Der bittere Scherz von Dr. Frank Hoffmeister, Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes Lüdenscheid (AGV), zeigt die Richtung an. „Es ist ja eher eine Rezessionsumfrage“, kündigte er die Ergebnisse der Konjunkturumfrage 2025/2026 an. Damit ist klar: Die Stimmung in den Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie im Verbandsgebiet ist weiterhin schlecht.
31 Unternehmen mit rund 5000 Beschäftigten haben sich an der Umfrage im Dezember 2025 beteiligt. Nur zehn Prozent bewerten die ihre aktuelle Geschäftslage als gut. Das sind sieben Prozent weniger als bei der Konjunkturumfrage des AGV im Dezember 2024. Dennoch gibt es leichte Verschiebungen. Nach der neuen Umfrage bewerten 45 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage als befriedigend (Vorjahr 31 Prozent). 45 Prozent schätzen die Geschäftslage als schlecht ein (Vorjahr 51 Prozent).
"Wollen Industrieregion bleiben"
„Das zeigt: Einige Unternehmen haben sich an die Lage angepasst und sehen jetzt ein Licht am Ende des Tunnels“, sagte Dr. Frank Hoffmeister. Das reiche aber nicht. „Wir sind eine Industrieregion und wollen es bleiben. Dafür muss die Politik dringend längst überfällige Reformen angehen und klare Prioritäten auf Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit setzen.“ Ohne diesen klaren Kurswechsel werde eine wirtschaftliche Trendwende kaum gelingen.
Dabei stehen für ihn drei Punkte klar im Vordergrund. Günstigere Energiepreise sowie mehr Tempo bei Entbürokratisierung und Digitalisierung seien die Schlüssel. Der Standort Deutschland erlebe nicht nur eine zeitlich begrenzte Delle, sondern befinde sich darüber hinaus in einer strukturellen Krise. Die aktuellen Rahmenbedingungen bremsten die Unternehmen. Sie litten unter hohen Arbeitskosten, hohen Steuern und Sozialabgaben, Belastungen durch eine sanierungsbedürftige Infrastruktur und unnötiger Bürokratie.
Höhere Sozialabgaben befürchtet
AGV-Geschäftsführer Christan Lepping mahnte darüber hinaus eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe an. „Wir müssen die gemeinsame Überzeugung wiedererlangen, dass wir eine starke Wirtschaft, insbesondere eine wettbewerbsfähige Industrie brauchen, um unseren Lebensstandard und Wohlstand zu erhalten“, sagte. Deutschland sei zu „gegenwartsverliebt“. Dabei sei doch klar, dass erst erwirtschaftet werden müsse, was politisch verteilt werden solle. „Das ist reine Mathematik.“ Ändere sich nichts, werde Deutschland in den 2030er Jahren bei Sozialabgaben in Höhe von 50 Prozent (derzeit 42 Prozent) landen.
Dr. Frank Hoffmeister sprach weiter äußere Einflüsse wie geopolitische Krisen oder die Zollpolitik des US-Präsidenten Donald Trump an. „Das kann die Märkte auch in diesem Jahr verunsichern und die wirtschaftliche Entwicklung belasten.“ Umso wichtige sei es, dass die eigenen Hausaufgaben am Standort Deutschland erledigt würden.

Hier weitere Zahlen aus der aktuellen Konjunkturumfrage:
Die Ordertätigkeit aus dem Inland bezeichnen nur noch sechs Prozent der Unternehmen als gut (2024/25: neun Prozent). Die Nachfrage aus dem Ausland bewerten zehn Prozent der Betriebe als gut (2024/25: elf Prozent), dagegen 55 Prozent als schlecht (2024/25: 49 Prozent).
Zehn Prozent der Unternehmen rechnen mit einer Verbesserung der Auftragseingänge (2024/25: drei Prozent). 16 Prozent befürchten eine weitere Verschlechterung (2024/25: 46 Prozent). Ganz ähnlich sieht es bei den Auslandsorders aus.
Die Ertragslage ist weiterhin kritisch. Nur 16 Prozent der Betriebe bezeichnen sie als gut (2024/25: elf Prozent). Die Zahl der Unternehmen, die ihre Ertragslage als schlecht bewerten bleibt bei 16 Prozent (2024/25: 63 Prozent). 16 Prozent der Unternehmen rechnen in den kommenden sechs Monaten mit rückläufigen Erträgen (2024/25: 44 Prozent). Nur 16 Prozent glauben, dass sich ihre Ertragslage verbessern wird (2024/25: zwölf Prozent).
32 Prozent der Unternehmen wollen ihre Investitionen im Inland zurückfahren (2024/25: 50 Prozent). Nur drei Prozent wollen mehr investieren. Auch bei Investitionen im Ausland wollen sich die Unternehmen zurückhalten.
Die wirtschaftliche Lage und die Prognosen hinterlassen bei vielen Unternehmen im wichtigsten Industriezweig der Region tiefe Spuren. 13 Prozent der Unternehmen haben in den letzten sechs Monate neue Beschäftigte eingestellt und wollen das im nächsten halben Jahr ebenfalls tun. 26 Prozent haben Arbeitsplätze abgebaut, 16 Prozent rechnen für die nächsten sechs Monate mit weiteren Entlassungen (2024/25: 29 beziehungsweise 38 Prozent). Die Kurzarbeit wird nach Einschätzung der Unternehmen zurückgehen.
Die Ausbildungslage bleibt in der Metall- und Elektroindustrie im Verbandsgebiet stabil. 87 Prozent der Unternehmen wollen ihr hohes Engagement unverändert beibehalten (2024/25: 76 Prozent). Sechs Prozent wollen ihr Ausbildungsplatzangebot ausweiten (2024/25: neun Prozent). Sechs Prozent wollen weniger Ausbildungsplätze anbieten (2024/25: 15 Prozent).










