch die Weiterqualifizierung bisheriger Hilfskräfte. Der Plan: Interessierte Hilfskräfte werden von ihrem Arbeitgeber zur Beschulung freigestellt. Den Lohn für diese Zeit zahle die Agentur für Arbeit. Dafür stehen Fördermittel zur Verfügung. Die Einrichtungen sollen Hilfe bei der Beantragung erhalten. Beim Lernen und bei der Prüfungsvorbereitung sollen die Hilfskräfte durch besondere Angebote begleitet und unterstützt werden, um Zugangshemmnisse abzubauen, heißt es in der Mitteilung des Kreises.
Ein Augenmerk gilt auch der Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland. „Die Anwerbung, Anerkennung und Integration von Fachkräften kann von einzelnen, kleinen Pflegeeinrichtungen nicht geleistet werden“, machte Muhl deutlich, zumal sie die Kosten pro vermittelter Pflegekraft bei rund 10.000 Euro veranschlagt. Neben der Transparenz über Anwerbewege, Dienstleister und Fördermittel setzen sich der Kreis und die Agentur Mark nach eigenen Angaben für eine regionale Vernetzung zur beruflichen und gesellschaftlichen Integration der angeworbenen Pflegerinnen und Pfleger ein. Für dieses Teilprojekt sollen EFRE-Gelder (Europäische Fonds für regionale Entwicklung, Anm. d. Red.) im Rahmen des Förderantrags „Arbeitgeberschmiede“ der Südwestfalenagentur beantragt werden.
Im vierten Handlungsfeld geht es laut Kreis darum, die technischen Möglichkeiten der Digitalisierung zur Entlastung der Pflegenden optimaler zu nutzen. Dazu gehören Dokumentationssysteme, Telemedizin oder Assistenzsysteme, die auf Künstliche Intelligenz (KI) basieren. Auch hier sei Vernetzung gefragt: Pflegeanbieter und Fachleute beispielsweise aus dem Kompetenzzentrum Mittelstand 4.0, den Zukunftszentren (KI), dem Zentrum für Telematik und Telemedizin, der GWS und einschlägigen Hochschulen sollen zusammengebracht werden, um bedarfsgerechte und praxisnahe Anwendungen zu entwickeln.
Neues Famulatur-Programm für angehende Mediziner
Die ärztliche Versorgung im Märkischen Kreis war das zweite große Thema in der Sitzung des Ausschusses für Gesundheit und Soziales. Um angehende Medizinerinnen und Mediziner von der Attraktivität der Region als Lebens- und Arbeitsmittelpunkt zu überzeugen, hatte der Kreis 2014 ein Medizinstipendium eingeführt. Die Nachfrage hatte laut Kreis zuletzt stark nachgelassen, so dass 2022 nur noch eins der vier möglichen Stipendien vergeben werden konnte.
Um die freiwerdenden Gelder sinnvoll zu nutzen, habe die Kreisverwaltung auf Antrag der CDU ein neues Famulatur-Programm aufgelegt. Es sei angelehnt an das „LOCAL HERO“-Projekt mit der Universität Witten/Herdecke, das sich seit 2022 auf einwöchige Praktika von fünf ortsfremden Medizinstudenten in Hausarztpraxen konzentriere. Nun soll dieses Jahr erstmals ein Versuch gestartet werden, darüber hinaus eine 30-tägige Famulatur für weitere fünf Studenten in interessanten (Fach-)Arztpraxen oder in Krankenhäusern zu organisieren.
Kreis sucht niedergelassene Ärzte und Kliniken als Kooperationspartner
Dafür werden noch Kooperationspartner bei den niedergelassenen Ärzten und den Kliniken gesucht. Ebenso brauche es gute Kontakte zu den Universitäten, um Studierende für das „Rundum-Sorglos“- Programm bestehend aus Unterbringung, Mobilität und Betreuung vor Ort sowie einem attraktiven Rahmenprogramm zu begeistern.









